Reportagen

Walther Rathenau – Ein deutscher Patriot und Europäer

Der am 29. September 1867 in Berlin geborene Walther Rathenau, Außenminister der Weimarer Republik, wurde am 24. Juni 1922 in Berlin auf offenere Straße ermordet. Zum Gedenken an den weitsichtigen Staatsmann, erfolgreichen Präsidenten der AEG, den genialen Literaten, Maler, Musiker und Philosophen, tagte am 24. Juni 2012 im Industriesalon im traditionsreichen AEG-Komplexes in Berlin-Oberschöneweide die Walther-Rathenau-Gesellschaft.

Der Historiker Professor Michael Stürmer, der auch einen Kommentar in der Tageszeitung »Die Welt« veröffentlichte, würdigte Rathenau in einem Festvortrag. Er bezeichnete diesen als einen rastlosen Schreiber, der Deutschland, Europa und die Welt als vernetzte Systeme dachte, vor dem Ersten Weltkrieg Rüstungskontrollsysteme entwickelte, der 1914 die deutsche Rohstoffversorgung organisierte, um eine Katastrophe zu verhindern, und der auf die »Logik der technischen Systeme« setzte. Rathenaus Mörder bezeichnete Stürmer als »abgedankte, junge Offiziere«, die »schwerlich Ahnung von der Bedeutung (hatten), die Rathenau als Rüstungszar für die deutsche Kriegswirtschaft gespielt hatte, noch von der geschichtlichen Tragweite des Rapallo-Vertrages mit der Sowjetunion, der seine Unterschrift trug. Sie hassten ihn, weil er Patriot, Preuße, Europäer und Jude war.«

 

Am Nachmittag wurde im Beisein von Außenminister Guido Westerwelle, die restaurierte Grabanlage der Familie Rathenau übergeben. der Außenminister bezeichnete seinen Vorgänger Rathenau als Pragmatiker und Visionär, also als einen Menschen, der Gegensätze zu vereinen vermochte. Neben dem Außenminister sprach hier u.a. Andre Schmitz, der Berliner Staatssekretär für Kultur.

Um 18 Uhr wurde dann im Industriesalon der Dokumentarfilm »Von kommenden Dingen. Walther Rathenau in Freienwalde« im Beisein von Regisseur Professor Eberhard Görner aufgeführt. Der Film hatte mit Aufnahmen des brechenden Odereises im Frühjahr begonnen. Interviews wechseln sich immer wieder mit Impressionen von Schloss Freienwalde und seinem Park ab, kehren immer wieder an diesen für Rathenau wichtigen Ort zurück. Die besondere Begabung Görners, mit Menschen ins Gespräch zu kommen, zeigt sich besonders beim Interview mit dem jüdischen Psychoanalytiker Hans Keilson, der aus Bad Freienwalde stammt. In den Worten des Hundertjährigen wird das vergangenen Jahrhundert lebendig, auch wenn er am Ende sagt, dass er Rathenau in Bad Freienwalde nie gesehen habe, auch nicht in der Synagoge. Aber Görner schloss auch den Kreis zur Gegenwart. Als am 15. April 2010 der Außenministerin der USA, Hillary Clinton, in Berlin der Walther-Rathenau-Preis verliehen wurde, und sie eine Dankesrede hielt, da war Eberhard Görner mit seiner Kamera dabei.Interviewpartner verwiesen auf die Tätigkeit Rathenaus im Vorstand der AEG und in Firmen im Umfeld dieses Konzerns. Einzelne verlesene Briefe Rathenaus wurden von Schloss- und Parkbildern begleitet. Rathenau fand in seinen Briefen beeindruckende lyrische Bilder. Die Briefe lassen mit ihren Naturallegorien und gleichzeitigem lapidaren Tonfall ein großes dichterisches Talent erahnen. Die Kamera zeigt impressionistische Pastelle Rathenaus, die den besten Malern seiner Zeit nicht nachstanden. Abends soll er mitunter Beethoven-Klaviersonaten am Spinett gespielt haben.

Am Ende machte uns der Film aber deutlich, dass dieser Mann in großer Einsamkeit lebte.Die kongeniale Musik Günter Fischers vermochte in uns melancholische Töne zu wecken.

(Der Film läuft zur Zeit in deutschen Programmkinos, 23.8.2012 auf der Insel Amrum, am 19. September im Programmkino-Ost in Dresden. Weiter wird der Film demnächst auch im RBB-Fernsehen zu sehen sein.)

Ein vorläufiges Fazit

Neben dem Kommentar des Historikers Prof. Michael Stürmer in der Tageszeitung »Die Welt« war in den Online-Ausgaben großer Tages- und Wochenzeitungen im deutschsprachigen Raum nur noch drei Artikel dem 90. Todestag von Walther Rathenau gewidmet.

Werner van Bebber veröffentlichte am 23. Juni im Berliner »Tagesspiegel« einen Gedenk-Artikel mit der Überschrift »Patriot und Visionär«. Auch er geht zunächst auf Details des Attentates ein, lenkt die Aufmerksamkeit des Lesers aber dann auf den Film von Professor Görner und den Aufenthalt Rathenaus in Bad Freienwalde.

In der Tageszeitung »Junge Welt« veröffentlichte am 22. Juni 2012 der Jenaer Historiker Prof. Manfred Weißbecker unter dem Titel »›Rathenau liegt›. 24. Juni 1922. Der deutsche Außenminister wird ermordet.«

Weißbecker stellt das Attentat auf Rathenau in eine Reihe mit anderen Attentaten und hebt zugleich das gewaltige Ausmaß der Proteste gegen den Rathenau-Mord hervor. Am 24. Juni fuhr Rathenau, der jeden Personenschutz ablehnte, um 10.45 Uhr mit dem Wagen in das Auswärtige Amt. An diesem Tag stand die Ratifizierung des Vertrages von Rapallo, der am 16. April 1922 von Walther Rathenau für Deutschland und Georgi Tschitscherin für die Russischen Sozialistische Förderative Sowjetrepublik (RSFSR) unterschrieben worden war, im Reichstag an. In einer Kurve überholten ein PKW Rathenau, die Mörder gaben etwa zehn Schüsse aus einer Maschinenpistole ab und warfen eine Handgranate. Sie entkamen zunächst unerkannt und gaben eine Meldung an ihre Auftraggeber ab: »Die Sache hat geklappt. Rathenau liegt.«

Aufgrund großen öffentlichen Druckes verhaftete man zunächst auf Verdacht einige Mitglieder der »Organisation Consul«. Am 29. Juni 1922 wurde der Chauffeur der beiden Mörder, Ernst Werner Techow, verhaftet. Danach stellte man die Identität der Mörder Erwin Kern und Hermann Fischer fest. Beide kamen bei einem Feuergefecht mit der Polizei am 17. Juli 1922 auf Burg Saaleck bei Naumburg ums Leben. Beim anschließenden Prozess gegen Tatbeteiligte wurde die »Organisation Consul« nur auf Druck des Justizministers Gustav Radbruch von der Staatsanwaltschaft angeklagt. Der Chef dieser Organisation, Korvettenkapitän a. D. Hermann Ehrhardt wurde gar erst am 30. November 1922 verhaftet, ihm wurde aber schon am 2. Dezember 1923 die Flucht aus dem Untersuchungsgefängnis ermöglicht. Die Hintermänner des Attentates macht Weißbecker in »nationalistisch-konservativen Kreisen« aus. Weiterwirken von Vorurteil sieht Weißbecker heute noch. So zitiert er aus öffentlichen Reden bei der Verleihung des diesjährigen Walther-Rathenau-Preises an den polnischen Premierministers Donald Tusk durch Bundeskanzlerin Angela Merkel den Preisträger mit den Worten: Rathenau habe mit der Unterzeichnung des Vertrages von Rapallo ein »verheerendes Signal Richtung Mitteleuropa« gesandt.

Werner van Bebber veröffentlichte am 23. Juni im Berliner »Tagesspiegel« einen Gedenk-Artikel mit der Überschrift »Patriot und Visionär«. Auch er geht zunächst auf Details des Attentates ein, lenkt die Aufmerksamkeit des Lesers aber dann auf den Film von Professor Görner und den Aufenthalt Rathenaus in Bad Freienwalde.

Hier werden zwei verschieden Aspekte berührt.

Was sind »nationalistisch-konservative Kreise«? Die Nation ist ein naturwüchsiges Verhältnis. Nationale Interessen sind legitim. Primär geht es um gute Nachbarschaft mit anderen Nationen, bzw. mit den regionalen Großmächten. Egon Bahr ist einer der wenigen Intellektuellen, die heute noch in diesem Sinne davon sprechen, dass eine deutsche Regierung deutsche Interessen vertreten müsse und keine ausländischen.

In diesem Lichte muss man sagen, dass die Attentäter und ihre Hintermänner deutsche Interessen verraten haben.

Aber auch konservativ waren diese Kreise nicht. Bismarck wusste noch, was konservative Geopolitik ist. Seine Nachfolger, die den Ersten Weltkrieg entfachten, hatten dem Anschein nach keine Ahnung mehr. Den monarchistischen Traditionalisten, die sich eine Welt ohne deutschen Kaiser nicht vorstellen konnten, fehlte Bismarcksche Denkfähigkeit und Wachheit. Der griechische Gelehrte und Europäer Panajotis Kondylis, der jeweils ein halbes Jahr in Heidelberg lebte, meinte um 1980 bedauernd, der deutsche Konservatismus sei nur noch eine Grabinschrift.

In der Tat heißt konservativ sein, wichtige Dinge zu bewahren, indem man weniger wichtige Dinge verändert. Wenn man so will, war Walther Rathenau einer der letzten konservativen Vertreter deutscher Interessen. Seine Mörder waren alles mögliche, aber konservative Vertreter deutscher Interessen waren sie nicht. Interessant wäre die Frage, in welchem Interesse diese Leute dann handelten? Am 90. Todestag sind wir es Walther Rathenau schuldig, kein bloßes Gedenk-Ritual zu absolvieren, sondern weiter zu denken.

Am 1.7.2012 veröffentliche die Wochenzeitung »Die Zeit« einen Artikel von Robert Leicht mit der Überschrift »Nachts bin ich Bolschewik. Industrieller, Staatsmann, Lebensphilosoph – Walther Rathnae, der im Juni 1922 in Berlin ermordet wurde, lebte ein Leben der Widersprüche. Ein Porträt des politischen Intellektuellen.« Leicht setzt als Maßstab die Begründung der Westbindung der Bundesrepublik, also die westliche Mainstream-Sicht aus der Zeit des Kalten Krieges auf die Geschichte an. So wundert es nicht, dass er Rathenau Größe abspricht und für Tragik plädiert. Das ist dem Anschein nach von ihm abwertend gemeint. Der Autor ahnt wohl eher nicht, dass Tragik im antiken Sinne bedeutet, dass der Held das Richtige tut, und dennoch untergeht …

 

Zur Erinnerung einige Fakten deutsch-russischer Beziehungen

(Diese Aufzählung kann hier nur unvollständig sein)

3.3.1917 Februaraufstand in Russland. Bildung einer Provisorischen Regierung unter Kerensky. Forderung der bäuerlichen Mehrheit nach Beendigung des Krieges und Bodenreform

1917 April/Mai: Wiederaufnahme der Kampfhandlungen der russischen Armee gegen die »Mittelmächte« (Deutsches Reich und Österreich) auf Druck aus den USA hin.

6./8.11.1917 Beendigung des Weltkrieges (Dekret über den Frieden) und Bodenreform (Dekret über Grund und Boden) durch die durch Aufstand an die Macht gekommene Regierung von Sowjetrussland.

15.11.1917 Entlassung aller zaristischen Kolonien in die Unabhängigkeit (Deklaration der Rechte der Völker Russlands). Auch Polen und Finnland erhielten auf diese Weise die Unabhängigkeit.

25.12.1917 Dekret über die Nationalisierung der Banken

1918 zahlreiche Staaten brechen die diplomatischen Beziehungen mit der RSFSR ab

18.2.1918 Beginn der deutschen Offensive gegen Sowjetrussland. Besetzung von Weißrussland und der Ukraine.

23.2.1918 Gründungsaufruf der Roten Armee

3.3.1918 Unterzeichnung eines Friedensvertrages zwischen Deutschland und der RSFSR in der Grenzstadt Brest-Litowsk (Die Bedingungen übertrafen den Friedensvertrag von Versailles an Härte, u.a. die Abtretung des Baltikums, Weißrusslands und der Ukraine an Deutschland. Nationalistische Kreise in Russland fassten die Vertragsunterzeichnung als Verrat an russischen Interessen auf. Mehrere Attentate auf Politiker der Bolschewiki, auch auf Lenin. Ermordung des deutschen Botschafters Graf Mierbach.)

10./11.3.1918 Landung von Interventionstruppen der Entente in Murmansk und von Japan in Wladiwostok

11.6.1918 Dekret über die Nationalisierung der Großindustrie und Eisenbahn

13.11.1918 Annullierung des Brester Friedens durch die RSFSR

18.11.1918 Landung britisch-französischer Interventionstruppen in Südrussland

April 1920 Polnische Truppen beginnen die Ukraine zu besetzen und sind am 7.5.1920 in Kiew. Gegenschlag der Roten Armee Richtung Warschau. 12.10.1920 Waffenstillstand von Riga. 18.3.1921 Friedensvertrag von Riga. Neufestlegung der polnisch-russischen Grenze mit der so genannten »Curzon-Linie« (nach dem britischen Außenminister) Durch Einwirkung von Großbritannien und Frankreich werden große Teile der Ukraine und Weißrusslands Polen zugeschlagen.)

28.2.–18.3.1921 Auf Initiative Lenins radikaler Kurswechsel der strategischen Politik. Wiederzulassung von Privateigentum, Privatkapitalismus, Staatskapitalismus und so genannten »joint ventures« mit westlichen Konzernen.

16.4.1922 Unterzeichnung eines Vertrages mit Deutschland in Rapallo, um die Beziehungen zu normalisieren.

1925 Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen der UdSSR zu Japan.

24.4.1926 Neutralitäts- und Nichtangriffsvertrag mit Deutschland (Berliner Vertrag).

1931 im September landeten japanische Truppen in China und drangen in Richtung Mongolei und UdSSR vor. (20 Millionen Chinesen sterben in Folge dieses Krieges).

Verschiedene Versuche kollektive Abrüstung und kollektive Sicherheit in Europa durchzusetzen scheitern.

23.8.1939 Unterzeichnung eines Nichtangriffsvertrages zwischen Deutschland und der UdSSR nach Geheimverhandlungen und mit einem geheimen Zusatzprotokoll. (Mit der Unterzeichnung verletzte Stalin nicht nur die Interessen der UdSSR, er verstieß auch gegen das Gebot, das die internationale Arbeiterbewegung im Ersten Weltkrieg aufstellte: keine Geheimverhandlungen über Krieg und Frieden. Alles muss offen gelegt werden.)

24.8.1939 Beginn der Offensive der UdSSR gegen die japanischen Interventionstruppen in Fernost unter Marschall Shukow.

1.9.1939 Der Zweite Weltkrieg war schon seit 1931 im Gange. Der deutsche Überfall auf Polen sollte das deutsche Aufmarschgebiet für den Überfall auf die UdSSR schaffen. Ein konkreter Plan für diesen Krieg lag Hitler 1939 bereits vor. Vgl. Müller, Rolf-Dieter: Der Feind steht im Osten. Hitlers geheime Pläne für einen Krieg gegen die UdSSR im Jahr 1939. Der Militärhistoriker Rolf-Dieter Müller zieht in seinem 2011 im Christoph-Links-Verlag erschienen Buch eine Verbindung vom Vordringen der Reichswehr und der Wehrmacht in das Baltikum, die Ukraine und Weißrussland.Müller geht auch auf die Annäherung zwischen der Regierung von Reichskanzler Hitler und dem polnischen Präsidenten Jozef Pilsudski ein. Diese Annäherung gipfelt in einem gegen die UdSSR gerichtetem deutsch-polnischen Nichtangriffs- und Beistandspakt von 1934. Erst durch die Entscheidung Polens für ein Bündnis mit Großbritannien im Jahre 1938 wurde diese Liaison beendet.

Müller belegt, dass Reichskanzler Hitler vom ersten Tag seines Amtsantrittes an seine gesamte Politik auf einen Krieg gegen die Sowjetunion ausrichtet. Dabei stellt Müller fest, dass der Reichskanzler in diesem Punkt den Widerstand seiner eigenen Parteiführung und den der Wehrmachtsführung brechen musste.

In wessen Interesse handelte Reichskanzler Hitler eigentlich?

Wir sehen allein mit dieser unvollkommenen und flüchtigen Aufreihung von Fakten, dass Rathenaus Engagement für Abrüstung, für Normalisierung der diplomatischen Beziehungen zur RSFSR (der späteren UdSSR), nach den Demütigungen der russischen Seite durch die Vertragsbedingungen von Brest, von Weitsicht getragen war.

Schließlich waren in den 1930er Jahren alle Regierungen unfähig, die Katastrophe des Zweiten Weltkriegs zu verhindern. In unserer heutigen Welt ist Sicherheit erst recht nur als gemeinsame Sicherheit möglich, wie es Egon Bahr nicht müde wird hervorzuheben. Sichere international Beziehungen sind aber nichts anderes als zivilisierte Beziehungen zwischen den Nationen und ihren Interessen. Internationales ohne nationale Interessen kann es also nicht geben.

Walther Rathenau war in diesem Sinne ein Denker der Diversivität und Komplexität.

Professor Michael Stürmer beendete seinen Kommentar mit den Worten: »Was unsere Republik braucht … ist ein Rathenau für unsere Zeit.«

Dem ist nur hinzuzufügen, dass Eberhard Görner als sinnliches Bild für Rathenau das brechende Eis der Oder wählte.

Johannes Eichenthal

 

Information

Görner, Eberhard: Von kommenden Dingen. Walther Rathenau in Freienwalde. DVD 2011. (Über die Tourismus GmbH Bad Freienwalde erhältlich.

www.schloss-freienwalde.de

Müller, Rolf-Dieter: Der Feind steht im Osten. Hitlers geheime Pläne für einen Krieg gegen die UdSSR im Jahr 1939. Christoph-Links-Verlag 2011.

ISBN 978-3-86153-617-8

Bahr, Egon: deutsche Interessen. Blessing-Verlag 1998.

ISBN 978-3-89667-069-4

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One thought on “Walther Rathenau – Ein deutscher Patriot und Europäer

  1. 1902 erschien Walther Rathenau´s Essay-Sammlung „Impressionen“. U.a. finden wir darin eine fantastische Liebeserklärung an Berlin: „Die schönste Stadt der Welt“, ein köstlicher Lesespaß aus dem Blickwinkel eines Weltbürgers. Hier sein Schluß:
    ( „… Verzeihe mir, lieber Leser: Alles ist nur Scherz. Ich wollte kein Preisausschreiben über die Verschöne-rung Berlins mit „sachgemäßen Vorschlägen“ beantworten. Wir hatten uns nur darüber unterhalten, wie man Weltstadt wird – und ich meinte nur , dass dies mit Trottoirverbreiterungen und Uraniasäulen nicht getan ist. Sei unbesorgt ! Ich will nicht Bürgermeister werden, und unsere städtischen Machthaber sind bekanntlich keineswegs unbeschränkt. Auch lassen Körperschaften dieser Art sich keinerlei Vorschriften machen und Milliarden sind leichter gefordert als bewilligt. Nein, es wird weder Kaskaden, noch Triumphstraßen geben; und draußen, vor dem Brandenburger Tor, wird sich ebensowenig ändern, wie sich seit fünfundzwanzig Jahren geändert hat. Ich glaube, selbst der blinde Leiermann steht noch dort, dem ich als Kind manches runde Dreierstück in die Blechbüchse stecken durfte, wenn meine Großmutter mich vor das Brandeburger Tor führte, um den alten Kaiser ausfahren zu sehen. Damals spielte der Invalide “ ´s gibt nur a Kaiserstadt,
    ´s gibt nur a Wien“; und wenn er inzwischen mit der Zeit fortgeschritten ist, so hat er wohl heute den neueren und fröhlicheren Refrain auf der Walze:
    „Berlin wird doch noch ein-mal
    die schönste Stadt der Welt“.)

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