Rezension

NEUES AUS ZEITSCHRIFTEN

Sehr geehrte Damen und Herren, wir möchten Sie auf Neues aus Zeitschriften, wichtige Artikel aus einem breiten Themenspektrum hinweisen, um Sie gegen das Spezialisten-Virus zu immunisieren.

Das Heft 2/2021 der »Marginalien. Zeitschrift für Buchkunst und Bibliophilie« der Pirckheimer Gesellschaft e.V.erschien im 65. Jahrgang. Traditionell dominieren Artikel über Handpressen, Büchersammler, Exlibris-Sammlungen, wie etwa Peter D. Verheyens über „Ernst Collin und sein Pressbengel“, danach aber originelleKünstler-Porträtzeichnungen Harald Kretzschmars und ganz am Ende, vor den Rezensionen, erzählt uns Werner Abel eine Geschichte. Und die geht so: er findet im Sommer 1986 in einer Karl-Marx-Städter Altpapier-Annahmestelle ein „Braunbuch II, mit dem Besitzvermerk eines Hermann Pescher, Moskau, 28.4.1935. Dieses„Braunbuch über Reichstagsbrand und Hitlerterror“ gehörte Anton Haas, denn „Hermann Pescher“ war nur sein Deckname in der Illegalität. Dieser Anton Haas, 1903 in Augsburg geboren, ging 1936 unter dem neuen Namen „Hermann Teichmann“ von Moskau aus über Stockholm-Amsterdam-Paris nach Spanien, um die Republik zu verteidigen. Zuvor hatte er das Braunbuch II an Emma Dornberger, der Sekretärin der deutschen Sektion des sowjetischen Schriftstellerverbandes in Moskau zur Aufbewahrung übergeben. HermanTeichmann kämpfte in der XIII. Internationalen Brigade und wurde nach der Niederlage der Republik von französischen Behörden interniert, doch gelang ihm die Flucht aus dem Lager. Nach der deutschen Besetzung Frankreichs schloss er sich der Résistance an, wurde 1941 von der Gestapo verhaftet und in Ingolstadt, München und Dachau interniert. Von den US-Truppen bei der Einnahme Dachaus aus dem KZ befreit wurde er wieder KPD-Funktionär und Stadtverordneter in Augsburg. Nach dem KPD-Verbot übersiedelte er 1956 auf Weisung seiner Partei in die DDR und lebte in Karl-Marx-Stadt unter dem Namen „Hermann Pescher“. Am 10.5.1966 erhielt er mit der Post das Braunbuch II, das er 1936 Emma Dornberger in Moskau zur Aufbewahrung übergeben hatte, zugeschickt. Die Freundin musste in der UdSSR zahlreiche Drangsale erdulden. Das NKWD beschlagnahmte bei Hausdurchsuchungen alle ihre deutschen Bücher – eines fanden sie nicht: Das Braunbuch II. Emma Dornberger kehrte 1946 in die DDR zurück. Sie konnte Hermann Pescher das Buch nur wieder übergeben, weil er in der DDR unter seinem Moskauer Decknamen lebte. Die Erben Hermann Peschers schätzten das Buch wenig. Das Schicksal wollte es aber, dass dieses, wie viele andere Bücher auch, Werner Abel vor Augen kam. Und Werner Abel verfügt über die Fähigkeit, einem Buch seine Geschichte vom Umschlag abzulesen …

Marginalien. Zeitschrift für Buchkunst und Bibliophilie, herausgegeben im Auftrag der Pirckheimer-Gesellschaft e.V. ISSN 0025-2948

info@pirckheimer-gesellschaft.org www.pirckheimer-gesellschaft.org

Das Sommerheft 2021 der Zeitschrift Vier Viertel Kult hat den Schwerpunkt „Elm“. Hinter diesem Namen verbirgt sich ein Höhenzug mit Burgen, Städten, Kirchen und Klöstern. Stiftungspräsident Ulrich Markuth verweist im Editoral auf die naheliegende Bedeutung der heimischen Kulturlandschaft in Coronazeiten. Verschiedene Autoren reißen in sehr gut illustrierten Artikeln interessante Aspekte der Geschichte an. Lothar von Süpplingenburg, 1125 deutscher König und 1133 römisch deutscher Kaiser, hatte hier seinen Stammsitz und wurde nach seinem Tod in der Stiftskirche von Königslutter beigesetzt. Kalksteinbrüche als Voraussetzung der historischen Bauwerke, urgeschichtliche Großsteingräber u.v.a bereichern das Bild der Region. In der Tat lohnt sich der Besuch, um unsere Geschichte zu verstehen. Geschichte vollzieht sich immer an konkreten Orten, nie als abstrakter Durchschnitt. Wir müssen auch die Orte kennen, um den Prozess zu verstehen. Ein breites Themenspektrum schließt sich an. U.a. erklärt der Förster Burkhard Röker, der bei der Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz für den Lappwald zuständig ist, allgemeinverständlich, warum unser Wald in Gefahr geraten ist.

Vier Viertel Kult. Vierteljahresschrift der Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz. 

ISSN 2192-600x  www.sbk.de abonnement.kult@sbk.niedersachsen.de

Heft 3/2021 der Zeitschrift 79Oktan – das Magazin für Ost-Oldtimer, macht mit der Titelgeschichte  der MZ/ES 125/150 auf. Ronny Renner erzählt auf 12 Seiten, reich illustriert mit Fotos von Barbara Geising, die Geschichte dieses zuverlässigen, robusten und sehr gut fahrbaren Motorrads, mit dem viele Ostdeutsche eigene Erinnerungen verbinden. Aus der Feder Sebastian Mais stammt ein Beitrag über den Lieferwagen F 8. Hier war nicht nur der Rahmen der Karosserie noch aus Holz, sondern auch die Außenverkleidung des Aufbaus. (Weil es in der DDR nach 1945 an Blech mangelte.) Der Autor zeigt die Vielzahl der Aufbauvarianten. Ein Kombi wurde allerdings erst ab 1953/54 gebaut, kurz bevor die Nachfolgemodelle P50/P70 den F 8 ablösten. (Die Fotos zu diesem Artikel stammen von Tomi Haipus und Detlev Müller.) Berichte über einen Wohnzeltanhänger aus dem Fahrzeugwerk Olbernhau (Klappfix), über die sowjetische PKW-Produktion von 1990 bis heute, einen jungen Fahrradsammler, über die Simson Geländerfahrer, die 1964 die Six Days gewannen u.v.a. machen die Zeitschrift zu einer Fundgrube für Interessierte.

79Oktan. Das Magazin für Ost-Oldtimer. ISSN 2511-5952

redaktion@79oktan.de www.79oktan.de

Das Heft 2/2021 der Zeitschrift „Aus dem Antiquariat“ macht mit einem Artikel über den Autor und Verleger Alfred Klement von Tredelwehr auf. Gehrhard Leyerzapf fragt nach dem Verfasser der 1933 in Amsterdam erschienen Hitler-Persiflage „Der Don Quichot von München“. Erinnerungen, Rezensionen von Katalogen und Bücher, wie zahlreiche Ausstellungs- und Veranstaltungsinformationen runden die Ausgabe ab.

Aus dem Antiquariat. Zeitschrift für Antiquare und Büchersammler. Herausgegeben von der Interessengruppe Antiquariat und Versandbuchhandel im Börsenverein des deutschen Buchhandels e.V. ISSN 0343-186X

Das Heft 3/2020 der Zeitschrift VFV Info brachte als Aufmacher einen Artikel Heiner Jakobs, unter Mitwirkung Frieder Bachs, Manfred Prüßings, Dr. Falko Kuhnkes. Karl Reeses und Manfred Wolls mit dem Titel „70 Jahre und kein bisschen leise … Die Geschichte der Kuhnke Sport 1. Baujahr 1950 Zweizylinder-Gegenkolben-Zweitakter mit Centrix Kompressor. Der Artikel ist gründlich recherchiert uns großzügig illustriert. In solcher Weise findet der Leser weitere Artikel über Fahrrad-, Mottorad- und Auto-Oldtimer Modelle.

VFV Info – offizielles Organ des Veteranen-Fahrzeug-Verbandes e.V. 

sekretariat@veteranen-fahrzeug-verband.de www. veteranen-fahrzeug-verband.de

Der Altenburger Geschichts- und Hauskalender erscheint seit 1646, allerdings mit Unterbrechungen. Die neue Folg befindet sich mit der Ausgabe für 2021 im 30. Jahrgang. Der Leser findet ein Kalendarium für 2021 mit Berücksichtigung der Region, zahlreiche historische Artikel zum Altenburger Land (Osterland), Biographien, Naturbeschreibungen, Kunst und Kultur und eine Art Chronik des Jahres 2020 im Altenburger Land. Ein interessanter Versuch ein traditionelles Format in unserer Zeit weiterzuführen.

Altenburger Geschichts- und Hauskalender 2021. 30 Jahrgang Neue Folge. E. Reinhold Verlag Altenburg. www.vkjk.de ISBN 978-3-95755-062-0

Die Zeitschrift »Signum. Blätter für Literatur und Kritik« erscheint 2021 im 22. Jahrgang. Im Heft 2 (Sommer 2021) veröffentlicht die Redaktion eine Vielzahl von Lyrik- und Kurzprosa-Texten einer Vielfalt von Autoren. Großen Raum nimmt der Schwerpunkt „Exkurs – Unterm Kamm“ ein. Verschiedene Autoren kommen zum Themen „Erzgebirge“ zu Wort.

Den Band beschließen »Kritiken«. Dieser Teil, wir hoben es schon oft hervor, erscheint uns besonders lesenswert. Das Sprachgefühl der Autoren dieses Teiles ist in der heutigen Zeit von besonderem Wert.

Signum. Blätter für Literatur und Kritik. 22. Jahrgang, Heft 2, Sommer 2021, ISSN 1438-9355

www.zeitschrift-signum.de

Die Zeitschrift Austro Classic – Das österreichische Magazin für Technik und Geschichte – erscheint 2021 im 30. Jahrgang. Im Heft 2/2021 finden sich wieder zahlreiche Artikel und Informationen der Oldtimer-Clubs. Aus der Vielfalt ragt der Artikel von Alexander Korab über die Geschichte der italienischen Fahrzeugfirma Bianchi heraus.Die Farbgebung des Titel entspricht der Firmenfarbe Bianchis: Celeste – ein Türkis zwischen hellblau und hellgrün – so wie die Wasserfarbe der Adria. Eduardo Bianchi wurde 1865 in Mailand geboren. Mit vier Jahren war er Vollwaise. Seine Ausbildung erhielt er im Institut Martinitt und mit 20 Jahren machte er sich als Schmied selbstständig. Mit der Produktion von Fahrrädern – vom Alltagsrad bis zum Rennrad – entwickelte sich die Werkstatt innerhalb weniger Jahre zur Fabrik. Berühmt Sportler fuhren mit Bianchi-Rennrädern. Zur Produktion kamen Fahrräder mit Hilfsmotor, Motorräder und Autos in formschönen und zuverlässigen Ausführungen. Doch 1989 verschwand der name Bianchi vom Automarkt. Das ist bedauerlich, vereinten doch solch Unternehmen die Erfahrungen eines breiten Spektrums der Fahrzeuggeschichte. Aus solchen Unternehmen wäre am ehesten eine notwendige Weiterentwicklung der Fahrzeugbranche zu erwarten gewesen. Doch auch hier setzte sich die Macht der Großunternehmen durch. Dafür lebt die Fahrrad-Branche des Unternehmens weiter. 1982 kreierte man da BMX-Rad und bei Radsportlern ist Bianchis Celeste nach wie vor beliebt. 2003 fuhr Jan Ullrich die Tour de France im Trikot des Bianchi-Teams. Ein informativer, reich illustrierter Artikel.

Austro Classic. Das österreichische Magazin für Technik und Geschichte.

www.austroclassik.com office@austroclassic.com

Wir wünschen viel Vergnügen bei der Lektüre.

Johannes Eichenthal

Die Litterata – Technik und Poesie in Mitteleuropa – ist ein Feuilleton des Mironde Verlags (www.mironde.com) und des Freundeskreises Gert Hofmann.

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