Essay

Deutsche im spanischen Bürgerkrieg

Neuerscheinung: Biographisches Lexikon. Deutsche im spanischen Bürgerkrieg.

Werner Abel und Enrico Hilbert legen soeben ein neues Buch zum Spanischen Bürgerkrieg vor. Im kommenden Jahr wird sich der Kriegsbeginn zum 80. Male jähren. Ein Rückblick auf den Sturz einer von westlichen Demokratien wie Diktaturen gleichermaßen verketzerten Regierung ist angebracht:  Am 17./18. Juli 1936 putschten die reaktionären Generäle José Sanjurjo, Emilio Mola, Gonzalo Queipo de Llano und Francisco Franco gegen die bei den Wahlen am 16. Februar 1936 an die Macht gekommene Volksfront-Regierung mit dem Ziel, die mit diesen Wahlen begonnene neue Entwicklung der 2. Spanischen Republik zu beenden.

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Der Sieg der Volksfront hatte den Beginn revolutionärer Veränderungen in Spanien ermöglicht, allerdings waren sich die sozialen und politischen Akteure der Republik zunächst nicht darüber einig, welche Qualität und welchen Umfang diese Veränderungen annehmen sollten. Aber Einigkeit herrschte in der Zurückweisung des Putsches und dem spanischen Volk gelang es in vielen Orten, sich den Putschisten erfolgreich entgegenzustellen und den Putsch zu verhindern. Ohne das massive Eingreifen des nationalsozialistischen Deutschlands und des faschistischen Italiens wäre der Putsch vermutlich letztlich erfolglos geblieben. Die Verweigerung der Solidarität der westlichen Demokratien für das republikanische Spanien war ein weiterer negativer Faktor.

Spanien zeigte erstmals, dass es in Europa möglich war, den angeblich unvermeidlichen Siegeszug des Faschismus, der Reaktion und des Autoritarismus aufzuhalten. Aber Spanien wurde auch zum Symbol für die internationale Solidarität, tausende Freiwillige aus über fünfzig Ländern der Erde eilten der bedrohten Republik zu Hilfe. Unter ihnen waren auch ca. 5000 Deutsche, Männer und Frauen, die in den verschiedenen antifaschistischen Milizen, den Internationalen Brigaden, den Kampfverbänden der Anarchosyndikalisten und des POUM, der Spanischen Volksarmee, Presse und Funk, in der Rüstungsindustrie und im Bereich der Kultur ihren Beitrag im Kampf gegen die Reaktion leisteten. Diese Deutschen, von denen bisher ca. 4500 Namen ermittelt werden konnten, sollen der Vergessenheit entrissen und gebührend gewürdigt werden. Dem dient das vorliegende Biographische Lexikon, das jenseits aller ideologischen Differenzen alle die aufgenommen hat, die zwischen 1936 und 1939 ihren Beitrag zur Verteidigung der Republik und der sozialen Revolution leisteten. Manche von ihnen lebten schon vor dem Putsch im spanischen Exil, andere kamen auf Beschluss der KPD, wieder andere sahen sich als Antifaschisten verpflichtet, ohne besonderen Auftrag nach Spanien zu gehen. Auch andere deutsche linke Exilorganisationen wie die FAUD, die SAP und die KPD(O) schickten viele ihrer Mitglieder nach Spanien. Es kamen aber auch Deutsche, die in Spanien eine individuelle soziale Alternative für sich erhofften.

Das Biographische Lexikon beschränkt sich nicht nur auf die Zeit der einzelnen Personen in Spanien, wo es möglich war, wird eine umfassende Biographie mit dem politischen Engagement und der beruflichen Entwicklung vor und nach Spanien versucht darzustellen. Für diejenigen, und das war die Mehrheit, die in Spanien an den verschiedenen Fronten kämpften, werden vor allem die Einheiten genannt, denen sie angehörten, ihre Dienstgrade, ihre Funktionen und ihre Mitgliedschaft in spanischen Parteien genannt.

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Sowohl die Überwindung ideologischer Grenzen als auch die Konzentration auf die Biographien von individuellen Menschen, machen die ausgesprochenen Stärken dieses Buches aus.

Die Autoren sind sich ihrer Grenzen bewusst und heben ausdrücklich hervor, dass man früher eher auf die Erzählungen der Spanienkämpfer und die Materialsammlungen ihrer Interessengemeinschaften angewiesen gewesen sei. Seit der Öffnung der Archive der kommunistischen Parteien und der früheren sozialistischen Staaten in den 1990er Jahren, vor allem durch den Zugang zum Archiv der Kommunistischen Internationale, sei die Forschungsbasis inzwischen derart groß, dass noch nicht alle Unterlagen ausgewertet werden konnten. Trotzdem wollten die Autoren aus Anlass des bevorstehenden 80. Jahrestages des Beginns des Spanischen Krieges ihr Buch der Öffentlichkeit übergeben, um das antifaschistische Bekenntnis der deutschen Frauen und Männer in jenen schweren Jahren in Spanien zu ehren. Beide Autoren erhoffen sich von der sachkundigen Kritik auch Anregungen für die weitere Forschung.

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Zuletzt doch nicht vergessen: Mit diesem Krieg, das wird vielen engagierten Spanienkämpfern bewusst gewesen sein, entschied sich nicht nur das Schicksal der spanischen Republik, er war, neben dem japanischen Überfall auf China im Jahre 1937, auch ein Auftakt zum Zweiten Weltkrieg.

Johannes Eichenthal

Information

Werner Abel / Enrico Hilbert: Sie werden nicht durchkommen! Deutsche an der Seite der Spanischen Republik und der sozialen Revolution.

Verlag Edition AV, 2015, 567 S., VP 40,00 €

ISBN 9783868411126

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