Reportagen

WIESENTHAL IM WANDEL DER ZEIT – WOLFGANG HIEKE ZUM 80.

Sehr geehrte Damen und Herren,

wir veröffentlichen nachfolgend die Laudatio Steffen Meyers, die er für die Ausstellungseröffnung am 28. November im Wiesenthaler K3 verfasste.

Johannes Eichenthal

Wiesenthal im Wandel der Zeit – dem Oberwiesenthaler Maler Wolfgang Hieke zum 80.

Nachdem vor zweieinhalb Jahren erstmals eine Ausstellung mit den zauberhaften, kleinformatigen Acryl- bzw. Ölbildern des Oberwiesenthaler Hobbymalers Wolfgang Hieke im Wiesenthaler K3 gezeigt wurde und diese außergewöhnlichen Zuspruch fand, wurde nun anlässlich seines 80. Geburtstages eine weitere vorbereitet. Widmete sich die erste einem Querschnitt seiner bevorzugten Sujets, so präferiert die jetzige, dem Anlass entsprechend, die bildgewordene Geschichte seiner Heimatstadt Oberwiesenthal. Die Darstellungen reichen von heute längst verschwundenen Häusern am Anfang des 20. Jahrhunderts über weite, das gesamte Wiesenthal überstreichende Blicke aus den 1960er Jahren bis zu den neuesten Bauten auf dem Fichtelberg, dem erhobenen Standort gemäß, von Eis und Schnee überzogen.

Wie immer dienten ihm Fotos und historische Postkarten als Motivgeber. Dabei ist er nicht etwa auf deren möglichst genaue Nachahmung bedacht. Er drückt dem Urmaterial stets seinen »malerischen« Stempel auf. Außerordentlich gelingt ihm dies bei schwarz-weißem Ausgangsmaterial. Hier sind, im Vergleich zu den farbigen Vorlagen, seine Kreativität, sein ausgeprägtes Farbgefühl und seine soliden handwerklichen Fähigkeiten besonders herausgefordert. Beispiele dafür sind die Glanzlichter der Ausstellung »Oberwiesenthal, Blick vom Eckbauer um 1950« und »Böhmisch Wiesenthal und Oberwiesenthal im Winter 1950«.

Während bei ersterem die heitere Stimmung dieser Sommerlandschaft von der flächig-dekorativen Gestaltung der zum Horizont aufsteigenden Handtuchfelder lebt, sind es bei der Winterlandschaft die farblich wundervoll changierenden Schneeflächen, welche dem Bild seinen Zauber verleihen. Beides freie Gestaltungen – respektive Erfindungen – des Malers, die in Verbindung mit ihrer subtilen Ausführung weit über das hinausgehen, was das Ausgangsmaterial Foto, jemals zu erreichen vermag. 

Wie eingangs bereits angedeutet ist Wolfgang Hieke bei seinen Motiven von jeher den »alten Häusern« seiner Heimatstadt in Sonderheit zugewandt. Insofern wohl ähnlich motiviert wie der Tourist, welcher bei seinen urbanen Zielen der jeweiligen Altstadt seine meist ungeteilte Aufmerksamkeit widmet. Genau dort hofft er auf Begegnung mit dem Einmaligen, dem Charakteristischen, dem Unverfälschten eines Ortes bzw. einer historischen Epoche. Gewiss kommt bei Wolfgang Hieke die Erinnerung an jene selbsterlebten Zeiten hinzu, da eben diese Häuser noch wesentlicher Teil des Oberwiesenthaler Stadtbildes waren.

Ein Schwerpunkt unserer Ausstellung sind die unwiederbringlich verschwundenen »alten Häuser«. Gebäude, die aus unterschiedlichen Gründen gänzlich abhanden gekommen sind oder Häuser, welche irreversiblem Verfall ausgeliefert, ihres endgültigen Abrisses harren und Häuser, die ihrer alten Haut beraubt, vollständig – und gelegentlich nicht wiederzuerkennen – erneuert wurden.

Der Maler begibt sich immer wieder auf Spurensuche, um diese schmerzhaften Lücken im Erscheinungsbild des Ortes, welche auch durch das kollektive Aufhübschen ganzer Straßenzüge nicht wettzumachen sind, aufzuspüren. In vielen Fällen sind es exponierte Gebäude, an oft ebenso exponierten Orten, Gebäude, welche über lange Zeit das Wesen des Städtchens mitbestimmten und den Bewohnern kaum zu ersetzende Identität stifteten. Auf die Arbeiten »Kreisheim 1955«, »Sport-Hotel 1936« und »Rotes Vorwerk 1950er Jahre« sei hier beispielgebend verwiesen.

So wird Wolfgang Hieke mit jedem Bild zum wichtigen Chronisten seines Heimatortes. Umso besser sein Auftritt hier im K3, welches auch Stadtmuseum ist und damit das gewissermaßen institutionalisierte Gedächtnis der Stadt. 

Wir wünschen dem Jubilar von Herzen Gesundheit, möge ihm sein Drang und seine Liebe zur bildhaften Gestaltung noch lange erhalten bleiben und sein Leben, wie auch das unsere, bereichern.

Steffen Meyer

Information

Die Ausstellung ist noch bis zum 16. Februar 2020 zu sehen.

Die Bilder sind käuflich zu erwerben. Über die Hälfte der ausgestellten Bilder ist bereits verkauft.

Wiesenthaler K3 – Gästeinformation, Museum, Bibliothek

Karlsbader Straße 3, 09484 Oberwiesenthal

täglich 9.30–17.00 Uhr

www.oberwiesenthal.de

Die Litterata – Technik und Poesie in Mitteleuropa – ist ein Feuilleton des Mironde Verlags (www.mironde.com) und des Freundeskreises Gert Hofmann.

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