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BAUTEC BERLIN 2018

Die Bautec-Messe begann am 20. Februar bei sonnig-kaltem Winterwetter im Messegelände am Funkturm mit dem Schwerpunkt BIM. Hersteller von Baumaschinen, Heizungstechnik und Energietechnik präsentierten ihre neuesten Produkte. Zahlreiche Tagungen und Vorträge boten die Möglichkeit zur Information über den neuesten Stand der Technik. Bauunternehmer, Architekten, Planer, Ingenieure, Wissenschaftler, Ministerialbeamte und Politiker trafen hier zusammen. Der Wettbewerb »Auf IT gebaut« brachte jugendlichen Forscherdrang ins Messegelände. Aber auch Lehrlingswettbewerbe, zum Beispiel der Ausscheid für die Nationalmannschaft der Stuckateure in Halle 26, bereicherten die Messe um einen jungen und aktiven Handwerks-Charakter.

Der Berliner Funkturm von der Parkseite her gesehen

Am 20. Februar begann im Palais am Funkturm eine Tagung des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) mit dem Titel »Digitalisierung im Bauwesen.« Im Untertitel hieß es »Evolution oder Revolution?« Dr. Tillman Prinz, der Geschäftsführer der Bundesarchitektenkammer, begrüsste die Gäste im Palais am Funkturm und moderierte die Veranstaltung.

Monika Thomas, Leiterin der Abteilung Bauwesen, Bauwirtschaft und Bundesbauten im BMUB umriss die Rahmenbedingungen der Branche. Mehr als 50 Prozent der jährlichen Investitionen in der Bundesrepublik werden im Bauwesen getätigt, davon 50 Prozent im Wohnungsbau. Die »Forschungsinitiative Zukunft Bau« wolle mit Digitalisierung auch die ganzheitlichen Betrachtung in der Gebäude- und Stadtentwicklung, die in der Spezialisierung der letzten Jahrzehnte in den Hintergrund geriet, wiedergewinnen. Insofern sei Digitalisierung im Bauwesen praxisorientiert und kein Selbstzweck.

Dr. Robert Kaltenbrunner (Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumplanung) stellte die Frage, was mit der Digitalisierung im Bauwesen auf uns zukomme. Zunächst verwies er mit Richard Buckminster Fuller auf die Vorstellung, dass man neue Modelle entwickeln soll, die die alten überflüssig machen. So habe man bisher Zukunftsaufgaben gesehen: alles solle einfacher, schneller und besser werden. Der Baubranche werde heute der Vorwurf der Rückständigkeit gemacht. Sie habe die Digitalisierung nicht genutzt, um Wachstum zu generieren, wie in anderen Branchen. Doch die Baubranche besitze gravierende Unterschiede zu anderen industriellen Prozessen. Deshalb habe man sich im Bundesbauministerium darauf konzentriert

– die steuernden Effekte für zukünftige Entwicklung hervorzuheben

– Fehlerquellen zu vermeiden

– Monopolstellungen einzelner Anbieter zu verhindern

– open BIM als Leitbild hervorzuheben.

In diesem Lichte könne man BIM als Gebäudedatenmodellierung ansehen. Mit BIM komme der Lebenszyklus eines Gebäudes in die Betrachtung. Der Unterschied von Planung und Ausführung werde zum Teil aufgelöst. Automatisierung und Robotik werde im Bauwesen entwickelt, weil es zum Teil an Fachkräften mangele. Man könne Großserieneffektivität mit Diversivität bis zum Einzelstück verbinden. Für die praktische Umsetzung von BIM bedürfe es aber auch eines Leitbildes. In allen vergleichbaren Branchen werde über Zukunft und Visionen öffentlich diskutiert. So etwas fehle im Bauwesen. Vor 110 Jahren sei der Werkbund gegründet worden. Unternehmer, Künstler, Techniker und Politiker hätten sich für Projekte zusammengeschlossen. Heute scheine der Werkbund historisch weit entfernt. Doch die Überwindung von Interessengegensätzen sei damals beispielhaft gelungen. Mit der Entwicklung von der Stuttgarter Weißenhofsiedlung bis zu den Münchner Zeltdächern sei der Ruf der deutschen Baukunst verbunden.

Das Palais am Funkturm von der Parkseite her gesehen

Dr. Alexander Rieck vom Fraunhofer Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) schloss mit einem Vortrag zum Thema »Wie sich das Bauwesen im digitalen Zeitalter ändern wird« an. Zunächst stellte er die Frage warum Digitalisierung eine zentrale Rolle spielt. Für seine Antwort holte er weit aus: »Innovationszyklen« von Produkten umfassten bei Apps drei Monate und bei Autos zwölf Jahre. Er verglich diese Zeiträume mit langen Zyklen der Baubranche, um daraus zu schlussfolgern, dass die Baubranche in Sachen Innovationen ihre Daseinsberechtigung nicht erfüllt habe. Die größte Innovation im Bauwesen der letzten Jahre sei das iPhone (das von den Beschäftigten genutzt werde). Von hier spannte er den Bogen zur Zahl der heute möglichen IP-Adressen: 680 Sextillionen, und verwies darauf, dass heute jedes Staubkorn eine eigene IP-Adresse bekommen könne. Da gehe die Entwicklung hin. Ein Brettspiel-Roboter, der alle 30 Tage seine Basis-Programmierung erneuert, wurde von Dr. Rieck als Beispiel für den Trend zum parametrischen Programmieren, d.h. zur Künstlichen Intelligenz bezeichnet. Das parametrische Bauen werde ab 2020 zunehmend gegenüber dem traditionellen Bauen und dem industriellen Bauen dominieren. Planungen seien bisher »linear« durchgeführt worden. Korrekturen seien nach einer einmal getroffenen Entscheidung für eine Variante nicht mehr möglich. Es gehe aber darum parallele Planungen durchzuführen und eventuell alternative Lösungen zu übernehmen. Dadurch werde die ganze Planung komplex. Deshalb, wegen der Komplexität, brauche man Digitalisierung. Bei der parametrischen Planung gehe es um die Verbindung einer Logik mit der Programmierbarkeit. Künstliche Intelligenz sei, wenn es gelänge komplexe Probleme programmierbar zu machen.

Als nächster Redner trat Prof. Dr.-Ing. Thomas Bock von der TU München auf. Er befasste sich mit Baurobotik. An den Anfang stellte er die Forderung, dass man kein BIM brauche, das nur ein Produktinformationssystem sei, vielmehr brauche man ein Prozess Informations Modeling (PIM). Dieses PIM müsse die Grundlage sein. BIM könne man dann von ihm ableiten. Digitalisierung gehe über BIM hinaus, man müsse auch Maschinen mit den Informationen steuern können. Diese These versuchte Prof. Bock mit seinen Erfahrungen zu belegen, die er vor 30 Jahren bei der Analyse der Auto- und Fertighausfertigung des Toyota-Konzerns machte. Er fügte einige Beispiele für den Einsatz von Robotern bei Bauprojekten ein. Auf Nachfrage antwortete er, dass die Kosten beim Einsatz von Robotern stiegen, die Bauzeit sich jedoch radikal verkürze. Die Immobilie sei früher nutzbar. Das sei der Gewinn.

Im Anschluss trat Prof. Achim Menges von der Universität Stuttgart auf. Er wollte über Pilotprojekte bei der Digitalisierung von Planungs- und Bauprozessen sprechen. Zunächst stellte er fest, dass in den vergangenen 40 Jahren zu wenig Grundlagenforschung betrieben wurde: »Wir wissen nicht wohin wir wollen.« BIM sei eigentlich nur die Computerisierung bereits bekannter Prozesse. Es gehe aber darum, den Energieverbrauch des Bauprozesses selbst zu untersuchen. Zu diesem Zweck habe man zwei Sonderforschungsbereiche zu biologischen Strukturen und zu adaptiven Baustoffen verbunden. Damit sei es gelungen biometrische Entwurfsregeln aufzustellen. Für die Baubranche sei Holz der einzig wirklich nachhaltige Baustoff. Man müsse aber bedenken, dass in 20–30 Jahren Laubbäume, Buchenwälder dominieren werden. Laubholz ist weniger formstabil als Nadelholz. Man habe ein Pilotprojekt mit Buchensperrholz realisiert. Einen Ausstellungspavillion mit Schalendach von 28 Metern Spannweite habe man ohne Träger mit einer von der Natur adaptierten Plattenkonstruktion von 50 mm Dicke gebaut. (Die Dicke entspreche proportional 50 Prozent einer Hühnereischale.) Die Berechnung der unterschiedlichen Platten sei nur mit dem Computer möglich gewesen. Es wurden zwölf Kubikmeter Holz verbraucht. Den Verschnitt habe man für den Fußboden genutzt. Abfall habe es nicht gegeben. Die Vorfertigung habe drei Wochen gedauert und die Montage acht Tage. Das gesamte Material und die Bearbeitung stamme aus 200 km Umkreis. Ein weiteres Pilotprojekt war eine Dachkonstruktion, die man in Anlehnung an Panzer von flugfähigen Käfern, die in einem Spezialverfahren gescannt wurden, aus einer Faserkonstruktion plante. Das Flächengewicht pro Quadratmeter sei neun Kilogramm. (Bis 50 kg gelte etwas als Leichtbau.) Der Bauprozess sei permanent, er sprach von einem »agilen« Gebäude, ohne feste Fertigstellung. Vielmehr werde das Dach entsprechend seiner Nutzung weitergebaut. Es gäbe hier kein vorausberechnetes Modell mehr. Möglich sei diese Form durch ganzheitliche Betrachtung der Prozesse. Beim Bauwerk sei es um die Gesamteffektivität, nicht um die Einzeleffektivität einzelner Teile oder Teile der Hersteller gegangen. Es sei eine disruptive Technologie.

Das Palais am Funkturm

Die Architektin Anja Nickau trat mit einem enthusiastischem Plädoyer für das neue Werkzeug BIM auf. In der Tagungsüberschrift störe sie das »oder« zwischen Revolution und Evolution. Ihrer Meinung nach ermögliche BIM den Generalistenanspruch der Architekten unter den heutigen Bedingungen zu erfüllen.

Matthias Reif, der Leiter des Referates Software und Dokumentation des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung, hob hervor, dass man sich nicht mehr am Punkt Null der Digitalisierung befinde. Seit mehr als zehn Jahren wende man BIM als kooperative Arbeitsmethode auf Basis digitaler Modelle von Bauwerk-Lebenszyklen an. Man habe öffentliche Großprojekte mit dem Verfahren realisiert, z.B. das Humboldt-Forum im Jahre 2008. Qualitätssicherung und Kollisionsprüfung hob der Referent als wichtigste Aspekte hervor. Die Einrichtung der offenen Datenaustausch-Schnittsrelle IFC sei auch ein Schutz des Mittelstandes. Leitbild sei das BIG open BIM.

Wilhelmina Katzschmann, Inhaberin der TGA-Ingenieurbüro IGB Katzschmann und Vizepräsidentin der Ingenieurkammer Rheinland-Pfalz, Andreas von Thun, Berliner Luft Technik GmbH, und Prof. Dr.-Ing. Wolfgang Huhnt TU Berlin, referierten zur Zusammenarbeit von Handwerkern, Produktanbietern, TGA und Planern.

Abschließend fasste eine Diskussionsrunde die Tagungsergebnisse zusammen. Dr. Tillman Prinz (re.) moderierte die Diskussion. (Barbara Ettinger-Brinckmann, Präsidentin der BAK, 3. v. re., Hans-Ullrich Kammeyer, Präsident der BIngK, (2. v. re.), Jan-Hendrik Goldbeck (3. v. li.), GF Goldbeck GmbH, Felix Pakleppa (2. v. li.), Hauptgeschäftsführer ZDB und Lothar Fehn-Krestas (li.), Unterabteilungsleiter im BMUB.

Am 21. Februar fand im Marshall-Haus eine Tagung der RG-Bau im RKW Kompetenzzentrum statt. Unterstützt wurde diese Tagung vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, dem Hauptverband der deutschen Bauindustrie e.V., dem Zentralverband des Deutschen Baugewerbes e.V., der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt und der Messe Berlin. Günter Blochmann, Leiter der RG-Bau, eröffnete die Tagung und begrüßte zunächst Ingo Reifgerste, Geschäftsführer Schleiff Bauflächentechnik.

Das Marshall-Haus

Herr Reifgerste »übernahm« den Vortragspart von Rolf Scharmann, der kurzfristig ausfiel. Er berichtete über seine Praxiserfahrungen. Ausgangspunkt für jede Veränderung in Prozessabläufen müsse eine Art Inventur und Optimierung bestehender Abläufe sein. Aus einem schlechten analogen Prozess könne kein guter digitaler Prozess werden. Zudem gebe es in kleinen Unternehmen keine IT-Abteilungen, vielmehr sei der Unternehmer selber diese Abteilung.

Prof. Dipl.-Ing. Rasso Steinmann (Vorstandsvorsitzender buildingSMART e.V., iabi-Institut für angewandte Bauinformatik Hochschule München) referierte zum Thema »Regeln und Standards für BIM. Informationsaustausch strukturieren und besser zusammenarbeiten«. Bei der Beurteilung von BIM sei eine Art Pendel zwischen den beiden Extremen Prozess und Technologie zu verzeichnen. Was aber die Entwicklung von BIM-Standards angehe, so seien an erster Stelle die ISO-Standards von building smart zu nennen, z.B. in der Durchsetzung der IFC-Schnittstelle. Neu sei das BFC-Format (BIM-Collaboration Format) das verschiedene Anwendungen verbinden könne.

Der Tragwerksplaner Dipl.-Ing. Walter Muck (Geschäftsführer Muckingenieure) berichtete unter der Überschrift »Stillstand ist Rückschritt. Digitale Innovationen im Planungsbüro umsetzen« über seine Erfahrungen. Man habe 1997 mit der CAD-Bearbeitung von Tragwerksplanung begonnen, jedoch wegen mangelnder Rechnerleistung und anderen Problem wieder aufgehört. Seit 2007 habe man den Zugang zu CAD-Bearbeitung von Tragwerksplanung. Der Informationsaustausch mit den beteiligten Partnern laufe über BFC. Dafür sei beim Partner nur ein Browser notwendig, kein CAD-Programm. Aus den Möglichkeiten der digitalen Planung, des konkreten Modells, habe man das zusätzliche Geschäftsfeld der Ausschreibung entwickelt. Aus seiner Erfahrung sei zu sagen, dass das, was im Modell nicht passt, auch auf der Baustelle nicht passt. Die Kollisionsprüfung im Rahmen des CAD-Programms sei eine wichtige Voraussetzung zur Qualitätssicherung.

Dr. Matthias Jacob, Vorsitzender der Geschäftsführung der Implenia Hochbau GmbH, referierte zur Thematik »BIM auf die Baustelle bringen«. Er verwies darauf, dass die Digitalisierung zu den »Megatrends« gehöre. Er betonte, dass die Unternehmer vor der Aufgabe stünden, ihre gesamte Belegschaft im Prozess der Digitalisierung mitzunehmen. Aber BIM führe auch die Branche wieder zusammen. Es werde Veränderungen geben müssen. Beim Autokauf sei die Konfiguration des Angebots heute selbstverständlich. Warum solle das bei Hauskauf nicht möglich sein?

Und schon rückte im Marshall-Haus die Preisverleihung des Wettbewerbes »Auf IT gebaut« auf die Tagesordnung. Moderiert wurde diese von Michael Fritz, Geschäftsführer des Bundesverbands Baustoffsoftware e. V.

Dr. Wolfgang Scheremet, Leiter der Abteilung Industriepolitik im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) leitete mit seinem Statement die Veranstaltung ein und übergab die Preise. Der Wettbewerb in vier Kategorien wurde 2002 installiert und heute bereits zum 17. Male ausgetragen. Dies sind die Preisträger im Wettbewerb »Auf IT gebaut« 2018:

Im Bereich Architektur:

1. Platz: Philipp Schwan, Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen (Entwerferische Absicht und automatische Entwurfsprozesse in der Flughafenplanung)

1. Platz und Sonderpreis Ed. Züblin AG: Josephus Meulenkamp, Technische Universität München (Verifizierung von modellbasierten Projektinformationen für Facility Management) 3. Platz: Christoph Langenhan, Technische Universität München (Datenmangement in der Architektur)

Im Bereich Baubetriebswirtschaft

1. Platz: Henrik Wasemann, Technische Universität Hamburg-Harburg (Optimierung von Produktionsprozessen nach LEAN-Prinzipien unter Berücksichtigung von Störungen)

2. Platz: Projektteam Dr. Anica Meins-Becker, Andreas Bresser, Agnes Kelm, Christoph Bodtländer, Universität Wuppertal (BIM-basierte Anwendungen zum Arbeitsschutz für Tablets und HoloLens)

3. Platz: Christopher Keilwerth, Technische Universität Darmstadt (Einsatz des Standes der Technik zur Echtzeit-Digitalisierung der Umwelt in der Baubetriebsdomäne)

Im Bereich Bauingenieurwesen

1. Platz: Constanze Matthus, Bauhaus-Universität Weimar (BIM-basierte Modellierung von Structurel-Health-Monitoring-bezogenen Prozessen und Algorithmen)

2. Platz: Konrad Freymann und Juan Pablo Osman-Letelier, Technische Universität Berlin (Interface zur Optimierung vorgespannter Flächentragwerke aus Carbonbeton) 3. Platz: Andreas Ellinger, Technische Universität Dresden (Erweiterung von Brückenmodellen um semantische Informationen auf Basis von IFC-Dateien)

3. Platz: Lena Beck, Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden (Vergleichende Untersuchung zum Datentransfer über IFC zwischen BIM-Softwaresystem zur 3D-Gebäudemodellierung und Statikprogrammen)

Im Gewerblich-technischen Bereich

1. Platz: wurde nicht vergeben

2. Platz: Simon Schlögl, Dachdecker und Gründer von materialrest24.de (Verknüpfte Lagerhaltung durch Digitalisierung ungenutzter Bauartikel)

3. Platz: Projektteam Max Salzberger, Handwerkskammer zu Köln (Transdigital RandomizBox)

Die Inhalte und Themen der Arbeiten werden in einer Preisträgerbroschüre 2018 zusammengefasst, die im April erscheinen wird, aber schon heute bei der RG-Bau bestellt werden kann. Alle wichtigen Informationen zum Wettbewerb finden Sie auf: www.aufitgebaut.de. Weitere Informationen: www.rkw-kompetenzzentrum.de, www.rkw.link/rgbau

Der Mironde Verlag nahm auch an der Bautec teil. Präsentiert wurden ausschließlich Bücher aus der Technik-Edition: die Bücher zur Geschichte der öffentlichen Abwasserbeseitigung und zur Neuanwendung des Stirling-Motors von Prof. Dr.-Ing. Karin Heinrich und Dr.-Ing. Steffen Heinrich und die Archicad Handbücher der Wiener A-Null-Bausoftware GmbH. Im Mittelpunkt des Interesses des jungen Publikums stand jedoch der BIM-Leitfaden von Christoph Eichler.

Wir fragten den Diplomingenieur und Architekten danach, was sich hinter dem Kürzel BIM verbirgt?

Christoph Eichler: »Building Information Modeling ist eine etwas unglück­liche Umschreibung für das virtuelle Planen, Bauen und Betreiben in digitalen Modellen.«

Wie kann man sich den Umgang mit digitalen Modellen vorstellen?

Christoph Eichler: »Einerseits sind digitale Modelle immer nur Abstraktionen der Wirklichkeit, andererseits bedürften diese Modelle der didaktischen Aufbereitung, um den Anwendern die Arbeit mit verschiedenen Abstraktionsstufen überhaupt zu ermöglichen.«

Wie kann man das, was mit BIM passiert mit wenigen Sätzen zusammenfassen?

Christoph Eichler: »BIM beschreibt die Arbeit mit elementbasierten digitalen Modellen. Darüber hinaus gibt es jedoch viel mehr. Wir nutzen zunehmend den Überbegriff ‹Digitalisierung der Bauwirtschaft› um zu beschreiben was im Gange ist. Es geht eben nicht nur um Software, auf die BIM oft reduziert wird, sondern darum wie die Baubranche künftig auf Grundlage einer einheitlichen, durchgängigen Datenstruktur, alle ihre Bereiche – also Planen, Bauen und Betreiben – und Funktionen miteinander verbindet und damit verschiedenste Technologien nutzenstiftend integriert. Grundlage dieser einheitlichen Datenstruktur ist die IFC-Spezifikation (Industry Foundation Classes), eine herstellerunabhängige, weltweit in den letzten 20 Jahren entwickelte Schnittstelle, die seit 2013 also ISO standardisiert und daher mittlerweile auch in allen BIM-Applikationen implementiert wurde. Sie ist die neue Sprache der Bauwirtschaft im 21. Jahrhundert.«

Ist die Digitalisierung Revolution oder Evolution?

Christoph Eichler: »Es geht nicht um die Alternative langfristiger Prozess oder kurzfristiger Revolutions-Akt. Der Begriff der ‹Revolution› kommt eigentlich aus der Kosmologie und hat die Bedeutung der Planetenumlaufbahn. Der Planet kommt in seiner Bewegung immer wieder an den gleichen Punkt zurück. Der Soziologe Karl Mannheim entdeckte die Verbindung von Generationszyklen und sogenannten »langen Wellen«, d.h. 60 Jahreszyklen, die sich aus der aktiven Führungszeit von drei Generationen, zu je etwa 20 Jahren, zusammensetzt. Ein Kreis der Entwicklung, der nach drei Generationen wieder an den Ausgangspunkt zurückkommt und von vorn beginnt. Das Sprichwort sagt: die erste Generation baut auf, die zweite verwaltet und die dritte stellt alles wieder auf den Kopf. Anders formuliert: in diesem Generationenzyklus hat die Natur den Zusammenhang von Bewahren und Erneuern in der menschlichen Kultur in eine Form gebracht. Das ist ‹Revolution›. Wenn man das neue Modell einfach an die Stelle des Alten setzt, dann erleidet man große Verluste. Das Neue muss mit dem guten Alten verbunden werden. Das CAD-Verfahren wurde in den 1960er Jahren in Stuttgart entwickelt, in den 1970er Jahren in den USA kommerziell verwertet und in den 1980er Jahren in Europa entscheidend weiterentwickelt. Modellbasierte Planung ist zum Beispiel bei BIM-Applikationen wie ARCHICAD als Resultat der bisherigen Entwicklung problemlos möglich. Alle diese Stufen hängen zusammen und bauen aufeinander auf. Bewahren und Erneuern müssen im Zusammenhang praktiziert werden, wenn man das Rad nicht ständig neu erfinden müssen will.«

Es gibt hohe Erwartungen an »Digitalisierung« und »Künstliche Intelligenz«. Wird die Technologie den Menschen überflüssig machen, wird die KI der bessere Mensch?

Christoph Eichler: »Nein, wir werden mit dieser Sprache, d.h. mit BIM lernen können und das Verfahren weiter prä­zisieren. Der Computer selbst kann nur ‹rechnen›, im menschlichen Sinne lernen, können nur wir Menschen. Diese simplen Vorstellungen von Digitalisierung führten in den letzten Jahren auch dazu, dass viele Leute glaubten, sie könnten von jetzt an ohne praktische und theoretische Erfahrung auskommen. Das Gegenteil ist der Fall. Ohne Erfahrungen scheitern wir in der Digitalisierung. Oder anders: die Digitalisierung ist nur ein Werkzeug, um unsere Erfahrungen zu verarbeiten.«

Das klingt so, als ob alles beim Alten bleibt und BIM kommt einfach dazu?

Christoph Eichler: »Nein, es bleibt nicht, wie es ist. Wir müssen aktiv Lernen. Unsere Lernfähigkeit wird in einem Maße gefordert werden, wie wir es noch nicht kennen. Der Übergang vom dokumentgestützten Bauen zum virtuelle Planen, Bauen und Betreiben in digitalen Modellen ist mit einem tiefgreifenden Strukturwandel in der Bauwirtschaft verbunden. Alle am Bauprozess Beteiligte müssen lernen auf Grundlage einer einheitlichen durchgehenden Datenstruktur zu arbeiten und zu kommunizieren. Es werden viele bisherige Arbeitsschritte entfallen, die bislang zur Überwindung von Medienbrüchen benötigt wurden. Dies wird Auswirkungen auf die Leistungsbilder der verschiedenen Beteiligten haben, auf deren Ausbildung und auf deren künftige strategische Ausrichtung.«

Wo sehen Sie die größten Probleme der Branche in Bezug auf BIM?

Christoph Eichler: »Die mangelnde berufsbegleitende BIM-Ausbildung für Personen in Schlüsselpositionen sowie die fehlenden Kapazitäten an höheren technischen Lehranstalten (Berufsakademien) und Fachhochschulen sind unsere größten Schwachstellen. Diese müssen künftig die Ausbildung zur Modellerstellung und Modellkoordination bereitstellen. Also eine Ausbildung, die neben dem Wissen über die Anforderungen von BIM, auch das Wissen über Planungsabläufe, Bauausführung und die späteren betrieblichen Anforderungen umfasst. Solche Ausbildungen sind derzeit schon vereinzelt im Entstehen, von einer flächendeckenden Lösung kann jedoch derzeit nicht einmal ansatzweise ausgegangen werden. Sie stellt jedoch die Grundbedingung für eine flächendeckende Digitalisierung des Bauwesens dar. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Schaffung von einheitlichen Konventionen. Nur auf dieser Grundlage kann Digitalisierung funktionieren. Dies geht über das, was in üblichen Standards vorgegeben werden kann, weit hinaus. Mein Buch ‹BIM-Leitfaden. Struktur und Funktion› stellt Grundlagen einer einheitlichen Konvention zur Erstellung von digitalen Modellen vor, die helfen sollen Modellstrukturen künftig einheitlicher aufzubauen – nur so können digitale Modelle nutzenstiftende Wirkung erzielen.«

Sehr geehrter Herr Eichler, vielen Dank für das Gespräch.

Information: Christoph Eichler: BIM-Leitfaden. Struktur und Funktion. 2. Auflage 23,4 × 30,5 cm, Broschur, 176 Seiten, Klebebindung, zahlreiche farbige Abbildungen VP: 29,00 € ISBN 978-3-937654-99-7 www.mironde.com

Kommentar

Am 23. Februar ging die Bautec zu Ende. Zunächst möchte ich allen Ausstellern, Aktiven und Mitarbeitern für ihr Engagement danken. Im Ergebnis entstand wirklich ein Ereignis, dass den Anforderungen unserer Zeit gerecht wird. Der Wunsch, den Gesamtzusammenhang in Planungs- und Bauprozessen endlich wieder herstellen zu können, wurde erstaunlich oft formuliert. Nach Jahrzehnten der Ausdifferenzierung, Spezialisierung und Förderung von »Alleinstellungsmerkmalen« ist es dem Anschein nach vielen Menschen bewusst geworden, dass sich etwas ändern muss.

Was muss sich ändern? »Komplex« ist heute eines der meistgebrauchten Worte. Es ist eine Art von Qualitätsmerkmal unserer Zeit geworden. Bei genauem Hinsehen stellen wir jedoch fest, dass das Wort »komplex« verwendet wird um Überkompliziertheit, Undurchschaubarkeit und Unlösbarkeit mit positiver Konnotation zu versehen. Doch aus analogen überkomplizierten Abläufen können, in Anlehnung an die Bemerkung von Ingo Reifgerste, keine einfachen digitalen Abläufe werden. Die Dekonstruktion der überkomplizierten Industriegesellschaft (wuchernde Gesetze, Bestimmungen, Verordnungen, Wissenschaftsdisziplinen, Softwareumfänge usw.) ist eine übergreifende Aufgabe. Allein die Präsidentin der Bundesarchitektenkammer, Barbara Ettinger-Brinckmann, ging in der Schlussdiskussion im Palais am Funkturm über den rein technologischen Aspekt hinaus und erinnerte an den sozialen Kontext von Planen und Bauen.

Durch den sinnvollen Einsatz von Digitalisierung können wir die Dekonstruktion des Überkomplizierten befördern und Freiraum in unserer Seele schaffen. Mit unserer poetische Sprache, dem Wesen unserer Seele, gilt es zugleich diesen Freiraum zu strukturieren, um der physischen Macht von Automatisierung und Digitalisierung etwas entgegenzusetzen, um nicht von der Technologie beherrscht zu werden, und um unseren Anspruch auf den Gesamtzusammenhang, auf Humanität einlösen zu können. Wer ist darauf besser vorbereitet als die Architekten?

Clara Schwarzenwald

 

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