Reportagen

Gotthilf Heinrich Schubert in Burgstädt

Der Förderverein des Neuen Kirchgemeindehauses Burgstädt organisiert seit einigen Jahren Kulturveranstaltungen im großen Saal des modernen Gebäudes. Für den 7. April hatte man Andreas Eichler, einen promovierten Philosophen, eingeladen. Der Vorsitzende des Fördervereins Neues Kirchgemeindehaus Burgstädt e.V., Pfarrer i. R. Jürgen Werner (Foto), begrüßte die Gäste und stimmte sie auf die Veranstaltung ein, in der es um eine Einführung in Leben und Werk von Gotthilf Heinrich Schubert gehen sollte.

Der Autor gab zunächst einen kurzen Überblick des Lebens von Gotthilf Heinrich Schubert, der am 26. April 1780 im Pfarrhaus der St.-Christopherus-Kirche von Hohenstein, nur wenige Kilometer von Burgstädt entfernt, geboren wurde, der das Weimarer Gymnasium unter Karl August Böttiger besuchte, sich mit Emil Herder anfreundete, von Johann Gottfried Herder eine Art von Einzelunterricht erhielt, mehrere Sprachen erlernte, in Leipzig zunächst in der Familientradition Theologie, Physik, Chemie, Mathematik, Biologie und Philosophie studierte, dann mit Erlaubnis des Vaters zur Medizin wechseln durfte. Auf Drängen seiner älteren Schwestern erlaubte der Vater schließlich gar einen Wechsel nach Jena zu Wilhelm Ritter und Friedrich Wilhelm Joseph Schelling. Nach der Promotion in Medizin mit einer Arbeit »Über die Anwendung des Galvanismus auf Taubgeborene« habe sich Schubert in Altenburg mit einer Praxis niedergelassen, aus Geldmangel veröffentlichte er anonym einen Roman im Verlag von Ferdinand Dienemann in Penig, zu dem er sich erst wenige Jahre vor seinem Lebensende bekannte. (Auch Penig ist nur wenige Kilometer von Burgstädt entfernt) 1805 sei Schubert nach Freiberg gezogen, um bei Abraham Werner Geognosie zu hören, 1806 wechselte er nach Dresden. Hier wurde Schubert mit Vorträgen über die Nachtseiten der Naturwissenschaften sehr populär, den »Ossian der Naturwissenschaften« nannte ihn Schelling, hatte aber dennoch nicht genug Einkünfte, um seine kleine Familie ernähren zu können. Auf Vermittlung Schellings erhielt Schubert im Herbst 1808 die Stelle eines Gymnasialdirektors in Nürnberg. So verließ er Sachsen, erhielt in der Folge in Erlangen eine Professur, dann in München. Schubert wurde Mitglied mehrere Akademien, erhielt den Titel eines Geheimrates, wurde in den Adelsstand erhoben, Prinzenerzieher und Berater des Königshauses.
Eichler versuchte an diesem Abend die Zeit um 1800 verstehbar zu machen. Er bemühte sich die Atmosphäre der romantischen Jugendrevolte, die sich um 1800 vor allem zwischen Weimar, Leipzig und Dresden abspielte, lebendig werden zu lassen
Zudem hob er hervor, dass Schubert eigentlich als Schiffsarzt in die Fußstapfen Alexander von Humboldts treten wollte, statt dessen aber heiratete und eine Familie gründete.
In der Folge verlagerte Schubert seinen Forscherdrang von der Entdeckung der äußeren Natur mehr auf die menschliche Seele.
1814 veröffentlichte Schubert in Bamberg ein Buch mit dem Titel »Die Symbolik des Traumes«. Dieses Buch wurde mehrfach neu aufgelegt. Gerhard Sauder gab 1968 die erste Auflage der Traumsymbolik als Faksimile-Druck neu heraus. Im Nachwort hob er den Einfluss des französischen Privatgelehrten Louis-Claude Saint-Martin auf Schubert hervor. Eichler räumte ein, dass Schubert wahrscheinlich von Johann Wilhelm Ritter mit Saint-Martin bekannt gemacht wurde. Der Einfluss Saint Martins auf Schubert sei vor allem in seinem Roman »Die Kirche und die Götter« (Verlag Ferdinand Dienemann, Penig 1804) ablesbar. Hier finde man Stichworte und einen Saint-Martinschen Elitarismus.
Gerhard Sauder versucht einen Zusammenhang zwischen dem Einfluss Saint-Martins auf Schubert und Schuberts Besonderheiten im Rahmen der romantischen Jugendbewegung herzustellen. Hier nennt er die Tatsache, dass Schubert dem Anschein nach der einzige Romantiker war, der nicht in den »Denkmustern des transzendentalen Idealismus« befangen war.
Eichler argumentierte dagegen, dass Schubert ja aus Kreisen der Romantik mit Saint Martin bekannt gemacht wurde. Über Saint-Martin entdeckten die Romantiker den deutschen Jakob Böhme erst wieder. Der Martinismus kann deshalb nicht die Ursache für Schuberts Besonderheit gewesen sein. Diese sei aus einer anderen Richtung zustande gekommen: Schubert war ein Lieblingsschüler Herders und wurde von diesem in besonderem Maße mit Voraussetzungen bekannt gemacht, die ihm eine Relativierung der Eigeneinschätzung von Kant und Ficht erlaubten, man habe eine »kopernikanische Wende«, eine »Revolution« in der Theorie zuwege gebracht.
Schubert, so Eichler, habe mit seinem Buch »Die Symbolik des Traums« an Herders Vorarbeiten angeknüpft. Die Form des Buches sei jedoch den Zeitumständen geschuldet. So habe Schubert nicht vermocht sich die Herdersche Vorstellung von Sprache anzueignen, d.h. kritisch weiterzuführen. Ein Ausschlagen in diese oder jene modische Richtung sei im menschlichen Denken aber der »Normalfall«.
Hier fügte Eichler ein, dass selbst heute noch ausgemachte Herder-Fachleute den Text der Herderschen Abendvorträge an seinen Sohn Emil und Schubert nicht kennen. In pointierter Form skizzierte Herder hier den Zusammenhang von Sinneswahrnehmung, Sprache und Traum. (Im Buch wird der Text in kommentierter Form wiedergegeben)
Zudem habe Schubert sein Leben lang an dem von Herder aus der Tradition aufgenommen Begriff der Seele festgehalten, während die Mode-Philosophen seiner Zeit den Mensch auf seinen Kopf reduzierten.
Im philosophischen Kern sei Schubert ein Herder-Schüler und sein Werk müsse auch zuerst unter diesem Aspekt untersucht werden.
Als Fazit formulierte Eichler, dass sich allein aus der Wanderungsbewegung Schuberts ersehen lasse, dass die romantische Jugendrevolte wesentlich in der Landschaft Mitteldeutschlands stattfand, nicht in einer einzelnen Stadt oder Universität. Bezeichnend sei für Schuberts Lebenszeit, dass er in Sachsen keine Anstellung erhielt. Heute fehle es gerade in Mitteldeutschland an einer Vorstellung von dem historischen Prozess der romantischen Jugendrevolte. Der Name Gotthilf Heinrich Schuberts fehle zum Teil selbst in Spezialpublikationen, die sich mit der Romantik beschäftigen.
Johannes Eichenthal

Abschließend lud Konrad Vogel (re., Vorstandsmitglied des Fördervereines), die Besucher zu einer weiteren Veranstaltun mit einem historischen Thema ein. Am 27.10.2011, um 19.30 Uhr wirde ein Dokumentationsband über die Rüstungsproduktion währen des Zweiten Weltkrieges in der Region vorgestellt.

 

Information

www.stadtkirche-burgstaedt.de

Andreas Eichler: G. H. Schubert – ein anderer Humboldt.
ISBN 978-3-937654-35-5

Gotthilf Heinrich Schubert: Die Symbolik des Traumes. Verlag Lambert Schneider Heidelberg. Faksimiledruck nach der Erstausgabe von 1814. Herausgegeben und mit einem Nachwort versehen von Gerhard Sauder. Heidelberg 1968.

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