Am 3. Oktober 2025 wurde endlich der langjährige Chefkonstrukteur der Motorradkonstruktion im Zschopauer DKW-Werk Hermann Weber (1896–1948) geehrt. Der ehemalige Konstrukteur der Firma MZ Ulf Blätterlein hatte die Trommel hierfür heftig gerührt und viel telefoniert, dass zu der öffentlichen Veranstaltung auch Publikum anwesend war. Die meisten der Anwesenden waren wohl ehemalige Mitarbeiter des Werkes, in dem lange Zeit Motorräder hergestellt wurden. Ende der zwanziger Jahre war es der größte Hersteller von Motorrädern in der Welt. Das war auch die Zeit, als Hermann Weber noch selbst Rennen fuhr, obwohl das sein Chef J. S. Rasmussen sicher mit einem lachenden und einem weinenden Auge sah, denn die Erkenntnisse, die Hermann Weber als Rennfahrer an den Wochenenden gewann waren dann schnell und unbürokratisch umgesetzt in der Produktion der Serienfahrzeuge zu finden. Andererseits war einer des besten Mitarbeiter Rasmussens immer einer zusätzlichen Gefahr bei den Rennen ausgesetzt.

Die Enthüllung des Namensschildes des Platzes,: rechts der OB Arne Sigmund und links der Ortschronist Carsten Beyer
Weber war von 1921 bis 1945 für die Konstruktionen der Motorräder verantwortlich. Dann brauchten ihn die Sowjets zum Aufbau ihrer Motorradindustrie in Ishewsk. Hermann Weber verstarb in einem sowjetischen Krankenhaus und sah die Heimat nicht wieder. Er wurde in Zschopau durch die Benennung eines Platzes geehrt. Der Platz befindet sich vor dem ehemaligen „Stadtkaffee“, das etliche Jahre in ruinösem Zustand zubrachte und sich jetzt kurz vor der Fertigstellung als „Bikerhotel“ präsentiert. Dieser Platz wurde neu befestigt mit Kleinpflaster und Gehwegplatten und zur Straße hin mit schönen Gusspfählen und Ketten gesichert.

Die Zeremonie der Benennung wurde vom Oberbürgermeister und vom Ortschronisten vorgenommen. Daran teilgenommen hatten Bürgermeister der französischen Partnerstadt von Zschopau, sowie die Nachkommen bzw. Verwandten von Hermann Weber, Vertreter umliegender Museen und der Buchautor und Sammler der RT-Motorräder Claus Uhlmann, der mit einer RT schnell von der Augustusburg nach Zschopau gekommen war, wo das Herbsttreffen der Oldtimer stattfand, wie jedes Jahr am 3. Oktober.

Das Publikum, zumeist ehemalige Werksmitarbeiter, ganz rechts mit dem Gesicht zu uns der ehemalige MZ-Konstrukteur Ulf Blätterlein
Hermann Webers Witwe, die ich Ende der achtziger Jahre kennen lernte, hätte sich sicher sehr gefreut über die Ehrung der Arbeit ihres Mannes, wenn sie diese Feierstunde noch miterlebt hätte. Sie kämpfte schon damals für die Umbenennung einer Straße in Zschopau, die aber in der DDR niemals in Frage gekommen wäre.
Frieder Bach
Die Litterata – Technik und Poesie in Mitteleuropa – ist ein Feuilleton des Mironde Verlags (www.mironde.com) und des Freundeskreises Gert Hofmann.
Information
Im Mironde-Verlag erschien das Buch „Zwei Takte und zwei Räder. DKW-Serienmotorräder von 1922 bis 1945“, ein Standardwerk zur Geschichte des Fahrzeugbaues in der Region Zwickau-Chemnitz-Erzgebirge, von Frieder Bach, mit den Fotos von Detlev Müller
Direkt beim Verlag bestellbar: https://buchversand.mironde.com/p/frieder-bach-detlev-mueller-zwei-takte-und-zwei-raeder-dkw-serienmotorraeder-1922-bis-1945

Recht vielen Dank für die Info auf diesen Artikel. Wenn es nicht die vielen Leute gäbe, welche sich um die Erhaltung der Technikhistorie kümmern, würde das Wesentliche vergessen und nur das Banale der Öffenlichkeit präsentiert. Weiter so , Sigfrid W. Hoyer Gastwirt i.R.