Reportagen

FRANZ T. COHN: VON CHEMNITZ NACH STOCKHOLM

Die Kirchgemeinde Lugau-Niederwürschnitz hatte am Sonntag, dem 10. November 2019, zur Vorstellung eines Buches von Franz T. Cohn durch Prof. Eberhard Görner in die Lugauer Kreuzkirche eingeladen.

Eberhard Görner würdigte zunächst die verstorbene Verlegerin des S. Fischer Verlages Monika Schöller, die ihm nach der Aufführung eines Filminterviews mit Gottfried Bermann Fischer, dem Schwiegersohn und Nachfolger des legendären Verlagsgründers Samuel Fischer, das Hörbuch des in Chemnitz geborenen Franz T. Cohn zuschickte. Die Geschichte Cohns habe ihn sofort fasziniert und er nahm Kontakt mit ihm auf. Schließlich vermittelte er die Buchveröffentlichung der Lebenserinnerungen Franz T. Cohns, der 1939, im Alter von 12 Jahren, mit einem Kindertransport von Chemnitz nach Stockholm geschickt wurde. Das Buch wurde am 18. März 2018, am 91. Geburtstag des Autors, auf der Buchmesse in Leipzig erstmals vorgestellt.

Eberhard Görner las aus den Erinnerungen Franz T. Cohns, dessen Eltern, nachdem sie ihre Kinder in Sicherheit gebracht hatten, 1940 nach Norwegen ausreisten, jedoch später an Deutschland ausgeliefert wurden und in Auschwitz ermordet wurden.
Für Franz T. Cohn war die Rettung 1939 in Stockholm die Begegnung mit seinem Onkel Gottfried Bermann-Fischer gewesen. Dieser war gerade aus Wien vertrieben worden, wohin er 1936 aus Deutschland geflüchtet war. Im Stockholmer Exil, gab er in Zusammenarbeit mit dem schwedischen Verlagshaus Bonnier als Bermann-Fischer Förlag AB weiter die Werke der international bekannten Autoren heraus. Besonders Thomas Manns Auseinandersetzung mit dem falschen Deutschtum des Hitlerfaschismus hatte strategische Bedeutung in der weltweiten Auseinandersetzung zwischen 1936 und 1945. Eine Werkausgabe Thomas Manns trägt den Namen »Stockholmer Ausgabe«.
Gottfried Bermann-Fischer nahm seinen Neffen so ernst, wie einen Erwachsenen. Franz T. Cohns Erinnerungen geben deshalb auch kaum bekannte Details der Verlags-Vorhaben Bermann-Fischers wider. Auch nach seiner Weiterreise in die USA sorgte Bermann-Fischer weiter für seinen Neffen in Stockholm.

Im Anschluss zeigte Prof. Görner den Film eines der seltenen Interviews mit dem großen Verleger und beeindruckenden Menschen Gottfried Bermann-Fischer. Dem studierten Mediziner und Chirurgen, der nur auf Bitten seines Schwiegervaters die Verlagsleitung übernommen hatte, gelang unter den Bedingungen des Ausnahmezustandes und des Exils mit schier übermenschlicher Anstrengung die Aufrechterhaltung der Arbeitsfähigkeit des S. Fischer Verlags. Die kongeniale Interviewführung Eberhard Görners vermag uns die Lebensleistung Bermann-Fischers zu vergegenwärtigen.

Wolfgang Frech dankte am Ende dem Vortragenden und lud die Gäste zur vorbereitete Ausstellung im Kirchenraum ein.

Es war eine Dokumentation über die Ereignisse vom 9./10. November 1938 in Lugau zu sehen.

Nach der Lesung beantwortete Prof. Görner weitere Fragen und signierte als Herausgeber, stellvertretend für den 92jährigen Autor Franz Cohn in Stockholm, dessen Buch.


Der Kirchgemeinde und dem Herausgeber und Filmemacher Prof. Eberhard Görner gebührt Dank für ihr kulturelles Engagement.
Johannes Eichenthal

Information
Franz T. Cohn: Wir leben weiter. Die Geschichte einer Familie.
14,0 × 20,5 cm, 120 Seiten, zahlreiche s/w-Abbildungen und Fotografien.
Mironde Verlag 2018; ISBN 978-3-96063-005-0
In allen Buchhandlungen erhältlich oder direkt beim Verlag:
www.mironde.com

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