Reportagen

HENRY BÜTTNER – DER UNZEITGEMÄßE

Am Abend des 27. Juli wurde in der Galerie der Lunzenauer Gaststätte »Zum Prellbock« ein Ausstellung mit Karikaturen des 1928 in Wittgensdorf geborenen Henry Büttner eröffnet. Die Ausstellung ist bis zum 2. September 2019 zu sehen.

Erfreulich viele Besucher hatte die Ankündigung einer der seltenen Ausstellungen von Werken Henry Büttners an diesem Abend in den Prellbock gezogen.

Die Ausstellungseröffnung fand deshalb vor der Galerie statt. Das ehemalige Gebäude des Haltepunktes Obergräfenhain sollte Mitte der 1990er Jahre abgerissen werden. Matthias Lehmann transportierte per Kran und Tieflader das Gebäude nach Lunzenau. Seitdem dient es der Kunst.

Die Journalistin Gabi Thieme berichtete, wie sie seit den 1970er Jahren versuchte, ein Interview mit Henry Büttner zu führen, und wie ihr dies, als sie schon fast keine Hoffnung mehr hatte, im letzten Jahr geschenkt wurde.

Der Galerist Matthias Lehmann berichtete darüber, wie ihm Gabi Thieme zum Kontakt mit Henry Büttner verhalf, und wie es zu dieser Ausstellung kam. Das Publikum stürmte nach den ewig langen Ansprachen in die Galerie, um sich endlich die Karikaturen anzusehen. Man kam kaum an die Bilder heran, ab und zu hörte man ein nachdenkliches Lachen.

Die Galerie mit der Henry-Büttner-Ausstellung ist nicht groß, es passen nicht viele Gäste gleichzeitig hinein. Aber die Räume haben immer noch den nostalgischen Charme eines Bahnhofsgebäudes.

In einem Koffer werden einige Bücher Büttners ausgestellt.

Am Ende ist auch ein Foto Henry Büttners zu sehen, das Matthias Lehmann aufnehmen durfte.

Statt einer Laudatio ein poetischer Kommentar von Ekkehard Schulreich auf Henry Büttner:

Was sonst noch passierte

Hieß die Rubrik, unter der er
Nie publizierte. Getroffen hätte es.
Zehnmal älter als ich war er,
Als meine Mutter Abseitiges
Aus dem Zentralorgan mit Büttners Blättern
Aufwog, indem sie beides an die innere Tür
Unseres Außenklosetts pappte.
Zu Kopfe stiegen mir Stierendem
Die feingestrichelten Destillate
Des Genius. Über den Lokus geduckt,
Sah ich den Horizont klarer.
Im Auge nie ihn gehabt, verlor aus
Dem Sinn ich seine Paraphrasen nie,
Nicht seinen Für-, weil Aberwitz,
Bitter korrekt, unbeugsam nüchtern.
Ihm ich altere mich an. Halb kaum die Distanz,
Die heute uns trennt. Längst fortgeschönt
Ist der Ort frühen Einklangs. Auf dem Weg
Bleibe ich, hole den Meister nie ein, Nachhut,
Nachgelagerte Avantgarde. Im Wissen,
Dass immer etwas gegen den Strich läuft,
Widerstand setzen, Zeichen wie Worte:
Genius Lokus allerorts. Wir zehren genussvoll
Und zahln.

Kommentar
Henry Büttner ist in unserer Zeit eine singuläre Erscheinung. Man merkt seinen Karikaturen, trotz seines individuellen Strichs, die gründliche handwerkliche Ausbildung an. Vielleicht waren seine Arbeiten, die nachdenklich auf die menschliche Existenz zielen, nie »aktuell«, sondern immer unzeitgemäß. Dazu passt, dass er die Annahme des deutschen Karikaturpreises 2015, der ihm für sein Lebenswerk verliehen werden sollte, ablehnte. Mit einiger Sicherheit werden sich die Mensch noch in 100 oder 500 Jahren in den Karikaturen Büttners wiedererkennen, wenn niemand mehr weiß, dass es einst einen Karikaturpreis gab.
Die Ausstellungseröffnung in der Prellbock-Galerie am 27. Juli war ein Ereignis. Den Organisatoren gebührt Dank, anlässlich des 90. Geburtstags Henry Büttners auf dessen Lebenswerk aufmerksam gemacht zu haben.
Johannes Eichenthal

Information
www.prellbock-bahnart.de

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