Der 18. November trübte sich in seiner zweiten Hälfte zunehmend ein. Nieselregen tropfte vom Himmel, wie man es sich an einem Novemberabend so vorstellt. Die schwachen Menschen krochen vor ihre Fernseher. Die Lichter gingen aus. Nur die Bildschirme flackerten in den Fensterhöhlen noch vor sich hin.
In der Groß-Mützenauer Gaststätte »Zum Prellbock« war noch Licht. Ein sachkundiges Publikum wartete in der Kleinen Galerie schon ungeduldig auf die neue Ausstellungseröffnung.
Da trat der Groß-Mützenauer Bürgermeister Matthias Lehmann, der beliebteste Bürgermeister Deutschlands (!), vor die Fans und begrüßte unter tosendem Applaus die Karikaturistin Lilli Bravo. Der Bürgermeister stellte die Künstlerin aus Kassel vor und diskutierte einige der ausgestellten Werke. Das Publikum war über die prägnanten Texte und die markanten Zeichungen der jungen Frau erstaunt. Man wunderte sich, wie ein solch junger Mensch über derartige Lebenserfahrung verfügt.
Zum Abschluss erhielt Lilli Bravo aus der Hand des Bürgermeisters das berühmte, kleine »Böckchen« als eine Anerkennung für ihr Engagement.
In geselliger Runde wurde noch lange gefachsimpelt, Bücher signiert und Erinnerungen ausgetauscht.
Zum Abschluss folgte das traditionelle »Mützen-Foto«. Lilli Bravo mit einer Mütze der Königlich-Sächsischen Staatseisenbahn und ihr österreichischer Lebensgefährte mit einer österreichischen.
Dieses Foto ist hier so Brauch. Das Ritual gibt uns den nötigen Trost und Halt in einer fragwürdig gewordenen, umbrechenden Welt. Unser Dank gilt der Künstlerin und ihrem Lebensgefährten, wie auch der gesamten Besatzung des »Prellbock« und dem legendären Bürgermeister Lehmann. Ohne diesen »Kunstverrückten« gäbe es vielleicht die ganze Stadt Groß-Mützenau, ein Ort an dem das Unmöglich möglich wird, nicht.
Johannes Eichenthal
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Danke, sehr treffend formuliert.