Lazarus Ercker
Reportagen

AUF DEN SPUREN LAZARUS ERCKERS – BUCHHOLZER  PROBESCHMELZEN

Sehr geehrte Damen und Herren, wir freuen uns, Ihnen einen Gastbeitrag Karl Buchholtz’ vorstellen zu dürfen. Johannes Eichenthal

Bei der Anfahrt auf die alte Bergstadt Buchholz, heute Stadtteil von Annaberg-Buchholz, erkennen wir schon aus der Entfernung zwei große Spitzkegelhalden aus den 1950er Jahren. Nach dem Zweiten Weltkrieg ging das »Uranfieber« im Erzgebirge um und unser heutiges Tagesziel war Teil der Erkundung und des Abbaus eines gefragten »Stoffs«. Heute sind viele ehemaligen Halden aus dieser wilden Zeit eingeebnet und abgedeckt. Deutschland ist damit das einzige Land auf der Erde, welches nach Beendigung der Betriebszeit diese Hinterlassenschaften saniert hat. Mit diesem außergewöhnlichen, universellen Wert sind auch die Uranbergbaulandschaften in das UNESCO-Welterbe »Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří« eingeflossen. Innerhalb des Welterbebestandteils Bergbaulandschaft Buchholz bildet dieses Objekt einen Bestandteil. (s. https://www.montanregion-erzgebirge.de/welterbe/annaberg/bergbaulandschaft-buchholz/terrakonikhalden-schacht-116/terrakonikhalden-von-schacht-116.html). 

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Terrakonikhalden des ehemaligen Schachtes 116 der SDAG Wismut. (Foto: M. Schuster)

Nach Überqueren des kleinen Flusses »Sehma« geht es nur noch bergauf durch die Terrassenstadt, um ganz oben an diesen Bergbauhalden anzukommen. Die beiden Spitzkegel werden auch Terrakonik genannt und sind die beiden letzten Zeugen dieser Bergbauepoche im Erzgebirge. Als wir die Veranstaltungsfläche erreichten, stand das Festzelt für den heutigen Tag bereits da. Der Regen lies langsam nach und die Wetterprognose versprach einen schönen Nachmittag.

Der Stadtteil Buchholz, bis 1945 selbstständige Stadt, feiert dieses Jahr sein 525-jähiges Bestehen. Über das Jahr verteilt gibt es unterschiedliche Veranstaltungen.  Menschen aus lokalen Vereinen und Initiativen sind dabei in Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung die Macher.

Jährlich zum größten Volksfest im Erzgebirge, der Annaberger Kät, findet am Abend des letzten Sonnabends auf dem Plateau an den genannten Halden die »Nacht der Tausend Sterne« statt. Von hier sieht man, wie von einem großen Balkon aus über die Dächer von Buchholz hinweg, hinüber auf den Stadtteil Annaberg. Unterhalb des Pöhlbergs wird dann gegen 22.30 Uhr ein großes Feuerwerk abgebrannt werden.

Lazarus Ercker

Das war jedoch nicht unser Ziel. Ein Plakat der Bürgerinitiative Pro-Buchholz verweist auf einen zweiten Höhepunkt dieses Tages. Ausgehend von einer geführten Laternenwanderung am 28. Dezember2025 wurde durch den Montanhistoriker Michael Schuster das Hüttenwesen von Buchholz anschaulich beleuchtet. Wir berichteten darüber in unserer Reportage vom 31.12.2015 (https://www.mironde.com/litterata/13329/reportagen/buchholzer-schmelzhuetten-im-16-jahrhundert). 

Für 14 Uhr wurde eingeladen, um auf den Spuren von Lazarus Ercker zu wandeln und einem Probeschmelzen nach altem Vorbild beizuwohnen und die Zusammenhänge zu erfahren.

Nach und nach trafen die Teilnehmer ein und freuten sich, dass es nicht mehr regnete. Unter den ca. 30 Anwesenden waren viele, die auch an der Laternenwanderung teilgenommen hatten. Sie waren neugierig, wie man früher die Erze und die Münzen auf ihren Edelmetallgehalt prüfte. Diesen Vorgang nannte man »Probieren« und der dies ausführte war der »Probierer«. 

Lazarus Ercker

Der Vorsitzende der Bürgerinitiative, Jens Dietze (mi.), überzeugte sich bei den Mitgliedern des Vereins Lazarus Erben e.V. (Michael Schuster, li. und Heiko Meyer, re.) über die Funktionsweise des Probierofens. (Bild BI Pro-Buchholz)

Lazarus Ercker, geboren 1528/30 in St. Annaberg, war eine herausragende Persönlichkeit der Frühen Neuzeit und gilt als Begründer der analytischen Chemie. Nach seinem Studium in Wittenberg war er u.a. in Annaberg, Dresden und Goslar tätig. Seine Veröffentlichungen zum Probierwesen waren 200 Jahre Standardliteratur für Fachleute, so u.a. sein »Großes Probierbuch« erschien während seiner Tätigkeit am Hofe Kaiser Rudolf II. 1574 in Prag. Lazarus Ercker verstarb hochangesehen und geehrt 1594 in Prag. Schuster, inzwischen Vorstandsmitglied im Verein »Lazarus Erben e.V.« mit Sitz in einem 1565 von Ercker erworbenen Haus in Annaberg-Buchholz, hat sich seit einiger Zeit mit dem Werk Erckers und dem Probierwesen beschäftigt. Ein, nach originalen Zeichnungen von 1556 nachgebauter Probierofen, wurde den zahlreichen Gästen vorgestellt und hatte zu Beginn der Veranstaltung bereits ein zweistündiges Aufheizen mit Buchenholzkohle hinter sich. Das Vereinsmitglied Heiko Meyer war dafür zuständig.

Lazarus Ercker

Pünktlich um 14 Uhr begann ein kleiner Vortrag. Den Gästen wurde das Prinzip des Probierens erläutert und das Werk Erckers nähergebracht. Auf einem Tisch konnte man alle Hilfsmittel, wie Waagen, Tiegel, Kapellen, Muffeln und Ausgangsstoffe ansehen.

Nach dem Vortrag traten alle Interessierten an den Probierofen heran. Bei über 1000 °C sollte sich nach ca. 30 Minuten bei den eingesetzten Kapellen ein Silberkorn zeigen. Der Hüttenmann spricht vom »Silberblick«.

Mit dieser Methode, die kleinste Mengen verarbeitet, konnten früher Edelmetallgehalte im Bereich von 0,1 % und weniger nachgewiesen und damit auf den darauffolgenden, großen hüttenmännischen Prozess geschlossen werden. Erckers Verdienst war es, dies als Praktiker in deutscher Sprache zu veröffentlichen und eine Art Rezeptbuch zu erstellen.

Lazarus Ercker

Überprüfung der Temperatur. (Bild: Heiko Meyer)

Die Art der theoretisch-praktischen Vermittlung sprach das Publikum an. Das Hüttenwesen, als Bestandteil des Montanwesen, wurde dadurch vielen ins Gedächtnis gerufen und die vor 525 Jahren stattgefundene Gründung, der auf ernestinischem Gebiet gelegenen Bergstadt, von der metallurgischen Seite her betrachtet. 

Die ortsansässige Traditionsfleischerei Petzold bot Gelegenheit sich zu stärken. Dem Team der Fleischerei sei dafür ein großer Dank ausgesprochen.

Die eine oder andere Frage konnte nach Beendigung der Probe erörtern werden. Alle staunten, dass in einem derart kleinen Ofen diese hohen Temperaturen erreicht wurden..

Lazarus Ercker

Erneut konnte bei allen drei Proben eine Silberperle gezeigt werden. Nach dem Auswiegen stellte der »Probiermeister« das Ergebnis fest. Es entsprach den Vorhersagen.  (Foto: Heiko Meyer)

Wir ließen beim Gehen die sich angeregt unterhaltenden Menschen zurück, fuhren die steilen Straßen wieder ins Tal hinab und überlegten, wie man die Wirkkraft der Gelehrten und Praktiker der Frühen Neuzeit noch besser ins rechte Licht rücken könnte. Der Verein Lazarus Erben e.V. könnte einen kleinen Beitrag dazu leisten. Wir freuen uns auf die nächste Aktivität.

Lazarus Ercker

Ein großes Dankeschön an die Mitglieder der Bürgerinitiative Pro-Buchholz für die perfekte Organisation dieser Veranstaltung.

Karl Buchholtz

Die Litterata – Technik und Poesie in Mitteleuropa – ist ein Feuilleton des Mironde Verlags (www.mironde.com) und des Freundeskreises Gert Hofmann.

Information

Die Bücher Michael Schusters über Lazarus-Ercker sind in jeder Buchhandlung und direkt beim Verlag erhältlich:

Die Ausgabe mit festem Umschlag für Schulkinder, Eltern und Großeltern:

https://buchversand.mironde.com/p/michael-schuster-der-zwerg-aus-dem-berg

Das Bilderbuch für Vorschulkinder zwischen 3 und 6 Jahren:

https://buchversand.mironde.com/p/michael-schuster-der-zwerg-aus-dem-berg-bildergeschichte-einer-zeitreise

One thought on “AUF DEN SPUREN LAZARUS ERCKERS – BUCHHOLZER  PROBESCHMELZEN

  1. Das UNESCO-Welterbe »Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří« wird hauptsächlich durch Aktivitäten im Bereich der Vermittlung des Bergbaus repräsentiert. Dafür gibt es eine Reihe von Museen und bergmännischen Schauanlagen und künfting auch sechs Welterebe-Besucherzentren. In den technolgischen Folgeprozessen vom Erzabbau bis hin zur Metallverarbeitung fehlen aber sehr oft die „Zwischenschritte“ der Aufbereitung (z. B. Pochwerke) und der Verhüttung der Erze. Michael Schusters großes Verdienst ist es dabei, das Hüttenwesen, als einen essentiellen Bestandteil des Montanwesens, durch Vorträge und, wie letzten Sonnabend am Schacht „Heilige Drei Könige“ (Wismut-Nr. 116) in St. Catharinenberg im Buchenholtze geschehen, durch praktische Darstellung eines Probiervorganges, einer breiten Öffentlichkeit (und nicht zu vergessen Kindern!) mehr Bekanntheit zu verschaffen. Und damit verbunden ist auch die Herausarbeitung der historischen Bedeutsamkeit des Wardeins, Generalprobations-, Münz- und Oberstbergmeister Lazarus ERCKER, der durchaus in einer Reihe mit Georgius AGRICOLA, Barbara UTHMANN und Adam RIES genannt werden darf.
    Dass am Ende des Probiervorganges sogar in allen drei Tonmuffeln die „gewüschte Silberperle“ zu sehen war, setzte der Veranstaltung dann die Krone auf!

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