Reportagen

DKW IN ZSCHOPAU

Am 27. April fand im „Grünen Saal“ des Schlosses Wildeck der Motorradstadt Zschopau, im Rahmen des Zschopauer Jubiläums „100 Jahre DKW“ die Vorstellung des neuen Buches „Zwei Takte und zwei Räder. DKW-Serienmotorräder 1922 bis 1945“ statt. Es waren alle Zschopauer gekommen, die ein Herz für die Fahrzeug-Tradition haben.

Silke Dost, die Leiterin der gastgebenden Stadtbibliothek“, begrüßte den Autor Frieder Bach und den Fotografen Detlev Müller.

Frieder Bach begann die Vorstellung seines Buches im lichtdurchfluteten Saal mit einer ausführlichen Reminiszenz an die Motorradstadt Zschopau. Hier gründete der dänische Kapitänssohn Jorge Skafte Rasmussen ein Unternehmen, das, wie viele andere europäische Firmengründungen in dieser Zeit, von Fahrrädern bis hin zu PKW alles produzieren sollte. Diese Breite war immer wieder Voraussetzung für Neuansätze in speziellen Bereichen. Von Anfang an, so Frieder Bach, wollte Rasmussen einfache, zuverlässige und relativ preiswerte Fahrzeuge für den Massenbedarf produzieren. Die einfache Lösung ist das höchste Ziel der Techniker. Man kommt dahin über das Chaotische und das Komplizierte. In den Fotos von Detlev Müller wird gerade dies Besonderheit der DKW-Konstruktion sichtbar.

Das fachkundige Publikum aus mehreren Generationen kannte die Details sicher genau so gut, wie Frieder Bach, lauschte aber gebannt der Erzählung, den Geschichten und Episoden. Die Bachsche Art und Weise der Herstellung von Zusammenhängen brachte den einen oder anderen immer wieder zum Erstaunen. 

Frieder Bach verwies darauf, dass der Rennsport von Anfang an bei DKW eine wichtig Rolle für die Tests und die Weiterentwicklung der Serientechnik spielte. In der Person Hermann Webers wird diese enge Verbindung von Rennsport und Konstruktion der Serienmaschinen deutlich.

Frieder Bach verwies darauf, dass aus dieser Form der Weiterentwicklung Baugruppen hervorgingen, die in verschiedenen Fahrzeugen einsetzbar waren. Das sei, so Frieder Bach, der Ansatz eines Baukastensystems gewesen. Damit wird deutlich, dass DKW seine Rolle als wichtigster Motorradproduzent der Welt im Jahre 1928 nicht bloß durch Umsatzsteigerungen errang.

Im Publikum horchte man auf, als Frieder Bach, darauf verwies, dass die austauschbaren DKW-Baugruppen heute Oldtimer hervorbringen, die aus Teilen verschiedener Fahrzeuge zusammengesetzt sind. Vor allem jüngere Käufer wissen oft nicht, welcher Fahrzeugtyp vor ihnen steht. 

Am Ende dankte Silke Dost dem Autor für sein Engagement.

Im Hintergrund stand noch das Bild Hermann Webers im Rennwagen. Frieder Bach musste noch einen Nachsatz loswerden. Er freue sich über das Interesse junger Leute an den Oldtimern. Wir befassen uns mit Oldtimern nicht aus schnöden finanziellen Spekulationsabsichten. Wir wollen wissen, wie die Fahrzeugtechnik aufgebaut ist, wie die Fahrzeuge hergestellt wurden. Es geht um das Begreifen der Technologie und die Weitergabe des Wissens. Allein deshalb mühe er sich seit Jahren, um alles aufzuschreiben und der nachfolgenden Generation zu hinterlassen. Er erlebe beständig Beispiele, dass sich junge Menschen für die technische Erbschaft interessierten. Das sei die Grundlage. Wenn man das reiche Erbe mit den heutigen technischen Möglichkeiten verbinde, dann könne etwas ganz Neues entstehen und die Verluste der Vergangenheit ersetzen. Hier spürte man für einen kurzen Moment die immer noch währende Betroffenheit Frieder Bachs über das Ende der DKW/MZ-Serienproduktion. Sofort fügte er aber an, dass in den kleinen Fahrzeugfirmen der Region Erbe und Innovation wieder verbunden würden.

Den beiden Autoren Frieder Bach, hier beim signieren, und Detlev Müller, hier bei seiner Fotografen-Arbeit, wie auch der Stadtbibliothek Zschopau gilt der Dank. Die Frage ist, warum es in Zschopau noch kein Denkmal für Jorge Skafte Rasmussen, Carl Hahn und Hermann Weber gibt? Warum nicht alle drei nebeneinander, wie Goethe und Schiller in Weimar?

Clara Schwarzenwald

Information

Auf Schloss Wildeck gibt es auch ein Motorradmuseum: https://www.schloss-wildeck.de/motorradtraeume

Die nächste Vorstellung des Buches von Frieder Bach und Detlv Müller findet am 10. Mai im Textil- und Rennsportmuseum Hohenstein-Ernstthal statt

Frieder Bach/Detlev Müller: Zwei-Takte und Zwei-Räder. DKW-Serienmotorräder von 1922 bis 1945

Fester Einband, Fadenheftung, Lesebändchen, etwa 500 Fotos und Abbildungen

23,0 × 23,0 cm, 320 Seiten VP 39,90 €

ISBN 978-3-96063-039-5

Das Buch ist erhältlich im Buchhandel oder direkt beim Verlag. https://buchversand.mironde.com/epages/es919510.sf/de_DE/?ObjectPath=/Shops/es919510/Products/9783960630395

Die Litterata – Technik und Poesie in Mitteleuropa – ist ein Feuilleton des Mironde Verlags (www.mironde.com) und des Freundeskreises Gert Hofmann.

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One thought on “DKW IN ZSCHOPAU

  1. Das hat die Clara wieder schön geschrieben. Schau an. Die Jugend interessiert sich für alte Dinge. So soll es sein. In der Asche die noch sichtbare Glut entfachen damit das neu aufgelegte Holz Feuer fängt. Und die drei Klassiker in Zschopau vor dem Rathaus aufzustellen, damit man stets vor Augen hat, wozu solide handwerkliche und ingenieurtechnische Ausbildung gepaart mit Phantasie und Unternehmergeist führen – eine wirklich gute und provokante Idee.
    Ich hoffe, daß das Buch von Frieder Bach und Kollegen nicht sofort wieder vergriffen ist und bestelle hiermit vorsichtshalber gleich drei Exemplare – eines für meine Frieder-Bach-Sammlung und zwei für meine beiden sächsischen Motorradkumpels!

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