Reportagen

Der Dichter aus dem Vogtland

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Utz Rachowski feiert heute im vogtländischen Reichenbach seinen 60. Geburtstag. Aus diesem Anlass veröffentlichen wir einen Artikel von Dr. Klaus Walther zu Utz Rachowskis neuestem Gedichtband »Miss Suki oder Amerika ist nicht weit«. Die Fotos stammen von der Erstvorstellung des Bandes im März 2013 im Rahmen der Buchmesse Leipzig.

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Nun lassen wir Dr. Klaus Walther zu Wort kommen:

Was also ist es, daß einen Autor dazu treibt, ein Hündchen zum Gegenstand seiner Beschreibungen zu machen? Freilich, wir wissen es, der Hund ist nicht irgendein Tier, son­dern seit Jahrhunderten des Menschen enger Gefährte. Und auch in diesen Gedichten wird eine Geschichte er­zählt, die diese Nähe zwischen Mensch und Hund beschreibt. Aber es wäre wohl zu wenig, wenn da nur das al­te Motiv von Herr und Hund sichtbar würde, wenn da nicht etwas dazu käme, was aus solcher Gemeinschaft et­was Neues, etwas Besonderes erkundet.
Vielleicht beginnt dies damit, daß diese Begegnung nicht in der alltäglichen Weise stattfindet, sondern dem Autor wächst die Beziehung zu aus einer anderen, neuen Beziehung. Er ist in Amerika, auf einem fremden Planeten, wie Günter Kunert, der hier im Eingang des Bandes zitiert wird, einmal seine Entdeckung Amerikas genannt hat. Aber diese Gedichte nun erzählen nicht vor allem aus einer solchen Erfahrung, sie bewegen sich vielmehr in dem Wechselspiel von Nähe und Ferne.

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Utz Rachowski, dessen bisherige literarischen Texte zumeist aus einem Grunderlebnis und Konfliktfeld kommen, das den Jungen, den Schüler, den angehenden Dichter betraf, bewegt sich hier auf anderem Terrain. Ein paar biografische Daten sind notwendig. Geboren am 23. Januar 1954 in Plauen, aufgewachsen im benachbarten Reichenbach. Schule also bis zu jenem 16. April l971, als ein Brief an den Kreis­schulrat den Ausschluß des Schülers aus der Schule ein­fordert. Nun, wir wissen es aus seinen Texten, was dann kam, Aussprachen und Verhöre. Haftbeschluß, Haft, die Zelle Cottbus 231. Und schließlich: Schreiben, Leben in der Fremde und irgendwann gibt es dann einmal in einem Text den Satz: »Es ist schon so, wie es das deutsche Märchen vom singenden und klingenden Bäumchen erzählt; Wer zurückkehrt aus der Fremde, den küssen die Hunde. Manchmal kommt eine Prinzessin dazwischen«.

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Wer aus der Fremde zurückkehrt, den küssen die Hunde? Viel­leicht zum ersten Mal wird hier in einem Satz dieses Au­tors eine Beziehung hergestellt, aber da ist der Hund wohl nicht das Wesen jener Vertrautheit, jene Liebe, die das Leben mitträgt. Freilich wird sich das wandeln, die Lebensverhältnisse des Autors und damit auch sein Ver­hältnis zu diesem Gefährten des Menschen. Es gibt bei Thomas Mann einen hundertseitigen Text, der eine ziem­liche autobiografische Note hat: Herr und Hund, die Ge­schichte von Bauschan und seiner Beziehung zum Erzähler. Hundert Seiten, was für eine Geschichte von der Treue, der Nähe zwischen Mensch und Tier. Und man kann solche Geschichten immer wieder finden in den Geschichten der Poeten. Nun also Gedichte von Suki, dem Hund in ferner Welt. Geschrieben wird nicht nur aus der Erinnerung, die dieses Hundewesen mitträgt, sondern in Erinnerung an die andere Welt, die sich dem Autor eröffnete, jener ferne Planet, der ihm immer näher kommen wird, je weiter er sich von ihm entfernt. Vielleicht ist dies das Besondere dieser Gedichte für Miss Suki, das sie eine Lebenssituation herbeirufen, die Liebe trägt.

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Die Welt verändert sich angesichts der Existenz von Miss Suki, »die Tür zur Geliebten bewegt sich in den Angeln der Welt« hat der Dichter Georg Maurer einmal geschrieben. Und dies ist ein Bild, das auch die poetischen Nachrichten dieses Autors betrifft. Vielleicht sind diese Gedichte aber auch noch etwas anderes für ihren Autor: Ohne das Vergangene aufzugeben in Literatur und Leben findet sich ein neuer Weg, das zu sagen, was er gern sagen möchte: Liebe, Vertrautheit, Nähe. Das alles nicht ausgeschlossen aus heutiger Welt, sondern als Hoffnung, als Erwartung auf Künftiges. Ja, vielleicht ist dies das Geheimnis von Poesie, die sich auch hier manifestiert: Miss Suki macht es möglich: An trübem Tag erscheint plötzlich die vergessene Sonne.

Klaus Walther 

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Information

Utz Rachowski: MISS SUKI – oder Amerika ist nicht weit
14,0 × 20,5 cm, 72 Seiten, fester Einband, Fadenbindung, Lesebändchen
2 Zeichnungen von Thomas Beurich
VP 22,00 € ISBN 978-3-937654-49-2

www.mironde.com

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