Feature

DAS BIMcert-HANDBUCH 2021

Vorstellung des neuen BIMcert Handbuchs in der Ausgabe 2021 – eine Grundkomponente der neuen einheitlichen BIMcert-Ausbildung der buildingSMART Österreich welches in Zusammenarbeit mit dem Mironde Verlag entstand.

Seit einigen Jahren ist in der Bau- und Immobilienwirtschaft die Abkürzung BIM (Building Information Modeling) in aller Munde. Mittlerweile wurde klar, dass man sich dieser Methode, die alle Lebensphasen eines Bauwerkes durchdringt, nicht entziehen kann. Doch gleichzeitig wurde auch deutlich, dass Digitalisierung die praktischen Erfahrungen nicht ersetzen kann. Ein „Reset“ mit neu ausgebildeten Studenten ist nicht praktikabel. Die Ertüchtigung des laufenden Prozesses des Planen, Bauen und Betreibens kann nur über die Qualifizierung der erfahrenen Praktiker erfolgen. Die Einführung in eine Software, so gut sie sein mag, reicht für diesen Zweck jedoch nicht aus. Es bedarf der Vergegenwärtigung der Strukturen des Bauwerkes, um die Funktion des BIM-Werkzeuges zu begreifen. Darüber hinaus wurde deutlich, dass BIM nicht nur neue Anforderungen an Werkzeuge, sondern auch an die Organisation von Projekten stellt – zumindest wenn darüber ein Mehrwert geschaffen werden soll. Es entwickelte sich eine Trennung der Ausbildung in Werkzeugausbildung und Funktionausbildung. Die Werkzeugausbildung erfolgte traditionell durch die Softwarehersteller (die ihre Produkte am besten kennen). Die Funktionsausbildung hingegen wurde auf unterschiedlichste Weise in einem enormen Wildwuchs an Möglichkeiten auf den Ausbildungsmarkt geworfen. Der Wettbewerbe konzentrierte sich auf Preis und Kürze – die Ausbildungsergebnisse waren überschaubar, die Angebote kurzlebig.

Auszug aus dem BIMcert Handbuch - Kapitel Vertiefendes Wissen
Auszug aus dem BIMcert Handbuch – Kapitel Vertiefendes Wissen

Im Zuge des Forschungsprojekts BIM-Zert entwickelten deshalb Forscherinnen und Forscher vier verschiedener, führender österreichischer Hochschulen (FH Salzburg-Kuchl, TU Wien, TU Graz, FH Kärnten Spittal/Drau) zusammen mit openBIM-erfahrenen Praktikerinnen und Praktikern, der Überbau Akademie sowie buildingSMART Austria ein Standardisiertes Qualifizierungs- und Zertifizierungsmodell für BIM in Österreich. Dieses fokussiert auf die Funktionsausbildung, bietet jedoch kontrolliert Schnittstellen zur Werkzeugausbildung um eine optimale Verschränkung zu gewährleisten. Die Ausbildung ist modular aufgebaut und bietet 3 Ausbildungsstufen, die sich an den typischen Anforderungen der praktischen Projektdurchführung orientieren:

Qualifizierungslevel A – dem grundsätzlichen Basiswissen
Qualifizierungslevel B – der Ausbildungsstufe für die Koordination von Projekten
Qualifizierungslevel C – der Ausbildungsstufe für die Leitung und Steuerung von Projekten

Detaillierte Informationen zu dieser Systematik können auf der Website der buildingSMART Austria abgerufen werden: https://www.buildingsmart.co.at/standards/bim-zert/

Die Empfehlungen aus diesem Forschungsprojekt werden nun in Folge von buildingSMART Österreich unter dem Namen BIMcert fortgeführt und entsprechen den Stufen des »Professional Certification«-Programms von buildingSMART International. Zur breitunwirksamen Durchführung am österreichischen Ausbildungsmarkt wurde eine Trainerzertifizierung aufgebaut welche eine eine einheitliche Ausbildungsqualität gewährleistet. Es wurde darüber hinaus einheitliches Schulungsmaterial aufgebaut und in Zusammenarbeit mit dem Mironde Verlag ein einheitliches Schulungsbuch erarbeitet: das BIMcert Handbuch.

Auszug aus dem BIMcert Handbuch - Kapitel Vertiefendes Wissen
Auszug aus dem BIMcert Handbuch – Kapitel Vertiefendes Wissen

In der Einleitung des Buches heben die Autoren hervor, dass die Überprüfung der BIM-Kenntnisse über international vergleichbare Qualitätsstandards für personenbezogene Kenntnisse und Kompetenzen gewährleistet sein muss. buildingSMART International hat daher eine »Professional Certification« entwickelt. Die Autoren schränken ein, dass sich ihre Ausbildung im Qualifizierungslevel A auf die Themen dieser »Professional Certification« konzentriert. Die Anwendbarkeit der Kenntnisse dominiert diesen Ansatz nicht zufällig, geht es doch um die Ertüchtigung von Praktikern im laufenden Prozess und um den Aufbau eines einheitlichen Basiswissens in der Breite. Anders als bei abstrakt-allgemeiner Wissensvermittlung des Schulbetriebes geht es hier um die Anwendung. Oft wird unterschätzt, dass die Anwendung von Wissen immer eine eigenständige Leistung erfordert, weil in der Wirklichkeit immer besondere Bedingungen herrschen, nie abstrakt-durchschnittliche.

Den Rahmen für dieses vorgestellte Bildungskonzept stellt eine herstellerübergreifende, offene und etablierte Technologie namens openBIM dar – einen internationalen offenen Standard für den Datenaustausch und die Zusammenarbeit. Die bekanntesten Komponenten aus openBIM sind IFC und BCF – wobei IFC bereits seit 2013 als ISO-Norm veröffentlich ist (ISO 16739).

Das konkrete Ausbildungs- und Zertifizierungs-Programm formuliert die Voraussetzungen, behandelt den Gesamtprozess unter verschiedenen Gesichtspunkten und fasst im Anhang wieder alle Aspekte in einem Planspiel – vom Gastautor Hannes Asmera – zum Gesamtprozess zusammen. Es dominiert der Vermittlungsansatz, dass BIM ein modernes Werkzeug ist, dass der Praktiker aber immer die Kompetenz zur Entscheidungen besitzen muss.

Die Autoren deuten an, dass das Handbuch in regelmäßigen Abständen in überarbeiteter Form erscheinen soll und in den kommenden Ausgaben weitere Gastautoren aus dem internationalen Raum eingebunden werden sollen.

Johannes Eichenthal

Die Autoren

Autor: Christoph Carl Eichler
Christoph Carl Eichler

Christoph Carl Eichler

war von 2006 bis 2011 als Architekt tätig. In dieser Zeit realisierte er zahlreiche BIM-Projekte in Österreich, den Niederlanden und Deutschland. Seit damals arbeitet er als BIM-Berater in zahlreichen BIM-Pilotprojekten öffentlicher Auftraggeber im Bereich Hochbau und Infrastruktur, engagierte sich im ASI-Komitee ASI 11/09 und ASI 15/11 sowie auf europäischer Ebene im CEN/TC442. Seit 2017 ist er außerdem an mehr als 25 Forschungsprojekten zu verschiedenen Aspekten der Digitalisierung in Zusammenarbeit mit der TU Wien und der TU Graz beteiligt. Seit 2015 leitete er mehrere BIM-Ausbildungsprogramme der Überbau Akademie und des Wifi Wien. Seit 2020 ist er Mitglied des buildingSMART Austria-Vorstands und Teil der Prüfungskommission für die BIMcert-Ausbildung.

Autor: Christian Schranz
Christian Schranz

Christian Schranz

ist Assistant Prof. an der TU Wien und leitet das Zentrum Digitaler Bauprozess (TU Wien). Er begann sein Forschungsarbeit an der University of Illinois at Urbana-Champaign, USA, und setzte diese an der TU Wien fort. Seine Forschungen beschäftigen sich mit der Modellierung von Baukonstruktionen (inkl. Lebenszyklusbetrachtung) und der Digitalisierung im Bauwesen, insbesondere dem Einsatz von openBIM und Augmented Reality. Als Vorstandsmitglied von buildingSMART Austria ist er für das Quality Management sowie die openBIM-Ausbildung verantwortlich. Er ist Teil der Prüfungskommission für die BIMcert-Ausbildung.

Autor: Tina Krischmann
Tina Krischmann

Tina Krischmann

ist Architektin und arbeitet als BIM Operation Director bei ODE office for digital engineering. Sie ist eine der ersten Zertifizierten Trainerin (BIM) von buildingSMART Austria, bei der sie auch die stellvertretende Leitung der nationalen Workinggroup »Digitale Baueinreichung« innehat. Neben zahlreichen Projekten als BIM-Projektleitung, BIM-Projektsteuerung und BIM-Gesamtkoordination leitet sie derzeit im EU-geförderten Forschungsprojekt »BRISE-Vienna« (digitale Baueinreichungen) die Arbeitsgruppe für die Umsetzung der Rechtsmaterie in die BIM-Methode. 

Autor: Harald Urban
Harald Urban

Harald Urban

ist stellvertretender Leiter des Zentrums Digitaler Bauprozess (TU Wien), staatlich geprüfter Baumeister und einer der ersten Zertifizierten Trainer (BIM) von buildingSMART Austria. Dort leitet er die nationale Workinggroup »Digitale Baueinreichung«, die er im EU-geförderten Forschungsprojekt »BRISE-Vienna« als openBIM-Baueinreichung weiterentwickelt. Er betreut zahlreiche Forschungsprojekte zum Thema Digitalisierung im Bauwesen und ist Mitautor der von der WKO und BMVIT beauftragten Studie »Potenziale der Digitalisierung im Bauwesen«. 

Autor: Markus Gratzl
Markus Gratzl

Markus Gratzl

ist als Bauphysiker an der Schnittstelle von Praxis und Wissenschaft tätig: In seinem Ingenieurbüro Gratzl widmet er sich unter der Bezeichnung Green.Building.Simulation der gesamten Bandbreite von Simulationen- von Gebäude- über Anlagen- bis hin zu Strömungs- und Tageslichtsimulationen. Als Professor für Simulationsmethoden in der Bauphysik am Studiengang Smart Building der Fachhochschule Salzburg leitet er vorwiegend kooperative F&E-Projekte. Unter anderem entwickelte und leitete er das FFG-Qualifizierungsnetzwerk »BIM-Zert«.

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Kapitel 1 Einleitung

1.1 Wer ist buildingSMART?

1.2 buildingSMART Professional Certification

1.3 BIMcert – bSAT Professional Certification

1.4 Aufbau und Konventionen

Kapitel 2 Basiswissen

2.1 Digitalisierungsgrundlagen

2.2 Werkzeuge

2.2.1 BIM-Applikationen

2.2.2 Kollaborationsplattformen

2.2.3 Datenstrukturwerkzeug

2.3 Struktur/Datenschema 

2.3.1 IFC-Datenstruktur

2.3.2 bSDD-Plattform

2.3.3 BCF-Kommentare

2.3.4 DataTemplates

2.4 Organisation

2.4.1 Rollen und Leistungsbilder (LM BIM)

2.4.2 BIM-Regelwerke (AIA, BAP)

2.4.3 openBIM-Zusammenarbeit

2.4.4 IDM-Methodik

2.5 Standardisierung und Normierung

2.5.1 Internationale Standardisierung

2.5.2 Europäische Standardisierung

2.5.3 Nationale Standardisierung

Kapitel 3 Vertiefendes Wissen

3.1 IFC – Industry Foundation Classes

3.1.1 Allgemeine Grundlagen

3.1.2 Begriffsdefinitionen

3.1.3 Konzeptionelle Layer

3.1.4 Vererbungshierarchie

3.1.5 Datenstruktur

3.1.6 Domains und Elementklassen

3.1.7 IfcElement und ihre Subklassen

3.1.8 Objektbeziehungen – Materialzuweisung und räumliche Zuweisung

3.1.9 Properties

3.1.10 Objekttypen

3.2 Model View Definition (MVD)

3.2.1 Nutzen von MVD

3.2.2 Etablierte MVDs und ihre Zielsetzung

3.2.3 Künftige MVD und ihre Zielsetzung

3.3 BCF-Kommentare

3.4 Common Data Environment (CDE)

3.4.1 Entwicklungsgeschichte

3.4.2 Zielsetzung einer CDE

3.4.3 Kriterien an CDE

3.5 Detaillierungsgrade (LOD, LOG, LOI)

3.6 Standardisierung und Normierung

3.6.1 ISO 16739:2013

3.6.2 EN 16310:2013

3.6.3 ÖNORM A 6241-2

3.6.4 ÖNORM A 7010-6

3.6.5 ISO 12006-3:2017 (bSDD Propertyserver)

3.6.6 ISO 29481-1/2

3.6.7 ISO 19650-1/2/3

3.6.8 Geplante Normierung und Standardisierung

Kapitel 4 BIM-Projektdurchführung

4.1 Projektinitiative

4.1.1 Festlegen der projektbezogenen Zielsetzungen

4.1.2 Festlegen des Finanzierungsmodells

4.1.3 Abstimmen der Leistungsindikatoren

4.2 Projektinitiierung

4.2.1 Identifizieren und Zusammenstellen projektbezogener Anforderungen

4.2.2 Erstellen und Einrichten der BIM-Leistungsbilder, Regelwerke, Verträge

4.2.3 Modellgestützte Bedarfsplanung (Anforderungsmodell)

4.2.4 Grundlagenaufbau (Vermessung, Bestandsmodell, Geländemodell)

4.2.5 Ausschreibung, Vergabe und Einrichtung der Kollaborationsplattform

4.2.6 Ausschreibung und Vergabe der Planungsleistungen

4.2.7 Durchführen modellgestützter Studien/Wettbewerbe

4.2.8 Aufbau des Planerteams / AN Planung

4.2.9 Einrichten des Projektmodells (PIM) mittels BIM-Kolloquien

4.3 Planung

4.3.1 Übergabe der Grundlagen an den AN Planung

4.3.2 Aufbau der Modellgrundlagen

4.3.3 Aufbau der Zusammenarbeit

4.3.4 Durchführen des Modellmanagements/BIM-Qualitätsmanagements

4.3.5 Durchführen der Koordinationssitzungen

4.3.6 Durchführen der Datenübergabe

4.3.7 Durchführen der modellbasierten Kostenermittlung

4.3.8 Fortschreiben der Projektvorgaben im Verlauf der Planung

4.3.9 Fortschreiben der Modelldaten

4.3.10 Durchführen der modellgestützten Genehmigungsverfahren

4.3.11 Durchführen des Probelaufs der Anbindung des CAFM-Systems des Betreibers

4.4 Ausschreibung und Vergabe 

4.4.1 Identifizieren und Zusammenstellen projektbezogener Anforderungen

4.4.2 Vorbereiten der Modellgrundlagen

4.4.3 Vorbereiten der Kollaborationsplattform

4.4.4 Erstellen der Ausschreibungsunterlagen

4.4.5 Durchführen der Ausschreibung und Vergabe

4.4.6 Gemeinsame Entwicklung der Projektstrategie für die Errichtung

4.4.7 Regulieren des Projektmodells (PIM) mittels BIM-Kolloquien

4.5 Errichtung 135

4.5.1 Durchführen der modellgestützten Bauzeitplanung

4.5.2 Durchführen der Werk- und Montageplanung

4.5.3 Durchführen der baubegleitenden As-Built-Dokumentation

4.5.4 Durchführen der modellbasierten Produktdokumentation

4.5.5 Zusammenstellen und Übergabe der Baudokumentation

Anhang

Gastbeitrag: Hannes Asmera

A Planspiel — Ein sinnvolles Simulationsinstrument im Rahmen der BIMcert-Ausbildung

Information

BIMcert Handbuch - Buchtitel
BIMcert Handbuch – Buchtitel

Christoph Carl Eichler, Christian Schranz, Tina Krischmann | Harald Urban, Markus Gratzl

BIMcert Handbuch. Grundlagenwissen openBIM Ausgabe 2021

200 farbige Abbildungen, 21,0 × 29,7 cm | 156 Seiten | Festeinband

VP 29,00 €

ISBN 978-3-96063-034-0

Das Buch ist über den Buchhandel oder direkt beim Verlag zu beziehen: buchversand.mironde.com

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