Rezension

AM KÜCHENTISCH

Heimarbeit und Hausindustrie im Wandel der Zeit

Vom 3. Juli bis 31. Oktober 2020 lief im Esche-Museum Limbach-Oberfrohna die Ausstellung »Am Küchentisch. Heimarbeit und Hausindustrie im Wandel der Zeit«. Am 25.11.2020 erschien unter dem gleichen Titel eine Publikation als Ergänzung und Zusammenfassung der Ausstellung für die Besucher, denen die Ausstellung besonders gefiel oder jene, die sie verpassten.

Heimarbeit und Hausindustrie im Wandel der Zeit«, Esche-Museum Limbach-Oberfrohna 2020, Foto: Daniela Schleich

Geplant als Beitrag zum Jahr der Industriekultur in Sachsen, erhielt die Sonderausstellung zum Thema Heimarbeit im Esche-Museum in diesem Jahr unerwartete Aktualität. Homeoffice und mobiles Arbeiten gehören auf einmal selbstverständlich zum Arbeitsalltag. Die Ausstellung zeigte, dass Heimarbeit in der Region, gerade im Textilgewerbe, bis in die 1980er Jahre weit verbreitet und historisch gewachsen war. Ausstellung und Publikation vermitteln die Geschichte des erwerbsmäßigen Arbeitens zu Hause, angefangen von der Strumpfwirkerei um 1700 bis zur Trikotagenindustrie zu DDR-Zeiten.

Stube einer Familie bei der Kulierhandschuh-Herstellung

Bis Anfang des 20. Jahrhunderts waren die Heimarbeiter für Verleger, später für Fabrikanten tätig, die ihnen Material stellten und Stücklohn zahlten. Erzählt wird vom Arbeitsalltag zu Hause, aber auch von den wirtschaftlichen Bedingungen und von den Unterschieden zu selbstständiger gewerblicher Tätigkeit oder zur Arbeit in der Fabrik. Ihren Höhepunkt hatte die Heimarbeit mit dem Boom der Handschuhindustrie in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg, als die Region Limbach-Oberfrohna eine weltweit monopolartige Stellung in der Branche innehielt. In diesen Jahrzehnten bewegte sich die Wahrnehmung der Heimarbeit zwischen vermeintlicher Idylle in den eigenen vier Wänden und weit verbreitetem Elend.

Heimarbeiterin Klara Peters bei der Handschuhherstellung um 1920

Zu DDR-Zeiten war dann die Heimarbeit hauptsächlich eine Begleiterscheinung der Trikotagenindustrie, wo den Näherinnen Arbeitsplätze in der Wohnung eingerichtet wurden. Sie knüpfte zunächst an die jahrzehntelang gewachsenen Strukturen an, verlor aber mit zunehmender Rationalisierung und Zentralisierung an Bedeutung. Diese Epoche wird vor allem durch die Erinnerungen von Zeitzeuginnen veranschaulicht, die in der Ausstellung an Hörstationen verfolgt werden konnten und im Buch niedergeschrieben sind.

Clara Schwarzenwald

Informationen

Gabriele Papstmann/Barbara Wiegend-Stempel: Am Küchentisch. Heimarbeit und Hausindustrie im Wandel der Zeit. 14,7 × 21,0 cm, Brosch., 104 Seiten, Fadenheftung, 59 zum Teil farbige Abbildungen

VP bis 31.12.2020 14,63Euro / ab 1.1.2021 14,90 Euro

ISBN 978-3-96063-032-6

Das Buch ist im Museum, in allen Buchhandlungen und direkt beim Verlag zu erwerben.

Esche-Museum, Sachsenstraße 3, 09212 Limbach-Oberfrohna

Aktuelles zu Öffnungszeiten und Sonderausstellung auf

www.esche-museum.de

Die Litterata – Technik und Poesie in Mitteleuropa – ist ein Feuilleton des Mironde Verlags (www.mironde.com) und des Freundeskreises Gert Hofmann.

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