Reportagen

Romantische Lieder und eine Leiche

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Am 12. Mai hatte die Buchhandlung Walther am Stollberger Hauptmarkt, im Rahmen ihres »Bücher-Tisch-Programmes« zu einer Krimi-Lesung der besonderen Art eingeladen. Der Autor Klaus Walther steht nicht für die heute üblichen, alle Literaturkanäle verstopfenden, Sex-and-Crime-Discount-Krimis, deren Ursachen vielleicht zwischen Wohlstands-Langeweile-Kompensation und kopflastiger Gesellschaftskritik zu suchen sind. Der Autor Klaus Walther leistet sich einen konservativen-Krimi-Stil. Trotz des gerade an diesem Tag wieder überquellendem B.-und-Spiele-Programmes im verspektakulierten Fernsehen kamen erfreulich viele Leser, um den Autor und seine Stimme selbst zu hören.

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Klaus Walther, der über eine umfangreiche Sammlung der klassischen Kriminalliteratur verfügt, machte zu Beginn kein Hehl daraus, dass er ein Anhänger der alten Detektivgeschichten ist. Er hätte das nicht sagen müssen, denn die Zuhörer kannten alle schon seine beiden früheren Krimis. Walther hob noch einmal die Namensrätsel seines Buches hervor. Hinter Kunstnamen sind in der Tat einige Ortschaften und Personen unserer Region versteckt, die es vom Leser zu entdecken gilt.

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In den Lesepassagen von »Romantische Lieder und eine Leiche« wurde klar, dass es mehr um Bücher wie Hermann Hesses »Romantische Lieder« geht. Die »Leiche« ist für Klaus Walther eine Nebensache. Das Buch ist wohl eher eine amüsante Einführung in das Büchersammeln. Selbst die Kriminalisten, die im Buch eine Rolle spielen, entwickeln sich am Ende zu passablen Literatur-Kennern.

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Das Publikum und die Buchhändlerin dankten dem Autor am Ende der Lesung  für sein Engagement. Zugleich wurde auf die nächste Lesung am 23.6.2015 hingewiesen. Dann wird der bekannte Buch- und Drehbuchautor Bernd Schirmer in Stollberg zu Gast sein.

Johannes Eichenthal

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Information

Klaus Walther: Romantische Lieder und eine Leiche. Ein Bücher-Krimi.

160 Seiten, 12,5 × 21,5 cm, gebunden, Schutzumschlag, Lesebändchen,

VP 12,90 ISBN 978-3-937654-87-4

Das Buch ist der zweite Band einer Reihe über Büchersammeln und Büchersammler. Der erste Band erschien 2014:

Klaus Walther/Dieter Lehnhardt: Haben Sie das alles gelesen?

Ein Buch für Leser und Sammler.

366 Seiten, 12,5 × 21,5 cm, gebunden, Schutzumschlag, Lesebändchen,

zahlreiche farbige Fotos,  VP 29,90, ISBN 978-3-937654-80-5

Alfons von Kastilien meinte, der Mensch brauche drei Dinge um glücklich zu sein, gute Freunde zur Gesellschaft, gute Weine zum Trinken, gute Bücher zum Lesen. In diesem Buch erzählen Leser von ihren Freundschaften mit dem Buch, Sammler von ihren großen oder kleinen Bibliotheken. Und – es gibt Bilder von Bücher-Orten, die man besuchen kann, Bibliotheken von Sammlern und Lesern der Vergangenheit. Eine spannende Lektüre also für Bücherfreunde und solche, die es werden wollen.

Fünfzehn Büchersammler stellen ihre Bibliotheken vor, kleine und größere, aber allesamt kommen sie aus der Leselust ihrer Besitzer.

Reinhard Klimmt hat eine schöne Kollektion der frühen Taschenbücher versammelt, Uwe Schneider Abenteuerbücher von Friedrich Gerstäcker bis Karl May. Dieter Lehnhardt lebt nicht zufällig bei Wetzlar, Goethe heißt sein Büchergott, und auch Ralph Schippan und Klaus Bellin bewahren klassisches Erbe. Die Verleger Elmar Faber und Hans-Joachim Gelberg, auch sie sind Sammler, und der Antiquar Carsten Wurm beschreibt seine Fehlschläge. Reiner Speck stellt seine Imperien von Proust und Petrarca vor, und Klaus Walther den mörderischen Teil seines Buchbestandes. Joachim Kerstens herzerfrischender Gang durch seine Bücherei und Wulf D. von Lucius’ nachdenkliche Besichtigung seiner Bestände, Reinhard Abels Künstlerbücher, Gebhard Bretzkes Zola-Welt, Godehard Schramms Jünger-Sammlung und Gunnar F. Fritzsches literarisches Mosaik – sie alle machen Lust, Bücher zu lesen und zu sammeln.

Bücher-Orte kann man besuchen und besichtigen. Klaus Walther (Text) und Dieter

Lehnhardt (Fotos) stellen bekannte und unbekannte Bibliotheken vor, die auf ihre

Besitzer vielfach verweisen. Und wir erfahren Unbekanntes aus Goethes Bücherleben am Frauenplan. Und wir erfahren: Brecht sammelte Kriminalromane, Nobelpreisträger Wilhelm Ostwald stützte die Fundamente seiner Bibliothek, der Biologe Ernst Haeckel schrieb nicht nur die Welträtsel, sondern auch Liebesbriefe. Bilder aus Gleims Bibliothek und den Buchbeständen der Anna Seghers. Karl May verwertete seine Bibliothek, Thomas Manns Bücherleben und Arno Schmidt als Buchentdecker. Ernst Jünger sammelte Käfer und Bücher – und Balzac lebte in einer imaginären Bibliothek. Bücher-Orte sind Dichters Orte, zu erleben in der Realität – und in diesem Buch.

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