Reportagen

Der Walther-Rathenau-Preis 2010

Es war so gut wie kein Durchkommen. Überall Polizei, Streifenwagen, Sicherheitsbeamte in Zivil. Rund um die Deutsche Bank Unter den Linden in Berlin war am 15. April 2011 höchste Alarmstufe angesagt. Um 16 Uhr sollte im Auditorium der Deutschen Bank durch den deutschen Außenminister Guido Westerwelle der Walther Rathenau-Preis 2010 an die Außenministerin der USA, Hillary Clinton, überreicht werden.
Kein Stuhl war mehr frei. Hinter einer blauen Kordel bekamen die deutschen und US-Journalisten ihre Berichterstattungsplätze zugewiesen. Dabei war auch das Kamerateam von Regisseur Eberhard Görner, welcher mit Hilfe des Walther Rathenau-Institutes Berlin eine Drehgenehmigung erhalten hatte, um diese denkwürdige
Stunde in seinem neuen Film Walter Rathenau zu dokumentieren. Am Eingang zur Deutschen Bank wurde jedes Kabel des Filmteams kontrolliert, Taschen wurden konfisziert, und hinter der elektronischen Schranke wartete kein Flugzeug, sondern über 80 Diplomaten und Bundestags-Abgeordnete hatten erwartungsvoll Platz genommen.
Ein Blitzlichtgewitter ging nieder auf Hillary Clinton und Guido Westerwelle, als sie mit 45 Minuten Verspätung den Saal betreten und mit stürmischen Applaus begrüßt werden.
Dr. Michael A. Gotthelf, vom Rathenau-Institut Berlin wies in seiner Begrüßungsrede darauf hin, dass es in der deutschen Geschichte nur einen jüdischen Außenminister gegeben habe: Walther Rathenau-und ebenso nur einen jüdischen Außenminister in der Geschichte der USA: Henry Kissinger!
Mit herzlichen Worten der Verbundenheit überreichte Guido Westerwelle die „Walther-Rathenau-Medaille“ an die amerikanische Außenministerin. Eine Ehre, die bereits 2008 Hans Dietrich Genscher und 2009 dem israelischen Außenminister Shimon Peres angetragen wurde.
Hillary Clinton, sehr dynamisch, sehr charmant, sehr souverän, erklärte in ihrer Dankesrede, warum Walther Rathenaus politisches Vermächtnis nicht nur für Europa, sondern auch für die Politik der USA heute eminent wichtig sei. Rathenau baute seine Visionen auf die Säulen Völkerverständigung, Toleranz, Frieden und Demokratie. Danach strebe auch die Politik der Vereinigten Staaten von Amerika, in enger Partnerschaft mit Deutschland und Europa.
Minutenlanger Beifall war die Antwort der Zuhörer im Saal.


Als Hillary Clinton in Begleitung von Guido Westerwelle den Saal verlassen wollte, überreichte Eberhard Görner der amerikanischen Außenministerin seinen neuen, im Mitteldeutschen Verlag Halle/Saale erschienenen historischen Roman »In Gottes eigenem Land – Heinrich Melchior Mühlenberg – der Vater des amerikanischen Luthertums.«

Hillary Clinton schaute interessiert auf das Buch-Cover und bemerkte erfreut: »Oh, das ist eine Karte von Pensylvanien. Interessant. Danke !« Und als sie laut den Namen Mühlenberg las, nickte sie wissend, denn die Söhne von Heinrich Melchior Mühlenberg stehen ja als Denkmal auf dem Capitol vor dem Weißen Haus in Washington, und Mühlenbergs Büste ziert den Eingang zum Campus der Universität von Philadelphia.

Wie wir von Eberhard Görner erfuhren, wurde er von der Referentin der amerikanischen Außenministerin um seine Adresse gebeten, weil ihm Hillary Clinton schriftlich danken möchte. Der Dank geht zurück, wenn im August 2011 die Premiere des Films »Walter Rathenau« erfolgt, von dem eine DVD mit englischen Untertiteln in das Büro von Hillary Clinton im Weißen Haus in Washington gesendet wird.
Johannes Eichenthal

Das Copyright der Fotos liegt bei Markus Stoffel, der uns dankenswerter Weise eine Veröffentlichung gestattete.

 

Information
Eberhard Görner: In Gottes eigenem Land. Heinrich Melchior Mühlenberg – der Vater des amerikanischen Luthertums.
ISBN 978-3-89812-766-0

 

 

Weitere aktuelle Publikationen von Eberhard Görner (Auswahl)

Eberhard Görner: Der Narr und sein König. Der Taschenspieler Joseph Fröhlich in Dresden. Chemnitzer Verlag 2009. ISBN 978-3-937025-49-0

Eberhard Görner: Himmel aus Stein. George Bähr und die Frauenkirche zu Dresden. Chemnitzer Verlag. 7. Auflage 2009. ISBN 978-3-937025-12-4
www.chemnitzer-verlag.de

Eberhard Görner: Am Abgrund der Utopie. Gespräche. Aufsätze. Selbstporträts. Faber und Faber. Leipzig 2007. ISBN 978-3-86730-037-7
www.faberundfaber.de

Eberhard Görner als Herausgeber
Eberhard Görner, Uwe Schneider, Klaus Walther (Hrsg.): Ortstermin. Bilder aus dem Stollberger Land. Mironde-Verlag 2008. ISBN 978-3-937654-28-7

Görner, Eberhard (Hrsg.): Weißes Gold aus dem Erzgebirge? Veit Hans Schnorr von Carolsfeld (1644-1715). ISBN 978-3-937654-57-7

Eberhard Görner (Hrsg.): Pater Gabriel K. Lobendanz OCist: Kloster-Aphorismen.Mironde-Verlag 2009. ISBN 978-3-937654-39-3

Eberhard Görner (Hrsg.): Pater Gabriel K. Lobendanz OCist: Weihnachtsgeschichten. Mironde-Verlag 2010. ISBN 978-3-937654-43-0
www.mironde.com

Eberhard Görner als Regisseur
Ruhen in der Zeit. (Dokumentarfilm über die Zisterzienserinnen von Kloster Waldsassen). Als DVD erhältlich.
www.abtei-waldsassen.de

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