Reportagen

BAUTEC 2020 IN BERLIN

Die internationale Fachmesse für Bauen und Gebäudetechnik Bautec fand vom 18. bis 21. Februar im Berliner Messegelände am Funkturm statt. Der Minister des Innern, Bauen und Heimat, Horst Seehofer, eröffnete die Messe mit einem Forum zum Wohnungsbau. 447 Aussteller aus 19 Ländern präsentierten ihre Unternehmen auf 36.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche. Gleichzeitig fanden 53 Kongresse und Foren, sowie Wettbewerbe des Bauhandwerk oder von Studenten-statt. Im Rahmen des Baute-Innovation Award wurde zunächst eine Auswahl der präsentierten Produkte getroffen, die Messestände mit einem »N« gekennzeichnet, und eine engere Auswahl durch Juryentscheid für eine Zuschauerabstimmung getroffen.

Die RG Bau im RKW Kompetenzzentrum lud für den 19. Februar zu einem Fachkongress mit dem Titel »Digitales Planen, Bauen und Betreiben« in das Marshall-Haus ein. Der Fachkongress fand in Zusammenarbeit mit dem  Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, dem Zentralverband des Deutschen Baugewerbes e.V., dem Zentralverband des Deutschen Handwerks e.V., dem Hauptverband der Deutschen Bauindustrie e.V., der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt und der Messe Berlin statt. Im Namen der Veranstalter begrüßte Dipl.-Ing. Christina Hoffmann, die Leiterin des RG-Bau im RKW, die Gäste.

Dr. Jan Tulke von BIM Deutschland, dem nationalen BIM-Kompetenzzentrum, stellte die Aufgaben seiner Institution vor. Das Zentrum wird gemeinsam vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) und dem Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat (BMI) betrieben. Er betonte, dass man zunächst die Basis für die eigentliche Innovation schaffen wolle. Es gehe dabei um ein »open BIM«, offene Standards. Zunächst wolle man Grundlagen für allgemeine Standards und ein BIM-Portal schaffen. Auf die Frage, wann man mit Standards rechnen könne, antwortete er, dass »BIM-Deutschland« im Herbst 2020 zunächst das Informationsportal ins Netz stellen wolle.

Dipl.-Ing. Brigitta Fiesel, die Geschäftsführerin des Unternehmens »cadventure« beschrieb in ihrem Beitrag unter dem Titel »BIM Management am Praxisbeispiel Flughafen Frankfurt am Main«, die Hard- und Software-Koordination zur Erfüllung des Fraport Auftrages zur Planung der Startbahn 3.

Lukas Olbrich, Geschäftsführer der Firma »Sablono GmbH«, beschrieb in seinem Beitrag unter dem Titel »Datengetriebene Steuerung von Großbaustellen« die Tätigkeit seines Unternehmens zur Kontrolle des Zusammenhanges von Planung und Bauausführung vor allem am Beispiel einer Londoner Appartement-Großbaustelle. Allerdings fügte er am Ende an, dass es sich dabei nicht um ein BIM-Projekt gehandelt habe.

Die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie Elisabeth Winkelmeier-Becker wandte sich mit einem Grußwort an die Gäste der Tagung und übernahm dann die Auszeichnung der Preisträger des Wettbewerbes »Auf IT gebaut«. Der Wettbewerb wird in vier Kategorien durchgeführt: Handwerk und Technik, Baubetriebswirtschaft, Bauingenieurwesen und Architektur. Die Preise wurden an junge Nachwuchstalente für ihre innovativen digitalen Lösungen für die Bauwirtschaft vergeben. In der Regel handelte es sich um hochspezialisierte Themenstellungen. Es schlossen sich die Verleihung des Sonderpreises »Startup« und des Sonderpreises der Ed. Züblin AG an.

In Halle 5 fand wieder der Ausscheidungswettkampf des Nationalmannschaft der Stuckateure, zur Ermittlung des Teilnehmers für die Europameisterschaft 2020 in Graz, statt.

Auch Junge Zimmerleute und Maurer demonstrierten ihr Können. Die Rohrleitungsbauer führten Leistungswettbewerbe durch.

Am 20. Februar antwortete Frau Prof. Dr.-Ing. Karin Heinrich (Foto li.), die Mitautorin des Buches »Klärschlammveredlung mit Pyrolyse. Vom Abfall zum Gartengold.« am Stand des Mironde Verlages auf Fragen der Besucher. Das Projekt wurde in den Neuheiten-Report der Bautec aufgenommen. Vor dem Stand des Mironde Verlages glänzte deshalb ein weißes »N« auf rotem Grund.
Die Publikation stellt ein aktuelles europäisches Pilotprojekt vor: Vom Zweckverband Frohnbach wurden mit einer dezentralen Anlage zur Klärschlammveredlung in Niederfrohna/Sachsen (Klärwerk mit 40000 EW) Großversuche durchgeführt. Sie zeigten, dass der für wenige Minuten auf über 600 Grad Celsius unter Luftabschluss erhitzte Klärschlamm sich nahezu vollständig zersetzt. Übrig bleibt mineralisiertes schwarzes Karbonisat. Es ist äußerst schadstoffarm, vollkommen keimfrei und praktisch ohne organische und sonstige Fremdstoffe, wie zum Beispiel Arzneimittelrückstände und synthetische Polymere, aber sehr reich an Phosphat, welches noch dazu überwiegend in gut pflanzenverfügbarer Form vorliegt. Außerdem enthält das Karbonisat zu mehr als 20 Massenprozent Kohle. Sie wirkt im Boden strukturgebend, milieuverbessernd und speichernd. Ab dem Jahr 2020 sollen im Regelbetrieb rund 1400 Tonnen Klärschlamm in etwa 210 Jahrestonnen Karbonisat gewandelt werden.
Der Mironde Verlag stellt das Buch am 11. November 2020 in Niederfrohna auf seiner Fachtagung vor. Die Hauptattraktion der Tagung wird eine Besichtigung der neuen Anlage mit Erläuterungen von Dr. -Ing. Steffen Heinrich sein. Die technischen Daten des Verfahrens werden auf DVD dem Buch beigegeben. (Informationen und Anmeldung zur Tagung unter mail@mironde.com)

Im Mittelpunkt des Interesses des jungen Publikums der Baubranche stand der BIM-Leitfaden von Christoph Eichler. Was verbirgt sich hinter dem Titel? In der Bauwirtschaft sind heute die Grenzen zwischen Konzept und Planung durch den Einzug digitaler Werkzeuge nicht mehr eindeutig erkennbar. Neue Prozessstrukturen sind notwendig um darauf zu reagieren. Das Zusammenspiel von Konzept und Planung benötigt klare Regeln und eindeutige Zuordnung von Aufgabenbereichen, um komplexe Konzepte flexibel umsetzen zu können. Die Frage ist: Wie können wir Building Information Modeling in unseren alltäglichen Arbeitsprozess integrieren?
Der Leitfaden versucht Orientierung zu vermitteln:
Der theoretisch-analytische Aspekt ist in den Leitsätzen formuliert. Sie geben Orientierung beim Erstellen von digitalen Gebäudemodellen.
Der daraus resultierende praktisch-zwecksetzende Aspekt ist der Knotenplan mit allen Knotenverbindungen zwischen Bauelementen. Er dient als Modellierleitfaden für Architekturmodelle.
Die daraus resultierende Struktur und die daran anknüpfenden Anforderungen werden im Phasenmodell abgestimmt. Dies gibt Überblick über Detaillierungsgrade.
Mit dem BIM-Leitfaden wird vorgelegt: – ein Strukturvorschlag zur Gliederung komplexer Informationen, – eine Organisationsform zur Koordinierung der Anforderungen und Möglichkeiten des virtuellen Gebäudemodells mit dem Phasenmodell, – eine mit dem Knotenplan konkret-abgestimmten Strukturvorgabe. (Dieses Modell konzentriert sich auf die Strukturen im Architekturmodell.)
Zusammenfassen kann man sagen: Der Leitfaden stützt sich auf praktische Erfahrungen und vermittelt strategische Orientierung. Der Autor formuliert die Quintessenz: »BIM ist die Sprache der Bauwirtschaft des 21. Jahrhunderts: zentrale Analyseinstanz, Kommunikation und gleichzeitig Prozesssteuerung« (S. 14)

Der neue Südeingang der Messe Berlin. Zur Bautec war es der einzige Zugang.

Kommentar
Die Bautec in Berlin hat ein großes Potenzial als Branchentreff. Die Verbindung von traditionellem Handwerk und Digitalisierung der Bauwirtschaft, über die einzelnen Gewerke und Sparten, erzeugt eine interessante Atmosphäre. Die Wettbewerbe der jungen Handwerker demonstrierten eindrucksvoll, dass die Fähigkeit mit den Händen zu arbeiten Grundlage jedes Berufs ist. Darüber hinaus weiß man heute, dass die Handarbeit für die Bildung und Erhaltung unserer Denkfähigkeit große Bedeutung hat.
Zugleich hat sich die Messe für solche Verfahren der Bauwirtschaft, wie Building Information Modeling (BIM) geöffnet, die mittelfristig über die Bauwirtschaft hinaus die Ressourcenerfassung und -bewirtschaftung auf eine neue Grundlage stellen werden. Die volle Nutzung dieser Methode wird davon abhängen, ob wir eine allgemeinverständliche, wissenschafts-, kultur- und religionsübergreifende Vorstellung vom Naturkreislaufes auf unserer Erde aufzubauen vermögen. Diese Aufgabe ist jedoch mit dem gegenwärtigen »ausdifferenzierte«, überspezialisierten und überkomplizierten Wissenschaftsbetrieb nicht zu leisten. Die Ausdifferenzierung hat in die Sackgasse geführt. Es bedarf einer Umkehr. Je breiter die Basis an Allgemeinbildung, desto höher kann die Spitze der spezielle Leistungsfähigkeit werden. Und umgekehrt: je schmaler um so flacher …

An der Rückwand der Avus-Tribühne, in der Nähe des Bautec-Südeingangs, konnte man dieses Zitat Charles Darwins lesen


Die Messe ist mit der Beibehaltung des breiten Branchenprofils und der gleichzeitigen Öffnung für Projekte der alternative Energieumwandlung oder zur Erschließung der regionalen Stoffwechselkreisläufe im sogenannten »Neuheiten Report« in eine Vorreiterrolle getreten.
Johannes Eichenthal

Information

Bestellmöglichkeit: http://buchversand.mironde.com/epages/es919510.sf/de_DE/?ObjectPath=/Shops/es919510/Products/9783937654997

Christoph Eichler: BIM-Leitfaden. Struktur und Funktion. 2. Auflage
23,4 × 30,5 cm, Broschur, 176 Seiten, Klebebindung, zahlreiche farbige Abbildungen
VP: 29,00 €
ISBN 978-3-937654-99-7
Die zweite Auflage erscheint im Zuge der Veröffentlichung des österreichischen BIM-Standards (ON A 6241) und übernimmt die darin definierten Begriffe und Vorgaben.

Bestellmöglichkeit: http://buchversand.mironde.com/epages/es919510.sf/de_DE/?ObjectPath=/Shops/es919510/Products/9783960630173

Karin Heinrich/Steffen Heinrich: Klärschlammveredlung mit Pyrolyse. Vom Abfall zum Gartengold.
23,4 × 30,5 cm, fester Einband, Fadenheftung, Lesebändchen, 208 Seiten, Zahlreiche, meist farbige Fotos, Abbildungen, mit eingelegter Produktionsdaten DVD.
VP 128,00 €
ISBN 978-3-96063-017-3

Die Litterata – Technik und Poesie in Mitteleuropa – ist ein Feuilleton des Mironde Verlags (www.mironde.com) und des Freundeskreises Gert Hofmann.

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