Am Freitag, dem 14. November, wurde im Rittersaal des Schlosses Schlettau eine Ausstellung zur Erinnerung an den 125. Geburtstag Arthur Kupfers in der „Sammlung Erzgebirgische Landschaftskunst“ von Sven Neubert, Leiter des Kul(T)ourbetriebs, eröffnet. Traditionell umrahmten Annaberger Kammersolisten die Veranstaltung musikalisch. Die Laudatio hielt der Kunsthistoriker Alexander Stoll.

Pöhlberg
Hier der Wortlaut der Rede Alexander Stolls:
„Kupfer – Annaberg“ kann man als einprägsame Signatur auf den allermeisten seiner Grafiken lesen. Arthur Kupfer hat seine wichtigsten Schaffensjahre in der Bergstadt Annaberg verbracht. Dabei war der in Zwickau geborene und in Chemnitz aufgewachsene Künstler durch die Familie seiner Mutter, die aus Buchholz stammte, schon in seiner Kinder- und Jugendzeit mir ihr eng verbunden. Es gibt nur wenige Künstler seiner Generation, in deren Schaffen die Stadt Annaberg so im Fokus steht, wie bei ihm. Hier dürfte ihm höchstens noch der um einige Jahre jüngere Rudolf Manuwald zur Seite zu stellen sein.
Aber es wäre zu kurz gegriffen Kupfer nur auf Annaberg zu reduzieren. Er fand im gesamten Erzgebirge seine Motive – von Zinnwald im Osterzgebirge bis hin zu Oberwildenthal im Westen. In seinen frühen Jahren war es v.a. auch die Chemnitzer Umgebung, die ihn inspirierte, während er in seiner späteren Schaffensphase, d.h. nach 1945 durch ganz Ostdeutschland reiste – quasi vom Darß bis zum Fichtelberg und vom Harz bis an die Oder. Dabei hat er sich vor allem den architektonischen Sehenswürdigkeiten zugewandt: Burgen und Schlösser und immer wieder Kirchenbauten. Auch einzigartige Altstadtensembles wie z.B. die Krämerbrücke in Erfurt oder Quedlinburg fanden sein Interesse. Genaue Zeichnungen vor Ort bildeten die Vorlagen für seine später im Atelier angefertigten, zumeist auch technisch aufwendigen Druckgrafiken.
Kupfer hat sein Handwerk – wie man gerne sagt – von der Pike auf gelernt. Familiär vorgeprägt war er durch den Vater, der eine Druckerei führte und der Sohn deshalb früh mit den Arbeitsfeldern Zeichnung und Drucktechnik in Berührung kam. Bei einer Lithografenlehre – bei der das Zeichnen nach der Natur, wie damals üblich und für die Bildproduktion auch unbedingt notwendig, fleißig geübt wurde – konnte er sich erstes künstlerisches Rüstzeug verschaffen. Der junge Arthur Kupfer wollte jedoch mehr und so studierte er Anfang der 1920er Jahre an der Hochschule für grafische Künste in Leipzig. Schon in der Studienzeit wandte er sich verstärkt der Druckgrafik, besonders der Radierung zu. Nach Beendigung des Kunststudiums und einer kurzen Zeit der praktischen Tätigkeit als Zeichner und Lithograf studierte er im Anschluss von 1924 bis 1925 an der Gewerbelehreranstalt in Chemnitz. Unmittelbar darauf führte ihn seine erste Anstellung als Gewerbelehrer nach Annaberg – die Heimat seiner Mutter, die ihm auch schon vertraut war. In der Folgezeit entstanden hier nun die meisten, zum Teil weit verbreiteten und bekannten Blätter vom Erzgebirge – und natürlich von Annaberg, der St. Annenkirche, dem Frohnauer Hammer, der Ruine auf dem Schreckenberg usw.

Auersberg
Wenngleich Arthur Kupfer sich auch als Maler von Ölgemälden oder Aquarellen betätigt hat, so lag sein Schwerpunkt eindeutig auf dem Gebiet der Druckgrafik. Viele seiner vor Ort entstandenen Zeichnungen übertrug er unmittelbar in Holz- und vor allem Linolschnitte und fand dabei einen Weg der Konzentration, mitunter auch Zuspitzung seiner bildlich festgehaltenen Beobachtungen. Raffinierte Farbschnitte waren seine Spezialität. Und wir danken der Familie Trommer, die aus dem Nachlass sowohl Druckplatten als auch Zustands- und Probedrucke für die Ausstellung zur Verfügung gestellt haben, so dass ein wenig nachvollziehbar wird, welch konzeptioneller Aufwand und auch welche technische Präzision für die Erstellung solcher Farbdrucke notwendig war. Dabei sollte man nicht vergessen, dass Kupfer v.a. noch in einer Zeit lebte, in der die Schwarzweißabbildung dominierte, farbige Bilder und Reproduktionen (außerhalb von Gemälden, Aquarellen etc.) selten waren.
Arthur Kupfer war darüber hinaus vor allem ein Meister auf dem Gebiet der Radierung. Diese nicht einfach zu bewerkstelligende Drucktechnik mit geätzten Metallplatten hatte ihn bereits während des Studiums beschäftigt. Insbesondere widmete er sich der Weichgrundradierung. Bei dieser wird kein harter Lack auf die Metallplatte aufgetragen sondern eine weiche, fettige Paste. Diese erlaubt eine sehr unmittelbare Übertragung einer Zeichnung. Denn ein darüber gelegtes Papier, das bezeichnet wird, nimmt den weichen Grund von der Platte ab und gibt so das Metall für den Ätzvorgang frei. So erstellte Drucke weisen meist eine besonders malerische Note auf und erlauben feinste Hell-Dunkel-Abstufungen.

Ein bemerkenswertes Blatt in dieser Technik ist das 1935 entstandene „Nacht über St. Annen“. Diese Komposition weist eine eindrucksvolle Perspektive auf. Der Blick des Betrachters geht steil die Große Kirchgasse nach oben, wo sich majestätisch die St. Annenkirche erhebt. Wer Annaberg kennt, dem ist auch dieser Eindruck vor Augen. Wenngleich man von der Kirche nur den Giebel und den hohen Kirchturm erblickt, lässt sich durch die deutlich kleineren Häuser in der Gasse die monumentale Größe des Baus gut erahnen. Aus den Fenstern der Häuser fällt nur wenig Licht, die Straßenbeleuchtung ist sehr spärlich. So ergibt sich eine dunkle, fast bedrohlich erscheinende nächtliche Stimmung, in der die strahlende Wirkung der angeleuchteten Kirche in ihrer Symbolkraft wie ein mächtiges Hoffnungszeichen erscheint.
Überblickt man die Druckgrafik im Zusammenhang der erzgebirgischen Landschaftskunst allgemein und insbesondere auch hinsichtlich unseres Sammlungsbestandes, so fällt auf, das die Hochdrucktechniken, v.a. der Holzschnitt, viel stärker verbreitet sind als Tiefdrucktechniken wie die Radierung. (Im Bestand der SELK mehr als doppelt so viele Holzschnitte wie Radierungen; von Manuwald, Westenburger z.B. gibt es nur ganz vereinzelt Radierungen). Das mag zum einem an den relativ aufwendigen technischen Umständen liegen, aber es ist auch eine Frage des jeweiligen Ausdrucks: der Holzschnitt ist in seiner Herbheit und Schroffheit den erzgebirgischen Gegebenheiten mit Sicherheit sehr nahe. Formen werden fast automatisch verknappt, mitunter auch eher expressiv im Ausdruck. Kupfer hingegen, der sich ja auch mit dem Holz- und Linolschnitt befasst hat – geht mit seinen Radierungen deutlich mehr ins Detail, verbindet feinste Lineatur und malerisch gestaltete Flächen in landschaftlichen und architektonischen Motiven. Eine genaue Schilderung der Natur und möglichst vieler Einzelheiten sind in dieser Technik besser umsetzbar als in den Hochdruckverfahren (Dachziegel).
Zweifellos: Arthur Kupfer war ein Meister der Radierung – und damit bildet er eine auffallende und unverwechselbare Stimme in der erzgebirgischen Landschaftskunst, auf die wir mit dieser Ausstellung anlässlich seines 125. Geburtstages gern aufmerksam machen möchten.

Die Ausstellung wäre ohne die umfangreichen Leihgaben des Erzgebirgsmuseum nicht realisierbar gewesen. Seit 2000 befindet sich dort der Nachlass Kupfers mit rund 300 Werken. Herzlichen Dank an das Museum in Annaberg, Herrn Guthke und Herrn Bräuer, für die Zusammenarbeit.
Dank auch an Familie Trommer, die bei der Vorbereitung und ebenfalls mit einigen Leihgaben das Ausstellungsprojekt vielfältig unterstützt haben.
Alexander Stoll
Die Litterata – Technik und Poesie in Mitteleuropa – ist ein Feuilleton des Mironde Verlags (www.mironde.com) und des Freundeskreises Gert Hofmann.
Information
Die Ausstellung ist noch bis zum 31. Mai 2026 zu sehen.
Schloss Schlettau, Schlossplatz 8. 09487 Schlettau

