Reportagen

William Wauer zum 150. Geburtstag

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Die Stadt Oberwiesenthal und Bürgermeister Mirko Ernst hatten am 30. September zur Eröffnung einer Sonderausstellung anlässlich des 150. Geburtstages von William Wauer in das städtische Museum K3 eingeladen. In dem Gebäude ist auch die Touristinformation untergebracht. Zudem bietet man hier eine gut sortierte Auswahl regionaler Literatur zum Verkauf an.

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Brigitta Milde von den Städtischen Museen Chemnitz führte die zahlreichen Gäste  in Leben und Werk des am 26. Oktober 1866 in Oberwiesenthal als Sohn des zweiten Pfarrers geborenen William Wauer ein. Auf den ersten Blick fallen die zahlreichen Ortswechsel Wauers auf: Studium an der Akademie für Bildende Künste in Dresden, Berlin und München. Reisen in die USA (San Franzisko, New York) als Werbezeichner. Studium der Philosophie und Kunstgeschichte in Leipzig. Reisen nach Rom und Wien. Werbeberater für große Unternehmen, wie den Odol-Hersteller Lingner. Mitbegründer, Redakteur und Theaterkritiker einer Dresdner Tageszeitung. Regie- und Schauspielstudium in Berlin. 1911 Wechsel zum Film. 1913 Fertigstellung einer Kinobiographie von Richard Wagner. Bis 1921 stellte er 29 Filme her, als Regisseur, Dramaturg und zum Teil auch als Schauspieler.

In Berlin wurde Wauer mit Herward Walden bekannt, dem geistigen Vater der Galerie, Künstlergruppe und Zeitschrift »Der Sturm«. Wauer fand hier sein Selbstverständnis als Expressionist. Er arbeitete auch als Maler und Skulpturist. Die expressionistische Porträtbüste von Herward Walden macht ihn schlagartig berühmt.

Gleichzeitig förderte Wauer junge Künstler aus seiner Heimat (Otto Müller-Eibenstock, Max Eismann u.a.)

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Auch nach dem Zweiten Weltkrieg setzte Wauer seine Arbeit im expressionistischen Sinne fort. Seine Arbeiten trafen jedoch nicht mehr den Zeitgeist. In Berlin Tempelhof stellte er in seinem Kunsthaus auch erstmals Otto Müller-Eibenstock aus. Am 10. März 1962 verstarb Wauer in Berlin. Es dürfte heute noch zu früh sein, um darüber zu befinden, was vom Werk Wauers bleibt.

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Frau Milde verwies in ihrem Vortrag darauf, dass 1991 in einer Annaberger Galerie die »Wiederentdeckung« Wauers eingeleitet wurde. Sie verriet nicht, dass sie damals diese Galerie leitete. Aber sie verwies auf Steffen Meyer (Foto), den damaligen Kulturraumsekretär, der der Initiator der Neuentdeckung gewesen sei.

Den Organisatoren, Frau Milde und Herrn Meyer ist für ihr Engagement zu danken.

Die Sonderausstellung ist einen Besuch in Oberwiesenthal wert. Zudem zeigt K3 eine umfangreiche Dauerausstellung zu Leben und Werk William Wauers.

Kommentar

Auf der Heimfahrt durch die raue Landschaft des Erzgebirges kommen wir immer wieder an Fabriken vorbei. Die allermeisten werden nicht mehr betrieben. Verfall, Abrissreife. Supermärkte nehmen ihren Platz ein. Dennoch bleibt eine Ahnung von der Begegnung zwischen Industrie und Natur, wie sie Wauer in seiner Kindheit erlebte. Die Auseinandersetzung, die Nähe zur Natur, wie deren Fremdheit prägten die Menschen. Der Rhythmus, der Takt der Maschinen bestimmte das neue Leben.  Hier erwuchs neues Selbstbewusstsein. Lothar Günter Buchheim erinnerte in seinen Memoiren daran, dass die Chemnitzer Arbeitersportvereine beim 1.-Mai-Umzug eine gewaltige Kraft demonstrierten.

Wauer war ein Teil der Jugendbewegung. Der Expressionismus war eine Auseinandersetzung der jungen Generation mit dem erstarrten deutschen Kaiserreich.

Die Vielfalt der Genres, in der Wauer tätig war, verängstigt manch heutigen Zeitgenossen. Die Frage ist aber die nach dem inneren Zusammenhang des Werkes. Nicht erst seit dem Sezessions-Manifest von Wien wird über das Verhältnis von Malerei, Skulptur und Architektur gestritten. Wauers Werk eignet sich für entsprechende Untersuchungen, wie kaum ein anderes.

Johannes Eichenthal

www.oberwiesenthal.de

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