Am 7. Juni, dem UNESCO Welterbetag, der stets am ersten Sonntag im Juni begangen wird, fanden im erzgebirgischen Schneeberg die Feierlichkeiten zum siebten Jahrestag der Verleihung des UNESCO-Welterbetitels an die Region Erzgebirge/Krušnohoří statt. Eingeladen hatten der Montanregion Erzgebirge e.V., der Tourismusverband Erzgebirge e.V., der Sächsischer Landesverband der Bergmanns-, Hütten- und Knappenvereine (SLV) und die Stadt Schneeberg. Mit der Verleihung des Welterbetitels verbinden sich auch Pflichten. Einerseits der Schutzauftrag, der Erhalt von Sachzeugen, und andererseits ein Bildungsauftrag. Um das große Erbe zu erhalten bedarf es der Weitergabe an kommende Generationen. Seit 2016 sind die Bergparaden und Bergaufzüge in Sachsen als immaterielles Erbe und 2023 das Singen des Steigerlieds in die Liste aufgenommen worden. Im Weltdokumentenerbe sind 496 Einträge verzeichnet, davon 28 in Deutschland. Darunter fallen u.a. die Gutenberg-Bibel, die Hausmärchen der Gebrüder Grimm u.a. Das ist zugleich der Maßstab für immaterielles Welterbe.

Der 7. Juni war ein vielschichtiger Sommertag. Nach einem strahlend blauen Himmel am Morgen fegte der zum Teil böige Wind Wolken heran, zunächst weiße, dann auch graue und auch sehr dunkelgraue … Erst am Nachmittag legte sich der Wind und es blieb trocken. Auf der Rathausbühne wurde die Veranstaltung um 10 Uhr begonnen und um 13 Uhr eröffnet.

Um 13.30 Uhr setzte sich vom Kirchplatz der Sankt-Wolfgang-Kirche die Kinderbergparade in Bewegung. Für den richtigen Takt sorgte das Musikkorps der Bergstadt Schneeberg.










Es folgten weitere Musikbeiträge auf der Rathausbühne. Wer es wollte, der konnte aber auch einige Zeugnisse des Kulturerbes entdecken. Das ist das Museum für bergmännische Volkskunst. Das Gebäude wurde 1724/25 von Johann Christoph von Naumann (1664–1742) für den Verleger Johann Friedrich Bortenreuther entworfen und erbaut. 1934 übernahm der Schneeberger Altertumsverein das Haus für seine Volkskunst-Sammlung. 1946 ging das Haus in den Besitz der Stadt über. Seit 1953/54 ist das Haus eine Stätte der Sammlung, Bewahrung und Präsentation erzgebirgischer Volkskunst.

Das war das Stammhaus der Berg- und Hammerherrenfamilie Schnorr. Veit Hans Schnorr (1614–1664), der Begründer des Familienunternehmens, besaß eine große Bibliothek und empfing in diesem Haus Fürsten, Künstler und Gelehrte. Schnorrs Freund, der Feldmarschallleutnant, Herzog Philipp Ludwig von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Wiesenburg (1620–1689), der unter Prinz Eugen Wien gegen die angreifende osmanische Armee verteidigt hatte, verbrachte hier seinen Lebensabend. Schnorrs Sohn Veit Hans Schnorr der Jüngere (1644–1715) wurde 1687 von Kaiser Leopold I. in Wien unter dem Namen »Schnorr von Carolsfeld« in den Adelsstand erhoben.

Johann Wolfgang von Goethe (1749–1832) übernachtete am 18./19. August 1786 bei seiner Rückreise von Karlsbad im Schneeberger Gasthof »Goldener Hirsch« (re.). Das Gebäude liegt etwa gegenüber dem Schnorrschen Stammhaus.

In diesem repräsentativen Haus residierte der spätere Oberberghauptmann Sigismund August Wolfgang von Herder (1776–1838). Er hatte in Göttingen, Jena, Wittenberg und in Freiberg bei Abraham Werner studiert. Auf einer Tafel aus dem »Goethejahr 1932« wird daran erinnert, dass Johann Gottfried Herder (1744–1803) seinen ältesten Sohn im Juli 1803 besuchte. Dem Anschein nach kam Herder von einem Kuraufenthalt in Eger und hatte trotz aller Sorgen und Krankheiten noch einmal Hoffnung geschöpft. Im August reiste er nach Dresden und wurde dort würdig empfangen. Der Direktor der im Japanischen Palais beheimateten Königlichen Öffentlichen Bibliothek, Karl Wilhelm Daßdorf (1750–1812), würdige Herder anlässlich seines Geburtstages am 25. August auf das Außerordentlichste. In Weimar erlitt Herder nach seiner Rückkehr jedoch einen Rückfall und verstarb am 18. Dezember.

In diesem Haus wohnte Carl Schumann (1801–1849), ein Bruder Robert Schumann (1810–1856), der im Zwickauer Verlagsgeschäft der Eltern tätig war. Der große Komponist war hier mehrfach zu Gast.

Dieses Gebäude wurde 1874 von Landesbaukondukteur Otto Wanckel (1826–1912), einem Schüler Gottfried Sempers (1803–1879) und späteren Königlich Sächsischen Geheimen Oberbaurat, im Stil der Neorenaissance für das Königlich-Sächsische Lehrerseminar erbaut. Der große Schriftsteller und Literaturhistoriker Kurt Arnold Findeisen (1883–1963) studierte von 1898 bis 1903 am Schneeberger Seminar. Er erwarb hier eine Bildung, die ihm lebenslanges Lernen und kulturelle Höchstleistungen ermöglichte. Seine Romane werden gelesen, das »Goldene Weihnachtsbuch« immer wieder neu aufgelegt. Heute beherbergt dieses Gebäude das Johann-Gottfried-Herder-Gymnasium.
Der kleine Rundgang vermittelt uns eine Vorstellung von Welterbe. Die Erbe-Definition ähnelt der Definition der Klassik. In beiden geht es um kulturelle Leistungen, die über nationale Grenzen hinauswirken und inter-national zur Geltung kommen. Schneeberg kann, wie andere Erzgebirgsstädte auch, diesen Zusammenhang veranschaulichen.
Clara Schwarzenwald
Information zum immateriellen Erbe der Montanregion
Prof. Dr. Friedrich Naumann widmete sich besonders Leben und Werg Georgius Agricolas, der für die Verleihung des Welterbetitels an die Montanregion eine entscheidende Rolle spielte, und dem Bergbau-Technologietransfer von Sachsen nach Russland, zu Beginn des 18. Jahrhunderts. Nach vernichtenden militärischen Niederlagen gegen Schweden verbündete sich Dänemark und Sachsen damals mit Russland. Der Technologietransfer war eine der Grundlagen des Bündnisses.
Friedrich Naumann: Georgius Agricola – ein Riese an Denkkraft, Leidenschaft und Charakter, an Vielseitigkeit und Gelehrsamkeit. 2018,1 16 S. 14,7 × 21,0 cm, 33 s/w-Abb., 205 g, 14,90 €, ISBN 978-3-96063-015-9
https://buchversand.mironde.com/p/friedrich-naumann-georgius-agricola
Friedrich Naumann: Sächsische Bergbaukunst im 18. Jahrhundert auf dem Weg nach Russland
Fester Einband 23,0 × 23,0 cm, 256 Seiten, 88 z.T. farbige Abbildungen und Fotos
VP 39,90 Euro ISBN 978-3-96063-045-6
Michael Schuster erinnert an den in Annaberg geborenen Lazarus Ercker (1528/30–1594) der neben Georgius Agricola (1494–1555) und Vannoccio Biringuccio (1480–1537) über 200 Jahre lang zur wissenschaftlichen Autorität und zum Begründer der analytischen Chemie im Montanwesen wurde. Dazu legt Schuster ein gleichermaßen für Kinder und Erwachsene geeignetes Buch vor. Er regt zum Gespräch zwischen den Generationen und zum Besuch der Wirkungsstätten von Ercker und Adam Ries (1492/93–1559) in Annaberg-Buchholz an.
Michael Schuster: Der Zwerg aus dem Berg. Eine Zeitreise in die Montanregion Erzgebirge/ Krušnohoří.
Fester Einband, runder Rücken, 23,0 × 23,0 cm, 96 Seiten, zahlreiche farbige Abbildungen und Fotos
VP 17,95 Euro; ISBN 978-3-96063-048-7
https://buchversand.mironde.com/p/der-zwerg-aus-dem-berg
Michael Schuster: Der Zwerg aus dem Berg. Bildergeschichte einer Zeitreise in die Montanregion Erzgebirge/ Krušnohoří. Für Kinder ab drei Jahre. Klammerheftung, 14,8 × 14,8 cm, 16 Seiten, Illustration von Birgit Eichler VP 3,95 Euro; ISBN 978-3-96063-058-6
Michael Schuster: Der Zwerg aus dem Berg. Eine Zeitreise in die Montanregion Erzgebirge/ Krušnohoří
Hörbuch. LZ 79:41 VP 12,50; ISBN 978-3-96063-057-9
https://buchversand.mironde.com/p/hoerbuch-der-zwerg-aus-dem-berg
Die LITTERATA – Technik und Poesie in Mitteleuropa – ist ein Feuilleton des Mironde Verlags (www.mironde.com) und des Freundeskreises Gert Hofmann.
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