Carl H. Hahn
Reportagen

CARL H. HAHN ZUM 100.

Am 1. Juli 2026 jährte sich der Geburtstag Carl Horst Hahns zum 100. Mal. Er wurde in Chemnitz als Sohn des DKW-Vertriebsleiters Carl Hahn geboren. Von Kind an erlebte er die besondere Atmosphäre, die sich um den legendären DKW-Gründer Jörge Skafte Rasmussen, einen dänischen Kapitänssohn, umgab. Rasmussen hatte gemeinsam mit seinem Chefkonstrukteur Hermann Weber und seinem Vertriebschef Hahn, einem gebürtigen Österreicher, 1922 in Zschopau die industrielle Motorrad-Serienproduktion aufgenommen. Bereits 1928 war Zschopau das größte und wichtigste Motorrad-Werk der Welt. Rasmussens Ziel war: einfache, zuverlässige, preiswerte Fahrzeuge herzustellen. Gestützt auf die handwerklichen Fertigkeiten seiner erzgebirgischen Belegschaft vermochte Rasmussen einen Strukturwandel der Region Chemnitz-Erzgebirge-Zwickau zu bewirken, der dem des Bergbaus gleichkommt. Rasmussen baute eine breite Zulieferung auf (Gießereien, Motorenwerk, Blechverarbeitung, Sattlereien, Tischlereien u.a.) In der von den USA ausgelösten Weltwirtschaftskrise (1929/1932) vermochte allein DKW die insolventen Firmen Audi, Horch und Teile der Fahrzeugsparte der Wanderer-Werke aufzunehmen: Die Auto Union AG wurde gegründet. Ihr Firmenzeichen waren vier Ringe. In dieser Atmosphäre wuchs Carl Horst Hahn auf. Nach dem Zweiten Weltkrieg wandte er seine Jugenderfahrungen unter veränderten Bedingungen an. Anlässlich seines 100. Geburtstags wollte das Sächsische Fahrzeugmuseum in Chemnitz daran erinnern. Für den 3. Juli 2026 war ein Vortrag Frieder Bachs angekündigt.

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Der 3. Juli war ein kühler Frühsommertag. Katy Eichholz, die Leiterin des Fahrzeugmuseums, begrüßte Frieder Bach und die zahlreichen Gäste. Alle, die auch mit dem Herzen das Erbe der Fahrzeuggeschichte schätzen, waren gekommen. Es mussten zusätzliche Sitzgelegenheiten herbeigeschafft werden. Auch nach Vortragsbeginn kamen noch Gäste. Alle fanden einen Platz.

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Frieder Bach, der seit Jahrzehnten mit allen Details der DKW- und Auto Union-Geschichte vertraut ist, entwickelt vor den inneren Augen seiner Zuhörer eine Art Alltagsgeschichte. Er zeigte die breite Basis der Fahrzeugentwicklung in der Region. In seinem Buch »Fahrzeugspuren in Chemnitz. Teil 1«, in der er alle Fahrzeuge aufnahm, deren Räder spuren hinterlassen, hatte er etwa 450 Firmen aufgelistet die an der Fahrzeugentwicklung – vom Fahrrad, über Fahrrad mit Hilfsmotor, Motorrad, Dreirad, PKW – beteiligt waren. Dabei handelt es sich mehrheitlich um kleine Firmen oder Werkstätten. Deren Chefs fuhren oft am Wochenende Rennen mit den Eigenentwicklungen und konnten montags die eigenen Erfahrungen auswerten. So, wie der von Frieder Bach genannte DKW-Chefkonstrukteur Hermann Weber, der sogar Deutscher Meister wurde. (https://buchversand.mironde.com/p/frieder-bach-fahrzeugspuren-in-chemnitz-zur-historie-des-fahrzeugbaues-teil-1)

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Frieder Bach verwies auch darauf, dass Prof. Dr. Carl Horst Hahn seiner Bitte um ein Geleitwort für die zweite Auflage des Buches »Fahrzeugspuren in Chemnitz« sofort nachkam. In seinem Geleitwort hob Hahn auch die historischen Voraussetzungen und die Fähigkeiten und Fertigkeiten der hiesigen Arbeiter und Ingenieure hervor. Das Buch Frieder Bachs nannt er eine »herausragende und aus historischer Sicht längst überfällige Arbeit«. In einem Dokumentarfilm antwortete der ehemalige VW-Vorstand Prof. Dr. Carl H. Hahn auf die Frage nach den Gründen für die Investitionsentscheidung in Zwickau, dass er immer im Kontakt mit seiner Heimatstadt geblieben sei, dass er wusste, was die Arbeiter und Ingenieure hier können, dass er keine »Studien« oder »Papiere« für die Entscheidung brauchte.

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Am 16. Juli 2021 verlieh die Sächsische Staatsregierung der Stadt Zschopau den Titel »Motorradstadt«. Viele Beschäftigte der ehemaligen MZ-Werke waren gekommen. Prof. Dr. Carl H. Hahn ließ es sich nicht nehmen, trotz seiner 95 Lebensjahre, gemeinsam mit dem Enkel des Firmengründers Jörgen Skafte Rasmussen (Jg. 1939), an der Zeremonie teilzunehmen. (© Foto: Detlev Müller)
Frieder Bach berichtete von der Veranstaltung für die Litterata: https://www.mironde.com/litterata/9429/reportagen/dkw-und-mz-treffen-an-einem-tag

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Frieder Bach führte in seiner originellen Festrede, in der er immer wieder den Lebensgang Carl Horst Hans mit der Fahrzeuggeschichte der Region verband, seine Zuhörer zum Fazit: Der Jubilar trug das, was in der Region Chemnitz-Erzgebirge-Zwickau erfunden wurde, in die Welt. Alle sollten an dieser Entwicklung teilhaben. Das ist seine Lebensleistung.

Das Publikum, das dem anderthalbstündigen Vortrag aufmerksam gefolgt war, dankte dem Grandseigneur der DKW- und Auto Union-Geschichtsschreibung mit langem Applaus. Wieder einmal wurde deutlich: Das Fahrzeugmuseum ist der Ort in Chemnitz, an dem das große Erbe, in Technologie- und Sachzeugnissen, bewahrt wird.

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Im Anschluss wurde Frieder Bach von vielen persönlichen Fragen bestürmt. Zudem kam er auch der Bitte zum Signieren seiner Bücher nach. Langsam klang der Abend aus. Es war ein Ereignis, eine würdige Ehrung des Jubilars.

Clara Schwarzenwald

Information

Fahrzeugmuseum Chemnitz: https://fahrzeugmuseum-chemnitz.de

Am 16. Juli 2026 wird Frieder Bach im Fahrzeugmuseum sein neues Buch vorstellen: »Wie Chemnitz zu einem Fahrzeugmuseum kam« 

Das Buch ist in jeder Buchhandlung bestellbar oder direkt beim Verlag: https://buchversand.mironde.com/p/frieder-bach-wie-chemnitz-zu-einem-fahrzeugmuseum-kam

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Die Litterata – Technik und Poesie in Mitteleuropa – ist ein Feuilleton des Mironde Verlags (www.mironde.com) und des Freundeskreises Gert Hofmann.

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