Reportagen

475 Jahre Papier aus Penig

 

Penig ist eine sächsische Kleinstadt zwischen Chemnitz und Leipzig. Hier durchquerte einst eine Furt die Zwickauer Mulde, später baute man eine Brücke über den Fluss. Die Straße von Prag nach Leipzig brachte einigen Handel mit sich. In Kriegszeiten war der Muldenübergang jedoch stets umkämpft. Alle möglichen Armeen kampierten hier, die Feldherren belegten die Häuser am Markt. Literarisch interessierte wissen, dass um 1800 der Verlag Ferdinand Dienemann hier sein Stammhaus hatte. Vor allem junge Autorinnen und Autoren aus dem Kreise der Romantiker machten diesen Verlag bekannt. Manch ein Buch erschien auch ohne Verfasserangabe oder mit einem Pseudonym. So ist z.B. selbst für Kenner noch heute ein Rätsel, wer hinter der Verfasserangabe »Bonaventura« steckt, der um 1804/1805 in Penig eine Erzählung mit dem Titel »Nachtwachen« veröffentlichte.

Bücher wurden auf Papier gedruckt und in Penig gibt es seit 1537 eine Papiermühle, die später Papierfabrik genannt wurde. Noch heute wird in Penig Papier hergestellt.

So begehen die Peniger Papiermacher, hier das ehemalige Hauptportal des Firmengebäudes, in diesem Jahr ihr 475. Gründungsjubiläum.

Für den Abend des 12 Oktober wurde zu einer Ausstellungseröffnung über 475 »Jahre Papier aus Penig« in »Karstas Kleines Kino« eingeladen. Heiner Unger, ein früherer leitender Angestellter der Papierfabrik, hatte die Ausstellung zusammengestellt und eine Festschrift verfasst. Reinhard Geißler, der Leiter des heutigen Werkes Penig der Schoeller Technocell GmbH & Co KG, begrüßte voller Freude die Gäste.

Darauf stellte sich Herr Unger den Fragen des Moderators und erklärte im Zwiegespräch die Geschichte der Papierherstellung in Penig, die Geschichte des Familienbetriebs, den Wechsel der Eigentümerfamilien, Höhen und Tiefen, technische Details und Rohstoffprobleme usw. usf. Aus Penig kam einst das Briefpapier für die Sächsische Staatskanzlei, für Banknoten oder für wichtige Buchprojekte, so für die Thomas-Mann-Werk-Ausgabe in 12 Bänden, die der gebürtige Chemnitzer Walter Janka im Berliner Aufbau-Verlag veröffentlichte.

Herr Unger hob die Bedeutung des Betriebsarchives für die Erarbeitung der Festschrift hervor. Doch dort liegen nur Akten. Der Autor versteht es, aus den verschiedenen Belegen eine interessante Erzählung zu formen. Heute, so Herr Unger, produziert die Papierfabrik ausschließlich Dekor-Papier nach höchsten Anforderungen.

(Man muss anfügen, dass Herr Unger auch ein kleines Betriebsmuseum eingerichtet hat.) Die Zuhörer lauschten nicht nur aufmerksam, sondern brachten am Ende eigene Anregungen ein. Man merkte, es waren auch Papiermacher darunter.

Eine alte Papierfabrik besaß Wasserzeichen. Dies ist das älteste Peniger Wasserzeichen.

So sah die Papierfabrik um 1750 aus.

Ferdinand Traugott Flinsch, aus einer der ältesten Papiermacherfamilien Deutschlands stammend, eigentlich ein Papierhändler, wurde 1834 Teilhaber der Papiermühle und führte das Unternehmen zu seiner Blüte. Heiner Unger hatte seine Festschrift unter das Motto des alten Flinsch gestellt: »Nicht im Unterbieten einer billigen und schlechten Ware, sondern in einem Überbieten der Qualität besteht der wahre Wert der Produktion.«

1872 wurde die Papiermühle in eine Aktiengesellschaft umgewandelt.

Die Papierfabrik Penig an der Mulde.

Papiermaschine Nummer 1.

Der Kollersaal.

Ein bekanntes Produkt war das Manila-Schreibmaschinenpapier. Hier das Wasserzeichen dazu.

Auch Geldscheine wurden auf Peniger Papier gedruckt. Hier ein Exemplar eines Notgeldes.

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Der Titel der Festschrift von Heiner Unger. (Entwurf von Birgit Eichler)

Die gedruckte Variante ist als Festgabe für die Betriebsangehörigen vorgesehen.

Im Mironde-Verlag wird, wie an diesem Abend von der Verlagsleitung zu hören war, zur Frühjahrs-Buchmesse in Leipzig 2013 diese Festschrift als E-Book vorgestellt werden.

Johannes Eichenthal

 

Die Abbildungen 4 bis 13 stammen aus der Festschrift

 


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