Essay

Zum 100. Todestag von Johann Traugott Sterzel

150515SterzelTitel1994

Abbildung: Sonderheft der Kulturzeitschrift »Miriquidi« von 1994 zur Erinnerungen an Johann Traugott Sterzel

Am 4. April des Jahres 1841 wurde Johann Traugott Sterzel in der Ansiedlung Dresden, im US-Bundesstaat Missouri geboren. Seine Eltern waren 1838 in die USA ausgewandert. Wie viele deutsche Auswanderer kehrte die Familie aber nach Deutschland zurück. Seine Kindheit verlebte Sterzel im unteren Ortsteil des heutigen Niederfrohna. Die reizvolle Natur des Frohnbach- und des Muldentales  prägte ihn sein Leben lang. Zunächst besuchte er die Grundschule im unteren Ortsteil von Niederfrohna und von 1856–1860 das Fürstlich-Schönburgische Lehrerseminar in Waldenburg. Die Ausbildung war so breit angelegt (Zeichnen, Musik, Literatur, Sprachen, Wissenschaften), dass die Lehrer am Ende alle Fächer auf hohem Niveau unterrichten konnten. Sterzel gehörte zu den besten Absolventen. Ein Jahrgang über ihm lernte übrigens der Seminarist Karl May. Nach zweijähriger Hilfslehrertätigkeit in Waldenburg arbeitete Sterzel als Lehrer in Chemnitz. Zum Lehrerberuf gehörte seinerzeit ganz selbstverständlich eigenständige Forschungsarbeit und Tätigkeit in der 1861 gegründeten Chemnitzer  »Naturwissenschaftlichen Gesellschaft«.
Diese Gesellschaft war aus dem 1828 gegründeten »Literarischen Verein« und dem 1959 gegründeten »Naturwissenschaftlichem Leseverein« hervorgegangen.
Die Chemnitzer Industrie, u.a. der Unternehmer Richard Hartmann, hatte große Hoffnungen in die Entdeckungen von Steinkohlevorkommen im so genannten Lugau-Oelsnitzer-Revier gesetzt. Diese Hoffnungen wurden aber enttäuscht. Der Untersuchung der kohleführenden Karbonschichten und deren Abgrenzung zu anderen Schichten widmete sich die »Naturwissenschaftliche Gesellschaft« und auch Johann Traugott Sterzel.
Die »Naturwissenschaftliche Gesellschaft« vermochte es, andere Vereine zu integrieren (Ornithologischer Verein, Endomologischer Verein, Naturkundliche Vereinigung des Lehrervereins u.a.) und auch zoologische, botanische und mineralogische Sammlungen von bekannten Persönlichkeiten aufzunehmen.
Johann Traugott Sterzel wurde Kustos der Naturwissenschaftlichen Gesellschaft und betreute diese Sammlungen. 1875 war Sterzel an der Universität Rostock mit einem paläobiologischem Thema promoviert, 1901 zum Professor berufen und 1909 zum Gründungsdirektor des Chemnitzer Naturkundemuseums ernannt worden.

140515SterzelTitel2003

Abbildung: Broschüre »Der Vater des versteinerten Waldes. Erinnerungen an Johann Traugott Sterzel« von 2003

Bekannt wurde Sterzel vor allem durch Ausgrabungen so genannter »versteinerter Bäume« im Chemnitzer Ortsteil Hilbersdorf. Einige Exemplare dieser »versteinerten Bäume« standen lange vor dem Naturkundemuseum am Theaterplatz und waren als »versteinerter Wald« zum Wahrzeichen des Museums geworden. Heute werden sie im Innenhof des Chemnitzer Kulturkaufhauses Tietz gezeigt.
Sterzel, der mit der Zeit »Vater des versteinerten Waldes« genannt wurde, stand im Briefwechsel mit mehreren hundert Wissenschaftlern in der ganzen Welt. Im Nachlass werden Tausende Briefe aufbewahrt. Neben seiner wissenschaftlichen Tätigkeit beeindruckte Sterzel durch seinen Humor, der sich auch in Versen bei geselligen Ereignissen äußerte. Aber auch einige philosophisch-theologischen Gedichte deuten auf die Universalität seiner Bildung hin. Auf dem Höhepunkt seines Ansehens verstarb der lebensfrohe und bescheidene Johann Traugott Sterzel am 15. Mai 1914 in Chemnitz. Die Naturwissenschaftliche Gesellschaft stiftete einen Grabstein aus einem versteinerten Baum.

150515SterzelGrabstein

Abbildung: Grabstein von Johann Traugott Sterzel« auf dem Chemnitzer Städtischen Friedhof, Reichenhainer Straße

Der Heimatverein Niederfrohna hält die Erinnerung an Johann Traugott Sterzel wach. 1994 wurden in einer Ausstellung in der Niederfrohnaer Rathausgalerie Mineraliensammlungen und versteinerte Bäume gezeigt. Zugleich erschien ein Heft der Kulturzeitschrift »Miriqiuidi« zu Ehren des 80. Todestages Sterzels.
Auf Antrag des Heimatvereins wurde der Niederfrohnaer Grundschule auch der Name »Johann Traugott Sterzel« verliehen. Zwischen der Schule und dem Naturkundemuseum Chemnitz entwickelte sich eine erfreuliche Kooperation.
2003 erschien eine weitere Publikation zum Leben Sterzels im Mironde-Verlag.

Im Jahre 2011 präsentierte der Heimatverein eine Ausstellung zu der Amerikaauswanderung von 1838, die zur Gründung der Ansiedlungen Dresden, Altenburg, Wittenberg und auch Frohna führte. Dabei wurde selbstverständlich des 1841 in Dresden/Missouri geborenen großen Sohnes der Gemeinde Niederfrohna gedacht.
Johannes Eichenthal

Informatiom
Die Broschüre Der Vater des versteinerten Waldes. Erinnerungen an Johann Traugott Sterzel« (ISBN 3-9808333-4-8) ist zum VP von 2,50 € im Rathaus Niederfrohna oder über verlag@mironde.com zu beziehen.
www.mironde.com

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