Rezension

GEDICHTE

Undine Materni veröffentlichte im Tauland Verlag einen Band, der mit WÜNSCHEN UND WOLLEN. GEDICHTE überschrieben ist. Im Rückentext heißt es über den Inhalt des Bändchens: Was dabei fasziniert, sind die Momente von Sinnlichkeit in den Versen, die Schlusszeilen warten oft mit einer überraschenden Pointe auf. Im Sinne von Ingeborg Bachmann ist es Credo der Dichterin, nicht nur etwas äußerlich wahrzunehmen, sondern es zu begreifen.

Im ersten Teil werden unter dem Titel VERWANDT Gedichte, eigentlich sind es kurze Geschichten, über Vater und Mutter erzählt. In den anderen drei Teilen, die mit VERWIRRT, VERLIEBT, VEREHRT überschrieben wurden, setzt sich das Geschichtenerzählen fort. An die Stelle der Eltern treten Kolleginnen und Kollegen. Sie werden in der Regel eingangs zitiert oder der Text ist ihnen gewidmet. Manche der Geschichten lesen sich wie Traumbeschreibungen. 

Zum Beispiel ZEITSCHLEIFE beginnt mit den Worten: 

Dieser Sonntag schien 

eingerichtet das Licht lobte

gerade Mauern und Neptun im Brunnen

inmitten der üppigen Schönen

….

und endet mit:

… In den Armen des Sonntags der sich 

an sie schmiegt diese Freundin

die zu umfassen sonst keinem gelingt ⏤ (S. 53 ff.)

Auf Seite 103 finden wir das Gedicht, das dem Bändchen den Titel lieh: WÜNSCHEN UND WOLLEN. Im Untertitel steht: FÜR HEINZ CZECHOWSKI

Erst spät hab ich die Bitterkeit

deiner letzten Jahre begriffen

das Niemandsland zwischen

Wünschen und Wollen

Und du? Hast vielleicht

die Achmatowa getroffen

und versuchst mit ihr vergeblich

ein Wort für Heimat zu finden  

Undine Materni demonstriert in diesem Band auf lesenswerte, poetische Weise, dass die Sprache ihre eigentliche Heimat ist. 

Johannes Eichenthal

Information

Undine Materni: Wünschen und Wollen. Gedichte

Edition Hellopoetry. Tauland-Verlag Köln 2019

www.tauland-verlag.de

ISBN 9783981409079

Die Litterata – Technik und Poesie in Mitteleuropa – ist ein Feuilleton des Mironde Verlags (www.mironde.com) und des Freundeskreises Gert Hofmann.

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