Reportagen

Literaturfest auf Schloss Hartenstein

Die Zufahrt war nicht einfach. Eine behelfsmäßige Trasse, am Ende ein steiler Anstieg und eine rechtwinklige Kurve. Schon fuhr man durch das Tor der Vorburg der Schlossruine Hartenstein. Den nächsten Anstieg erklammen wir zu Fuß: durch das Haupttor, das an diesem besonderen Tag für Besucher offen stand, auf das Platteau der Burg. Der ehemalige Palas zeigt die Spur der Zeiten und verschiedenster Bauversuche. Ringsum feuchte Luft. Wir fühlen uns, als ob wir direkt in den Wolken angelangt sind. Doch überall sind noch fleißige Hände am Werk. Die rührigen Mitglieder des Fördervereins Schlossruine Hartenstein hatten in aufwändiger Arbeit das zweite Literarische Schlossfest vorbereitet. Im ehemaligen Rittersaal traten Rosi Arnold gemeinsam mit Liedermacher Jens Weise, Dr. Andreas Eichler, Manfred Günther, Siegfried Woidke, Gerhard Troll, Petra Schröer, Marion Karin Wolf und die Musiker Jochen Geißler und Peter Gehr vom der Band MIGMA auf. Zwischen den Lesungen spielten die Hartensteiner Jagdhornbläser.

Siegfried Woidke stellte im ehemaligen Rittersaal eine Text-Bild-Dokumentation mit dem Titel »Der Berg ist frei – Bergbau im Erzgebirge« vor. Der Autor verführt uns zu einer Befahrung der verborgenen Welt der Schächte und Stolln. Vorbei an Trümmern des Altbergbaues geht es hinab bis zu den kilometerlangen Schächten der letzten Jahrzehnte im Wismut-Bereich. Wir ahnen die gewaltigen logistischen Voraussetzungen für solche Unternehmungen. Allein im Schacht 371 arbeiteten etwa 4000 Menschen. Der Autor folgt mit seiner Kamera den Spuren der Bergleute. Leitungssysteme tauchen aus der Dunkelheit auf, immer wieder Wasser, plötzlich sehen wir Maschinenreste, vom Rost gezeichnet. Wir kommen uns vor, wie in einer Tiefsee-Expedition. Der Autor erzählt und erzählt. Wir spüren die Tiefe, die Dunkelheit, die Stille. Wir versetzen uns in einen Bergmann, der einen großen Teil seines Lebens im Berg zubringen musste. Wir riechen die feuchte Luft im Stolln, wir bewundern die Farben und Strukturen des Felsens. Wir bekommen eine Ahnung davon, was der Bergbau im Erzgebirge war.

Die Zuschauer lauschen gebannt dem Bergwerks-Erzähler Siegfried Woidke und danken ihm mit herzlichem Applaus.

Nach den Vorträgen bleibt noch Zeit, um Palas mit Rittersaal zu bewundern.

Der Eingang zum Rittersaal.

Ein alter Wappenstein.

Als die Sonne durch die Wolken brach, konnte man, mit etwas Glück, das Burgfräulein erblicken.

Ein großer Teil der Burg zeigt noch die Spuren der Zerstörungen aus dem Jahre 1945.

Durchblicke.

Fundstücke.

Die Tür in die Ruine blieb verschont …

Die erhaltene Burgmauer lässt die einstige Größe und Bedeutung der Burg Hartenstein ahnen …

Die Sonne erbarmte sich am Nachmittag des 29. Juli und durchdrang die Wolken. Die Mühe der Organisatoren und ihrer Mitstreiter wurde belohnt. Ein intelligentes Publikum verfolgte die Lesungen, Vorträge und Musikdarbietungen sehr aufmerksam. Trotz des schwierigen Zugangs schafften es auch ältere Menschen die Veranstaltung zu besuchen. Selbst ein Rollstuhlfahrer erklomm mit Unterstützung seiner Helfer den Burgberg. Einige Prominente kamen vorbei, so der ehemalige Zwönitzer Bürgermeister Uwe Schneider. Der Sonntag klang, nach den Regenwetter-Schrecken des Mittags, als ein sonniger Sommerabend aus. Ohne Zweifel war die Veranstaltung ein Ereignis.

Johannes Eichenthal

 

Information

Wer neugierig geworden ist, dem empfehlen wir einen Besuch der Schlossruine am 9. September 2012, dem Tag des offenen Denkmals.

Förderverein Schlossruine Hartenstein: www.schlossruine-hartenstein.de

 

Siegfried Woidke: Der Berg ist frei – Bergbau im Erzgebirge

www.bergbaubuecher.de

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