Reportagen

HÄUPTLING »FLIEGENDER PFEIL« ZUM 80.

Am 13. Juni 2020 begeht Gojko Mitić seinen 80. Geburtstag. Wir erinnern an seine Buchlesung in Niederfrohna am 3. November 2011, in der Rolle des Häuptlings »Fliegender Pfeil«, gemeinsam mit seinem Blutsbruder Eberhard Görner. Sein Auftreten widersprach allen Regeln heutiger PR-Manager. Er kommt völlig ohne Allüren und Fernsehgehabe aus. Er hat die Rollen als Indianer so verinnerlicht, dass er sich intensiv mit der indianischen Lebensweise und Religion beschäftigt. Mittlerweile nahmen ihn einige Stämme sogar als Ehrenmitglied auf.

Trommeln mit den »Djembos«

Man konnte den Veranstaltungsort, den Sportsaal der Kindertagesstätte Pfiffikus, an diesem Abend auch als Ortsunkundiger nicht verfehlen. Rhythmische Trommelklänge ließen den Erdboden in Niederfrohna schwanken als Bürgermeister Klaus Kertzscher Prof. Eberhard Görner und Gojko Mitić durch ein dichtes Spalier applaudierender Zuschauer zur Bühne geleitete. Die »Djembos« trommelten mit Freude was das Zeug hielt. Etwa 180 Besucher waren im Saal. Typisch für Gojko Mitić war, dass er sofort mit den »Djembos« trommelte.

»In Gottes eigenem Land. Heinrich Melchior Mühlenberg – der Vater des amerikanischen Luthertums.« lautete der Titel des neuen Buches von Eberhard Görner. Mühlenberg sei von Gotthilf August Francke, dem Sohn des Stiftungs-Gründers, 1741 nach Pennsylvanien geschickt worden, um Ordnung in die deutschen und schwedischen lutherischen Gemeinden zu bringen, und um zu missionieren. Mühlenberg habe, auch unter dem Einfluss seines Schwiegervaters Conrad Weiser, auf Missionierung unter Indianern verzichtet, obwohl er ausdrücklich zu diesem Zweck von der streng pietistisch orientierten Franckeschen Stiftungen entsandt worden sei. Mühlenberg habe begriffen, dass die anarchischen Verhältnisse, in die man ihn geschickt habe, anderer Strukturen bedürfe, als er sie aus Halle und Deutschland kannte, und er hatte den Mut, seine pietistischen Traditionen zu verändern. In bisherigen Darstellungen deutscher Auswanderer hätten die Indianer leider keine angemessene Rolle gespielt. Es sei heute jedoch an der Zeit die Ureinwohner von Nordamerika zu respektieren. Deshalb habe er auch die Rolle des Delaware-Häuptling »Fliegender Pfeil« erfunden.

Während der Buchlesung

Der Moderator zitierte darauf die Beschreibung des Häuptlings aus dem Roman: »Fliegender Pfeil ist ein Mann von sechzig Jahren, aber seine ganze Gestalt strahlt jugendliche Kraft aus. Seine dunklen Augen blicken hellwach. Unter dem ledernen Hemd wölbt sich eine breite Brust. Die Füße stecken in weichen Mokassins. Trotz seiner Jahre springt er noch aus dem Stand in den Sattel des Pferdes.« Bei diesen Worten richteten sich alle Blicke auf Gojko Mitić.

Nach der kurzen Einführung lasen Prof. Eberhard Görner und Gojko Mitić eine knappe Stunde mit verteilten Rollen aus dem Buch. Dem Zuschauer boten sie ein Hörbuch-Erlebnis. Man bangte um das Auswanderer-Schiff, dass der Sturm hunderte Meilen weiter südlich endlich in einen Hafen entließ. Man spürte die knisternde Atmosphäre zwischen Nikolaus Graf von Zinzendorf und Heinrich Melchior Mühlenberg, man hörte das Gewehrschloss eines Farmers knacken, den Schnee knirschen und selbst den lautlosen Atem des Häuptlings … Mit etwas Fantasie hatte man die Bilder eines Filmes im Kopf …

Nach der Lesung wurde signiert

Gojko Mitić trug im Anschluss einige beinahe aphoristische Weisheiten alter Indianer vor. Das Publikum lauschte gebannt. Kein Laut war zu hören.Die Gedankten wirkten so, als ob sie für den heutigen Tag geschrieben seien. Mitić stellte christlich-konfessionelle Gewissheiten in Frage, die darauf abzielten, dass diese »Wilden« keine Religion und keinen Gott hätten, dass man ihnen erst Religion bringen müsse. Ein Häuptling fragte direkt, ob es in Wirklichkeit nicht nur einen Gott gäbe, den wir auf unsere jeweilige Art und Weise sähen?

Bürgermeister Klaus Kertzscher bat Gojko Mitić um einen Eintrag ins Ehrenbuch der Gemeinde

In Niederfrohna wird man sich immer an den Besuch des Häuptlings »Fliegender Pfeil« am 3. November 2011 erinnern.

Wir wünschen, dass er bleibt, wie im Roman beschrieben: »Seine ganze Gestalt strahlt jugendliche Kraft aus. Seine dunklen Augen blicken hellwach. Unter dem ledernen Hemd wölbt sich eine breite Brust. Die Füße stecken in weichen Mokassins. Trotz seiner Jahre springt er noch aus dem Stand in den Sattel des Pferdes.« 

Johannes Eichenthal

Die Litterata – Technik und Poesie in Mitteleuropa – ist ein Feuilleton des Mironde Verlags (www.mironde.com) und des Freundeskreises Gert Hofmann.

Information

Eberhard Görner: In Gottes Eigenem Land : Heinrich Melchior Mühlenberg – der Vater des amerikanischen Luthertums. Historischer Roman. Mitteldeutscher Verlag 2011. Geb. 324 S. ISBN 978-3-89812-766-0

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