Reportagen

DAS ZÜNDBLÄTTCHEN

Am Abend des 24. November stellten Else Gold und Wolfgang E. HerbstSilesius in Meißen den 15. Jahrgang der Zeitschrift »Zündblättchen. Überelbsche Blätter für Kunst und Literatur« (mit den Nummern 85–90) vor.

Der 24. November war ein nasskalter Tag. Die Sonne zeigte sich in den Mittagsstunden nur kurz. Die Autobahn war selbst noch am späten Sonnabendnachmittag durch LKW verstopft. Das Navigationssystem leitete uns in einem großen Bogen zur wahrscheinlich repräsentativsten Ortseinfahrt: rechts von uns die Albrechtsburg, im 13. Jahrhundert einmal ein mitteldeutsches Zentrum der Sänger und Dichter – der Markgraf selbst liebte die Literatur, links von uns die davon unbeeindruckt dahinfließende Elbe. Am schmalen Ufer die Altstadt mit ihren engen Straßen und Gassen. Das Atelier der Objektkünstlerin Else Gold leuchtete uns am Hahnemann-Platz entgegen. Die angekündigte Lesung hatte schon begonnen. Durch das Zusammenrücken der Zuhörer wurden zwei Plätze für uns frei, und wir hörten Gregor Kunz, dessen Texte im Zündblättchen Nr. 90 veröffentlicht wurden. (Die Grafik in Zündblättchen 90 stammt von Frank Herrmann.) Nach einer kurzen Pause las Constanze Böckmann, die Autorin der Texte von Zündblättchen Nr. 85. Die Grafiken in Zündblättchen 85 stammen von Andrew Maximilian Niss.

 

Von links: Else Gold, die »Mutter« des Zündblättchens, Wolfgang E. HerbstSilesius, der »Vater« des Zündblättchens, Gregor Kunz, Autor von Zündblättchen 90 und Constanze Böckmann, Autorin von Zündblättchen 85. Seit 15 Jahren öffnen Else Gold und Wolfgang E. Herbst Silesius ihre private Zeitschrift anderen Lyrikern, Kurzprosaautoren, Grafikern und Malern als Publikationsmedium. 90 Literaten und Künstlerinnen erhielten bisher die Gelegenheit zur Veröffentlichung. Mit Dankbarkeit erinnern wir uns an Zündblättchen Nummer 12, in dem eine Hommage an den bis heute in seiner Heimat nahezu unbekannten deutschen Dichter Gert Hofmann (1931–1993), in den 1960er bis 1980er Jahren einer der meistübersetzten deutschsprachigen Gegenwartsschriftsteller, möglich war. (Der Freundeskreis Gert Hofmann ist gemeinsam mit dem Mironde Verlag Herausgeber der Litterata.)

 

Im Jahrgang 2018 fiel uns besonders das Heft 89 ins Auge. Die »Zündblättchen« veröffentlichen Gedichte der albanischen Autorin Ardiana Shala Prishtina. (In der Übersetzung von Zuzana Finger.) Die Bild-Collagen stammen von Else Gold.

 

Wolfgang E. HerbstSilesius, Träger des V. O. Stomps-Preises, gab in seinen Wanderjahren verschiedene Kunst- und Literaturzeitschriften heraus. Grundgedanke war dabei: mit einfachen und soliden Mitteln Text und Grafik unter die Leute zu bringen. Deshalb setzen Else Gold und Wolfgang E. HerbstSilesius die Zündblättchen heute auch mit dem Computer und nicht mehr mit Bleibuchstaben, obwohl Wolfgang als gelernter Drucker und Setzer, den Bleisatz auch beherrscht.

 

Kommentar

Im Meißner Goldgrund wird seit 15 Jahren eine kleine, auf den ersten Blick unscheinbare, Kunst- und Literaturzeitschrift hergestellt. Die »Zündblättchen« werden in einem so einfachen, wie genialen Verfahren auf einem Bogen gedruckt und dann gefaltet und gebunden. Wie in alten Zeiten muss der Leser die Seiten der Zündblättchen erst aufschneiden, um sie lesen und umblättern zu können. In den Anfangsjahren war man vielleicht geneigt, den Untertitel »Überelbsche Blätter« wörtlich zu nehmen. Doch in den letzten Jahren wird unübersehbar, dass es sich hier um eine Metapher handelt. Es kommen Autorinnen und Autoren, Künstlerinnen und Künstler aus ganz Deutschland und Europa in die kulturelle Kommunikation. Else Gold und Wolfgang E. HerbstSilesius gebührt unser Dank für die Ausdauer, mit der sie ihre »zündenden« Ideen in dem Projekt verwirklichen. Sie tragen zur Bereicherung der Kultur in Sachsen bei.

Johannes Eichenthal

 

Information

Das Zündblättchen (15. Jahrgang) ISSN 1866-1726 6 Ausgaben pro Jahr (2018 Nr. 85–90)

Preis Einzelexemplar 1,50 Euro (plus Porto)

Beziehbar bei: Else Gold, Goldgrund 15, 01662 Meißen,

E-Mail: elsegold@aol.com

Tel. 0151 74105554

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