Der 25. Oktober war im Erzgebirge ein kühler Herbsttag. Die Sonne versuchte vergeblich Wärme auf die Erde zu senden. Ein kalter Westwind machte alle ihre Bemühungen zunichte. Erst gegen Abend flaute der Wind langsam ab. Interessierte Besucher zog es in die Annaberger Erzgebirgs-Buchhandlung Knoblauch. Dort war eine Lesung des in Buchholz lebenden Autors Michael Schuster aus seinem Buch „Der Zwerg aus dem Berg“ angekündigt worden. Die Buchvorstellung erfolgte in der antiquarischen Abteilung der Buchhandlung. Jedem Bücherfreund schlägt beim Eintritt in diese Bücher-Welt das Herz höher. So etwa haben wir uns immer das Paradies vorgestellt.

Michael Schuster erzählte die Geschichte eines im 16. Jahrhunderts in Annaberg geborenen Jungen mit dem Namen Lazarus Ercker (1528/30–1594). Seine Eltern waren aus Nürnberg in die neu gegründete Bergstadt zugewandert. Lazarus ist ein aufgeweckter und wissbegieriger Junge. Er besucht die Lateinschule. Dort erhält er eine solide Vermittlung antiken Wissens. In der Rechenschule des Adam Ries’ (1492–1559) lernt er das Rechnen mit arabischen Zahlen. In vielen Teilen Deutschlands wurde zu dieser Zeit noch mit römischen Zahlen versucht zu rechnen. Aber Ercker will auch praktisches Wissen kennenlernen. Dabei hilft ihm der Zwerg „Wurzelchen“, den er eher zufällig traf. Mit ihm besucht Ercker Bergwerke, Metallhütten, die eben in Ehrenfriedersdorf erfundene Radpumpe, aber auch den Bergaltar Hans Hesses (vor 1497–nach 1539) in der St. Annenkirche. Das hört sich wie eine ideale Studienvorbereitung an. In der Tat müssen sich Lazarus und der Zwerg am Ende trennen, weil das Studium an der Universität Wittenberg rief.

Birgit Eichler las im Wechsel zur Erzählung Schusters einzelne Passagen aus dem Buch.

Michael Schuster hat großformatige Abbildungen aus seinem Buch mitgebracht, die die Erzählung ergänzten.

Am Ende dankte der Annaberger Buchhändler Jörg Knoblauch dem Geschichtenerzähler Michael Schuster für sein Engagement. In der Tat ist es bewundernswert, wie hartnäckig Michael Schuster die Einwohner seiner Heimatstadt daran erinnert, dass hier einmal ein Kindlein geboren wurde, das später gemeinsam mit Vannoccio Biringuccio (1480–1537) und Georgius Agricola (1494–1555) über zwei Jahrhunderte die Montanautorität in Europa verkörperte. Nach seinem Studium und verschiedenen Lebensstationen gelangte Ercker an den Hof des böhmischen Königs und deutschen Kaisers Rudolf II. in Prag. Ercker war der Oberaufseher über alle Bergwerke des Kaiserreiches. Hier verfasste er 1574 auch sein Hauptwerk „Das große Propierbuch“. Die chemische Analyse hieß damals „Probieren“. Lazarus Ercker wurde damit der Begründer der analytischen Chemie im Montanwesen. In Prag versammelte der Kaiser später Gelehrte wie Johannes Keppler (1571–1630), Tycho Brahe (1546–1602) u.a. Lazarus Ercker arbeitete also in einem illustren Kollegenkreis. Noch heute sind die Ansätze dieser Wissenschaftler für die Erstellung eines Bildes von Naturkreislauf wichtig. Der modernen Wissenschaft gelang es bislang nicht, ein solches Bild zu erstellen, für die Wiedereinordung der Menschheit in den Naturkreislauf wäre das aber die Voraussetzung.
Die Veranstaltung war ein Ereignis. Allen Beteiligten ist zu danken.
Johannes Eichenthal
Die Litterata – Technik und Poesie in Mitteleuropa – ist ein Feuilleton des Mironde Verlags (www.mironde.com) und des Freundeskreises Gert Hofmann.
Information
Michael Schuster wird am 1. November, um 14 Uhr, im Hof des Lazarus-Ercker-Hauses, in der Münzgasse Annaberg-Buchholz, einen nach dem Vorbild Erckers nachgebauten Probierofen in Gang setzen. Die Veranstaltung ist öffentlich.
Erzgebirgs-Buchhandlung Knoblauch: https://erzgebirgs-buchhandlung.buchhandlung.de/shop/
Die Bücher Michael Schusters über Lazarus-Ercker sind in jeder Buchhandlung und direkt beim Verlag erhältlich:
Die Ausgabe mit festem Umschlag für Schulkinder, Eltern und Großeltern:

https://buchversand.mironde.com/p/michael-schuster-der-zwerg-aus-dem-berg
Das Bilderbuch für Vorschulkinder zwischen 3 und 6 Jahren:


