Reportagen

Innokonservation – Gedanken zu einem Buch

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Gedanken zu einem Buch

»Innokonservation«?
Der Titel verbirgt viel.
Welche Inhalte erwarten mich?
Worum handelt es sich?
Begreifbarer ist schon der Untertitel:
»Erneuern und Bewahren«.
Darin konnte ich sofort Thematik erkennen. Bewahren als gewachsenes Sicherheitsgefühl vor dem Sprung ins Ungewisse. Diese »Denke« ist den meisten Menschen zueigen. Es lebt sich gut damit.

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Auf der zweiten Seite beginnt die Serie von 12 Grafiken, die vielleicht Fragmente der Urschrift des Buches darstellen. Sie ziehen den Leser sogleich in Ihren Bann. Welche Verbindung besteht zu den Texten? Ergeben die Bilder eine künstlerische synchrone Ästhetik zum Text? Synchrone Ästhetik – für viele ein »Niemandsland« im Verständnis der kommenden Seiten.
Die Diskussion zweier unterschiedlicher Standpunkte um das Für und Wider der heutigen digitalen Möglichkeit und Wirklichkeit der Computertechnik der Jetztzeit wird von zwei Personen geführt. Das Verfahren hat sich seit Plato als didaktisches Hilfsmittel bewährt und erleichtert kontrovers geführte Gespräche. Jeder hat seinen Platz. Auch Robert Schumann erfand seinerzeit fiktive Streitgespräche von den Antipoden Eusebius und Florestan über die »zeitgenössische, moderne Musik« ihres Jahrhunderts. Dieses System der Rede und Gegenrede sichert literarisches Überleben und gewährt tiefe Einblicke in die Denkweisen der Epochen.

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Beim Lesen der Argumente über Qualität erfahre ich als Leser eine Ernüchterung. Qualität bei Untersuchungen jeder Art ist wohl abhängig von dem Einsatz der vorhandenen Geldmittel, d.h.: mehr Geld bedeutet:
– mehr Menschen können beteiligt werden
– mehr Genauigkeit der Untersuchungen kann angestrebt werden
– mehr Zeit steht zur Verfügung
– Teamwork ist bis zur Neige der Geldmittel einsetzbar.
Wo bleibt der »geniale Einzelkämpfer«, den Teamwork eher abstößt?
Wo ist seine Rolle, seine Daseinsberechtigung in diesem System?
Das Buch vermittelt Bewusstseinsinhalte.
Die Frage drängt sich auf: was heißt konservativ ?
Welche Funktionen der Vergangenheit sind erhaltenswert?
Wie lang ist der zeitliche Abstand zum Heute, in dem konservatives Denken und Handeln beginnt? Beginnt konservatives Handeln gleich nachdem eine Idee in die Welt gesetzt wurde?
Oder ist konservatives Handeln erst nach Jahren möglich, vielleicht sogar als Generationenproblematik?
Man denke an die Botschaften der Unterhaltungsindustrie in der Mitte des letzten Jahrhunderts. Welche Werke der Fernsehunterhaltung und Radiowelt werden den Alterungsprozess und das Vergessen überstehen?
»Top & Hopp« als Gesetz unserer Zeit?
Am Buchmarkt ist das besonders deutlich. Jedes Jahr 90.000 bis 140.000 Neuerscheinungen im deutschsprachigen Raum (siehe Seite VI). Das Risiko der Verlage wird dabei deutlich, wenn man die Bestseller Listen betrachtet.
Eine konservative Lebensweise wirft Fragen auf?
Gelangt der Mensch in seiner Entwicklung immer wieder an den Punkt sich argumentativ, innovativ, industriell, organisatorisch, substantiell abzuschaffen.

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Ist eine reflektierte Übernahme von erst kürzlich tradierten Werten in unserer schnelllebigen Zeit überhaupt noch sinnvoll? Oder regeln sich fehlgeleitete menschliche Verhaltensweisen, wie auch angeblich in der freien Wirtschaft, von selbst?
Im Buch wird die Frage gestellt, Traditionslinien zur »Vor-Aufklärung« hin zu verfolgen und Anregungen für heute daraus zu ziehen. Was wenige wissen: humanistischen, ethischen Leitlinien, die lange vor der Aufklärung entwickelt wurden, werden auch heute noch gelebt. Es ist der Bund der Freimaurer, der sich nachweisbar als Nachfolger der Bauhütten sehen darf und mit seinem Verhaltenskodex »Die alten Pflichten«, die für jeden Freimaurer bindend sind, in ihren Treffen beschäftigen. Dieses gesicherte Wissen gehört nicht zu den Lehrinhalten von Universitäten. Wer weiß schon, das z.B. Neil Armstrong und Edwin Aldrin, die die ersten Menschen auf dem Mond waren, dem Freimaurerbund angehören. Auch der bekennende Freimaurer Karl Heinz Böhm mit seiner Initiative »Menschen helfen Menschen« sieht sich der Menschenliebe und ethischen Verantwortung verpflichtet (siehe: Google: Berühmte Freimaurer).
Es scheint eine Rückbesinnung auf Grundwerte zu geben. Den Computer und das Fernsehen als fast alleinig charakterbildend für die Jugend zuzulassen, wird immer mehr hinterfragt.
Die Möglichkeiten der Kommunikation durch digitale Mittel bieten ungeahnte Chancen weltweit Produktionsabläufe zu verknüpfen. In der Autoindustrie wird das schon durch Zulieferbetriebe realisiert. Eine solche »Arbeitbeschaffungs-Maßnahme« ist weltweit für viele Industriezweige denkbar. Fabriken dort zu bauen, wo Arbeitsmangel besteht, wäre eine sinnvolle Nutzung der industriellen Entwicklung. Organisatorisch wird es wohl das kleinste Problem bedeuten, die Arbeitsabläufe zu koordinieren.
Wenn die Möglichkeiten des Geistes ausgeschöpft sind, tritt oft die Frage nach Gott auf. Gottesbeweise werden formuliert und ein Erklärungsnotstand ist spürbar. Sinnliche Erkenntnis und Vernunft werden in Bezug zu Gott gesetzt. Der Reichtum der Seele als verbindende Kraft der Psyche wird erkannt. Friedrich der Große und Voltaire haben viele Jahre einen persönlichen Kontakt entwickelt und Gespräche über Humanismus, Politik, Philosophie und Religion geführt. Der Begriff Priesterlüge scheint in diesen Reflektionen auch eine Rolle gespielt zu haben. Dabei kommen mir quasi aus dem Unterbewusstsein sofort missliche Handlungen der heutigen Kirchenpraxis in den Kopf, z.B. die vielen Priesterkinder, die ihre Herkunft bei der Finanzierung des Studiums durch die Kirche per schriftlichen Vertrag verschweigen müssen. Oder eine Eheschließung eines Priesters, der nach langer Dienstzeit eine Ehe eingegangen ist und fortan für die lange Zeit seiner Kirchenarbeit keinen Rentenanspruch gegenüber seinem früheren Arbeitgeber hat. Dasselbe Verfahren auch bei einer katholischen Krankenschwester, die bei Ihrer Arbeit in Afrika in Dörfern mit 70–80 Prozent Aidskranken, Präservative verteilt hat. Weg mit ihnen, sie haben ihre Verträge nicht eingehalten!?

Den Diskussionen der beiden Antipoden sind insgesamt 12 Bilder von Birgit Eichler hinzugefügt. Birgit Eichler ist eine Künstlerin, die auch über Chemnitz hinaus bekannt geworden ist. Die handschriftlichen, collageartig verarbeiteten Dialogfelder könnten einen direkten Bezug zum Text haben. Die Intuition der Künstlerin wird kreativer Partner des Textes. Die Bilder erwecken den Eindruck einer Spiegelung des Textes und erweitern den Text auf eine künstlerische Ebene, synchrone Inhalte von Wort und Bild.

Hier nun der Versuch einer Interpretation der Bilder.
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Bild 1 Der Inhalt erinnert mich an das griechische Schriftzeichen Alpha, der Beginn  des Buches.

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Bild 2 Die Erde wird von Datenflüssen umgeben, die ins Unendliche gehen, aber auch ihren Ursprung offen legen.

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Bild 3 Die Suche nach Ordnung. Schichten werden überlagert. Die Texte sind teilweise nicht mehr lesbar.

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Bild 4 Die Vernetzung entfernt sich vom Erdball.

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Bild 5 Man erkennt ein Portrait. Es sieht in die Weite und verfolgt Leitlinien und  Datenströme.

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Bild 6 Planeten und Himmelskörper sind verbunden und weitere Lauflinien sind  sichtbar.

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Bild 7 Zwischenwelten deuten sich an. Schwarzflächen gewinnen an Bedeutung.

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Bild 8 Schwarze Ströme verlassen die Erde.

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Bild 9 Die Rotation des Planeten wird sichtbar.

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Bild 10 Planetenformationen sind durch Schriftfelder verbunden.

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Bild 11 Es gibt einen lichten Weg durch die Dunkelheit.

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Bild 12 Die Endlichkeit des Omega-Symbols erstrahlt hellleuchtend.

In all den Bildern ist die Verbindung von den bildhaften, handgeschrieben Texten zu den gedruckten Diskussionen sichtbar und denkbar. Die intuitive, inhaltsgleiche Verbindung von Text und Bild ergibt sich beim Lesen und lässt natürlich auch andere Deutungen zu.
Als kleines Fazit am Ende dieses Buches bleibt für mich die Vielzahl der Fragen und damit verbunden die Anregung zum Nachdenken. Ich stelle mir vor, eine gymnasiale Oberstufe würde dieses Buch als Diskussionsgrundlage im Fach Deutsch benutzen. Es erscheinen auf jeder Seite neue, für den Menschen existenzielle Fragestellungen.
Der Mensch, als Reibungsfläche zwischen den Entwicklungen der Technik, Kultur aber auch als Leidtragender von Kriegen, Betrug und Bespitzelung, könnte sich die digitale Welt zu seinem Vorteil nutzbar machen. Bei der persönlichen Standortbestimmung jedes einzelnen, kann der Band »Innokonservation« durch seine »Crossover-Thematik« von Text und Bild Wege aufzeigen, Verhaltensstrukturen zu entwickeln, die dem Menschen eine positive Zukunft geben.

Max Maxelon
Düsseldorf, den 28. August 2013

Information
Innokonservation. Erneuern und Bewahren.
von Birgit und Andreas Eichler
Mironde-Verlag
ISBN 978-3- 937654-46-1

Am Mittwoch, dem 2. Oktober 2013, lädt die Buchhandlung Bücherwelt in Schwarzenberg (Grünhainer Straße 8a) um 19.00 Uhr zu einer Vorstellung und Diskussion des oben besprochenen Buches ein. www.buecherwelt-szb.de

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